Verbotene Filme

"Unter Vorbehalt" heißt eine regelmäßige Reihe im Berliner Zeughaus-Kino, in der Filme aus dem Dritten Reich gezeigt werden, die verboten sind und nur mit einer wissenschaftlichen Einführung gezeigt werden dürfen. In seiner sehenswerten Dokumentation „Verbotene Filme“ beschreibt Felix Moeller, um welche Filme es sich dabei dreht und stellt die Frage, ob ein Verbot dieser Filme nicht fragwürdige Zensur ist.

Webseite: www.salzgeber.de

Deutschland 2013 – Dokumentation
Regie, Buch: Felix Moeller
Länge: 93 Minuten
Verleih: Salzgeber
Kinostart: 6. März 2014

FILMKRITIK:

Durchaus ironisch, dass im Bundesfilmarchiv Betonbunker stehen, in denen nicht nur, aber auch etliche Filme aus der Nazi-Zeit gelagert werden. Denn nicht nur der Inhalt gilt als brisant, auch das alte Zellulosefilmmaterial selbst ist leicht entflammbar. Von rund 1200 zwischen 1933 und 1945 entstandenen Filmen wurden nach dem Krieg 300 als Propaganda bezeichnet und verboten, inzwischen sind es noch rund 40, darunter so berühmt berüchtigte Filme wie „Jud Süss“, „Kolberg“, „Der ewige Jude“ oder „Ich klage an.“

Gezeigt werden dieses Filme in Deutschland nur im Rahmen von Veranstaltungen, in der sie wissenschaftlich eingeleitet werden. Auf DVD veröffentlicht oder gar im Fernsehen gezeigt dürfen diese Filme dagegen nicht, zumindest nicht in Deutschland. Im Ausland gibt es von manchen dieser Werke DVD-Ausgaben, dazu kursieren auf den einschlägigen Seiten des Internets mehr oder weniger schlechte Kopien, inzwischen sind auch etliche der Filme ganz einfach auf youtube zu schauen, denn wegen Copyright-Verletzungen wird in diesem Fall niemand vor Gericht ziehen…

Ist ein Verbot also noch zeitgemäß? Dass ist der rote Faden, der sich durch Felix Moellers Dokumentation zieht. In München, aber auch in Paris und Jerusalem zeigt er Vorführungen der Filme und Reaktionen des Publikums, die meist die Notwendigkeit einer Kontextlichen Einordnung betonen: Wer ohnehin geistig und moralisch gefestigt ist, der wird auch durch „Jud Süss“ nicht zum Nazi werden, unbedarfte Kinder oder auch Erwachsene dagegen könnten durchaus von der oft subtilen Machart der Filme beeinflusst werden.

Denn auch das stellen Interviewpartner wie der Regisseur Oskar Roehler oder der Leiter der Deutschen Kinemathek Rainer Rother fest: Etliche dieser "Verbotenen Filme" sind, betrachtet man sie als Unterhaltungsfilme und ignoriert die Ideologie, ausgesprochen gute Filme. Nicht ein Hetzfilm wie „Der ewige Jude“, der in seinem Rassenhass so extrem ist, dass selbst Neonazis ihn nicht ernst nehmen, wie zwei Aussteiger aus der rechten Szene berichten. Doch ein Durchhaltefilm wie Veit Harlans „Kolberg“ entfaltet mit seiner melancholischen Geschichte, seinen brillanten Bildern auch heute noch enorme Kraft. Und auch ein „Jud Süss“ ist alles andere als geifernde Propaganda. Ganz subtil werden hier und in vielen anderen der Verbotsfilmen Tendenzen geschürt, Stereotype betont, die Aversion gegen Juden, aber auch gegen Franzosen, Engländer und die Demokratie.

Wie also mit diesem (film-)historischen Erbe umgehen? Die Politik kann sich mit einer finanziellen Unterstützung für die Restaurierung von NS-Filmen nur in die Nesseln setzen, doch eine Restaurierung ist zwingend erforderlich, zumal immer weniger Kinos die vorhandenen Filmrollen abspielen können. Eine Antwort auf die pragmatischen, vor allem aber moralischen Fragen gibt Felix Moeller nicht, aber in nur 90 Minuten gelingt ihm mit „Verbotene Filme“ ein umfassender Überblick über ein Kapitel deutscher Filmgeschichte, auf das man nicht stolz sein kann, dass aber doch unbedingt erhalten werden muss.
 
Michael Meyns