Verborgene Schönheit

Nach „Marley & Ich“ und „Der Teufel trägt Prada“ wendet sich Regisseur David Frankel mit „Verborgene Schönheit“ einem dramatischen Stoff zu, der sich lose an die „Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens anlehnt. Thematisch kreist das Hollywood-Drama um die Trauer eines Vaters, der seine Tochter verloren hat, und den befreundete Kollegen mit einer ungewöhnlichen Intervention wieder auf den rechten Lebensweg bringen wollen. Doch obwohl das Trauerdrama mit Will Smith, Edward Norton, Kate Winslet, Helen Mirren, Keira Knightley und Michael Peña hochklassig besetzt ist, erzeugt der konstruierte Plot eher eine künstlich erzwungene als eine echte Anteilnahme.

Webseite: warnerbros.de

OT: Collateral Beauty
USA 2017
Regie: David Frankel
Drehbuch: Allan Loeb
Darsteller: Will Smith, Edward Norton, Kate Winslet, Michael Peña, Helen Mirren, Naomie Harris, Keira Knightley
Länge: 97 Min.
Verleih: Warner Bros.
Kinostart: 19. Januar 2017

FILMKRITIK:

Am Anfang hält Howard (Will Smith) noch eine dynamische Motivationsrede für die Mitarbeiter seiner Werbeagentur – eine kreisende Kamerabewegung und drei Jahre später ist er nur noch ein Schatten seiner selbst. In der Zwischenzeit ist seine Tochter gestorben, die Ehe ging in die Brüche. Anstatt die Firma zu führen, baut Howard ambitionierte Formationen aus Dominosteinen, um sie anschließend in sich zusammenfallen zu lassen. Seine Geschäftspartner Whit, Claire und Simon (Edward Norton, Kate Winslet, Michael Peña) sorgen sich um den mentalen Zustand ihres Freundes und die Zukunft der Agentur. Als sie erfahren, dass Howard wütend-enttäuschte Briefe an die „Liebe“, die „Zeit“ und den „Tod“ geschrieben hat, engagieren sie die drei Theaterdarsteller Amy, Brigitte und Raffi (Keira Knightley, Helen Mirren, Jacob Latimore) für eine Art Performance-Therapie. Die Schauspieler sollen Howard in improvisierten Auftritten als „Liebe“, „Zeit“ und „Tod“ auf offener Straße konfrontieren…
 
In Anlehnung an den Ausdruck „Collateral Damage“ für einen Kollateralschaden verweist der Originaltitel „Collateral Beauty“ darauf, dass selbst in den tragischsten Ereignissen ein Funken Schönheit stecken kann. Weil das natürlich leichter gesagt als empfunden ist, handelt das Drama davon, wie Howard in kleinen Schritten zu dieser Erkenntnis gelangt. Regisseur Frankel wendet viel Zeit und Mühe darauf, den von Will Smith mit reichlich Stirnrunzeln porträtierten Howard als von tiefer Trauer gebrochenen Mann zu zeichnen, der völlig neben sich steht. Zu hoffnungsvoll-melancholischer Singer-Songwriter-Musik erscheinen die mit vorweihnachtlichem Kunstschnee aufgepeppten Hochglanzbilder von New York noch platter, wenn der Geisterfahrer Howard mit seinem Fahrrad gegen den Verkehr radelt. Zögernd steht er vor Madeleines (Naomie Harris) Selbsthilfegruppe, den Namen seiner Tochter kann er nicht aussprechen. Die Grenze zum Betroffenheitskitsch wird hier, wie schon in „Sieben Leben“ mit Smith, gern mal überschritten.
 
Bis der Trauernde zu sich kommt, stehen seine Kollegen im Fokus, die jeweils ein eigenes Päckchen mit sich tragen. Whit ist geschieden und hat Streit mit seiner Tochter, Simon verheimlicht seiner Familie ein Geheimnis. Sträflich unterfordert ist Kate Winslet („Steve Jobs“) in ihrer klischeehaften Rolle als Geschäftsfrau mit unerfülltem Kinderwunsch, doch auch die übrigen Mimen haben kaum eine Chance, die eindimensionalen Figuren mit Leben zu füllen. Dennoch: Das hochkarätige Ensemble ist trotz durchschnittlicher Rollen sehenswert, gerade Edward Norton („American History X“) sieht man ohnehin viel zu selten.
 
Zwar steht die von Keira Knightley verkörperte Darstellerin der „Liebe“ dem Plan skeptisch gegenüber, doch alles in allem begegnet das Skript von Allan Loeb („21“, „Wall Street: Geld schläft nicht“) der drastischen Manipulation Howards sehr gelassen. Dabei ist die Intervention der Kollegen mindestens ein übler Streich, manipulativ und fast schon soziophatisch. Letztlich täuschen sie Howard eben nicht nur aus persönlicher Sorge, sondern zum Wohl der Firma, im Namen des Mammons. Entweder soll die Aktion den Chef aus der Lethargie reißen oder ihn eben als geschäftsunfähig outen.
 
Bis zum tränenreichen Ende spart der überkonstruierte Plot nicht an Lebensweisheiten, die aus einem Glückskeks stammen könnten. Und David Frankel ersetzt den emotionalen Kern konsequent durch eine Stafette an Close Ups bekannter Gesichter.
 
Christian Horn