Vatertage – Opa über Nacht

Ein längst vergessener One-Night-Stand macht den lebenslustigen Münchner Basti über Nacht nicht nur zum Vater, sondern gleich zum Großvater. Durch die Beziehung zu seiner unerwarteten Tochter Dina wird aus dem Hallodri bald ein verantwortungsvoller Mensch, eine zunächst trockene Moral, die in Ingo Raspers bunter, unterhaltsamer Sommerkomödie durch manche Albernheit und eine angenehm libertäre Weltsicht aufgefangen wird.

Webseite: www.vatertage.studiocanal.de

Deutschland 2011
Regie: Ingo Rasper
Buch: Thomas Bahmann, Ralf Hertwig
Darsteller: Sebastian Bezzel, Sarah Horvath, Monika Gruber, Heiner Lauterbach, Adam Bousdoukos, Irm Hermann
Länge: 93 Minuten
Verleih: Studiocanal
Kinostart: 13. September 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Basti (Sebastian Bezzel), Ende 30, ist ein typischer, man müsste eigentlich sagen klischeehafter Münchner Hallodri: Stets leicht braungebrannt, keinem Abenteuer mit dem anderen Geschlecht abgeneigt, bevorzugt er zur Nahrungsaufnahme Weißwurst und Bier und hat sich als Besitzer eines leidlich funktionierenden Rikschataxiunternehmens eine entspannte Existenz aufgebaut. Die eines schönen Tages von der Ankunft eines jungen Mädchens durcheinander gewirbelt wird: Dina (Sarah Horvath) steht vor der Tür, gerade 17 Jahre alt, selbst schon Mutter eines schreienden Babys und vor allem Bastis Tochter. Der erinnert sich nur mit Mühe an das kurze Techtelmechtel, das er vor langem mit einer längst vergessenen Frau hatte. Zumindest behauptet er, dass er es vergessen hat, denn in Wirklichkeit ist ihm wohl bekannt, dass er einst ein Kind gezeugt und dann im Stich gelassen hat. Seitdem lebt er ein hedonistisches Leben, genießt die sexuelle Freiheit, die ihm seine inzwischen eingetretene Unfruchtbarkeit beschert hat und will alles, nur nicht Vater sein. Und erst recht nicht Großvater, was Basti ebenso schockiert zurück lässt wie seinen junggebliebenen Vater Lambert (Heiner Lauterbach), die Nachricht, Uropa geworden zu sein. Zumal Lambert nach der Geburt von Basti und seiner Schwester entdeckt hat, schwul zu sein und inzwischen mit seinem griechischen Lover Nektarios (Adam Bousdoukos) auf Mykonos lebt.

Man merkt: Thomas Bahmann und Ralf Hertwig scheuen in ihrem Drehbuch vor keinem Klischee zurück, doch gerade dieses Übermaß an Stereotypen beginnt nach einer gewissen Anlaufzeit einigen Charme zu entwickeln. Zwar fragt man sich angesichts der Häufung von durch One-Night-Stands entstandenen Kindern, die konsequent von jungen, eigentlich unbedarften Frauen ausgetragen werden, warum in der Welt von „Vatertage“ noch niemand von Empfängnisverhütung oder Abtreibung gehört hat. Doch abgesehen davon, dass es ohne die Vielzahl überraschend auftauchender Babys den Film nicht geben würde, stellt der Film seiner etwas fahrlässigen Sexualmoral eine erfrischend libertäre Weltsicht entgegen, die wohl recht genau die Stimmung der liberalen Insel München im konservativen Bayern einfängt.

Denn hinter der etwas konstruierten Geschichte, den manchmal plump-klamaukigen Momenten, in denen besonders Heiner Lauterbach als schwuler Vater Bastis grenzwertig chargiert, verbirgt „Vatertage“ eine erstaunliche Weltsicht. Nicht die Familie von Blutsverwandten wird hier über alles gestellt, sondern jegliche Form von Familie. Egal ob es der Freundeskreis ist, die schwulen Kumpane des Vaters, oder eben auch leibliche oder einfach nur akzeptierte Kinder, in der modernen Welt ist der einst genau definierte Begriff der Familie komplett aufgeweicht. Am Ende steht der erwachsen gewordene Basti mit einer sprichwörtlichen Patchworkfamilie da und ist damit ebenso zufrieden wie der Zuschauer einer leichten, unterhaltsamen Sommerkomödie.

Michael Meyns

Der Münchner Sebastian ist ein lustiger Kerl, Rikschafahrer, Brassband-Mitglied – die Band heißt „Wadlbeißer“ – und Single. Mit dem Lustigsein allein verdient man allerdings nicht genug. Da hapert es bei „Bast“ gewaltig.

Doch es kommt noch dicker. Eine Nachricht flattert ins Haus, er habe für seine uneheliche Tochter Dina 17 Jahre lang keinen Unterhalt bezahlt und schulde Dinas Mutter Vanessa nicht weniger als 15 000 Euro.

Der geschockte Basti pumpt seine Schwester Thea an, bekommt von seinem homosexuellen Vater 5000 Euro und stiehlt sich auch ein wenig etwas zusammen.

Dina steht vor der Tür, will die (in Wirklichkeit nicht von Vanessa, sondern von Dinas Freundin Natalie) verlangte Summe abholen. Basti hat das Geld nicht zusammen, also muss Dina bleiben.

Bastis Lüge, er habe von Dinas Kindesexistenz nichts gewusst, fliegt auf. Feuer unterm Dach bei Dina und Basti.

Um endlich durchzublicken, fährt Basti nach Bitterfeld zu Vanessa. Dort hellt sich alles auf – zu Bastis ebenso wie zu Vanessas Erstaunen. Basti ist gar nicht Dinas Vater. Wird er etwa gar Dinas Liebhaber?

Dann erstes „Wadlbeißer“-Jubiläum: Brassband-Getöse, Versöhnung allenthalben, Friede, Freude, Ende.

Ein „Heimatfilm“ aus München, ein wenig in der Nachfolge der Arbeiten von Rosenmüller. Schon gut, dass im deutschen Film nicht immer nur triste Stadtviertel von Berlin vorherrschen. Alles ist auf anspruchslos, lustig, urbayerisch gemacht. Letztlich eine Liebeskomödie.

Formal läuft das durchaus gut und glatt ab. Die Münchner Atmosphäre ist spürbar und kann sich sehen lassen.

U. a. steht und fällt jeder Film mit den Darstellern. Sebastian Bezzel als Basti beherrscht die Szene – zu Recht. Sarah Horvath als Dina ist, zumindest im Westen, eine Entdeckung. Einen schönen schauspielerischen Hintergrund liefern keine Geringeren als Christiane Paul (Vanessa) und die Kabarettistin Monika Gruber (Thea). Ergänzend in einer „anderen“ Rolle: Heiner Lauterbach.

Etwas für gestandene Komödien-Liebhaber.

Thomas Engel