Valley of Love – Tal der Liebe

Zwei große Persönlichkeiten des französischen Kinos – wieder vereint nach 36 Jahren! Isabelle Huppert und Gérard Depardieu spielen ein Ex-Ehepaar, das sich auf Wunsch ihres toten Sohnes gemeinsam ins kalifornische Death Valley begibt. Die Geschichte um zwei Menschen, die nichts mehr verbindet außer der Trauer um den Sohn, bietet den Stars die Möglichkeit, ihr Können zu zeigen und gleichzeitig mit ihrem Image zu kokettieren. Trotzdem gelingt es ihnen nicht ganz, über die Schwächen eines Drehbuchs hinwegzuspielen, das sich zu sehr auf die Präsenz der zwei Schauspieltitanen verlässt. Für Huppert-Depardieu-Fans ist der Film dennoch ein unverzichtbares Kinoereignis.

Webseite: www.valleyoflove-film.de

Originaltitel: Valley of Love
Frankreich 2015
Regie und Drehbuch: Guillaume Nicloux
Kamera:
Darsteller: Isabelle Huppert, Gérard Depardieu, Dan Warner, Aurelia Thierrée
91 Minuten
Verleih: Concorde
Kinostart: 21. Januar 2016
 

Pressestimmen:

"Sowohl auf visueller als auch erzählerischer Ebene ist VALLEY OF LOVE – TAL DER LIEBE ein Genuss. Eine schauspielerisch beeindruckende Tour-de-Force. – Prädikat besonders wertvoll."
FBW

FILMKRITIK:

Ein Starvehikel ist nach dem Lexikon der Filmbegriffe ein Film, der von der Idee bis zum Marketing ganz auf das Image eines einzigen Filmstars setzt. Insofern wäre „Valley of Love“ also ein Doppelschlag: zwei Stars zum Preis von einem! Dazu passend ist der Plot gestaltet:
 
Die beiden Schauspieler Gérard und Isabelle reisen ins Death Valley nach Kalifornien. Sie haben nach dem Selbstmord ihres gemeinsamen Sohnes jeweils einen Brief mit genauen Anweisungen erhalten, die sie nun befolgen. Die Gründe dafür, warum sie überhaupt alles stehen und liegen lassen, spielen kaum eine Rolle. Zumindest geht es nicht um die Frage der Schuld – die wird sofort geklärt. „Wir sind die Eltern – wir sind schuld“, sagt Gérard gleich zu Anfang. Sieben Tage lang, jeden Tag aufs Neue fahren die beiden an die brieflich festgelegten Orte, wo sie in gleißender Hitze sitzen, um auf ein Zeichen des Verstorbenen zu warten. Dabei sprechen sie wenig, sie kommen sich manchmal näher, entfernen sich wieder voneinander, streiten sich ab und an und versöhnen sich ein bisschen, aber hauptsächlich sind sie dazu verdonnert, Stunde um Stunde unter einer unbarmherzigen Sonne miteinander zu verbringen. Vielleicht ist das Ganze eine späte Rache des Sohnes? Eine diskrete Wendung ins Esoterische legt dann am Ende den Verdacht nahe, dass der Plot auch eine Abrechnung mit der Erwartungshaltung des Publikums sein könnte. Als ob sich Guillaume Nicloux und seine beiden Stars ins Fäustchen gelacht haben. Wie es auch immer sei: Der Film funktioniert nicht so richtig, und das liegt im Drehbuch.
 
Es passiert nicht viel, mal wird gestritten, mal gelacht, eine Versöhnung steht auch mal in Aussicht, aber letztlich bleibt es dabei, dass Isabelle und Gérard einfach wenig miteinander gemeinsam haben. Vielleicht soll es ein Gag sein, dass die beiden Stars sowohl ihren Beruf als auch ihre Vornamen behalten. Doch werden fast alle Möglichkeiten verschenkt, daraus wirklich etwas zu entwickeln, was die Geschichte voranbringt oder ihr mehr Glaubwürdigkeit verleihen würde. Vielleicht handelt es sich auch um eine dieser Drehbuchideen, die zunächst bei den Darstellern und später beim Publikum die Identifikation verstärken sollen. Hier wirkt das Detail leider wenig inspiriert und eher befremdlich als witzig. Ähnlich ist es mit der offenkundigen Symbolik des Death Valley, die sich irgendwo zwischen Holzhammer und Lächerlichkeit bewegt – das Tal des Todes soll also der Schlüssel zum Selbstmord des Sohnes sein. Aha.
 
Dennoch ist der Film ein schauspielerisches Ereignis: Gérard Depardieu zeigt Mut zur Selbstironie und präsentiert sich so uneitel wie schonungslos in seiner ganzen Massigkeit, immer noch mit dem verletzten Blick in den traurigen Augen, der ihn so unwiderstehlich macht. Isabelle Huppert wirkt deutlich flotter und vitaler als ihr kurzatmiger Partner – sie ist die Elfe, er das Walross. Mit zickig zusammengepressten Lippen stapft sie energisch durch die Wüste oder telefoniert aufgeregt. Dabei liefert sie eine wunderbare Parodie auf viele ihrer Rollen. Manchmal lacht sie … dann beginnt ihr Gesicht erst richtig zu leben. Es ist dieses typische, dieses wunderschöne Lachen, das aus dem Nichts kommt und bei dem die Sonne aufzugehen scheint. Selten hat sie Gelegenheit dazu, doch wenn sie lacht, dann wird sie wieder zur jungen Frau, die mühelos gegen das Monster von Mann an ihrer Seite bestehen kann. Die beiden schenken sich nichts, doch sie spielen immer miteinander, niemals gegeneinander. Ihre Dialoge wirken so natürlich, als seien sie im Moment des Drehs entstanden, blitzschnell wechseln die beiden ihre Stimmungen, gehen auf den anderen ein oder entwickeln neue eigene Emotionen. Das ist dann sehr, sehr schön. In ihrer beiläufigen Präsenz zeigen sowohl Isabelle Huppert als auch Gérard Depardieu in der Gluthitze Kaliforniens, dass sie nicht nur leidens-, sondern auch absolut teamfähig sind, kurz: zwei tolle Darsteller.
 
Gaby Sikorski