Verliebt in meine Frau

Ein Film wie aus der Welt vor #metoo, voll von lüsternen Männern um die 70, die viel jüngeren Frauen hinterherhecheln. Das ist „Verliebt in meine Frau“, bei dem Daniel Auteuil, einer der besten Schauspieler Frankreichs, vor und hinter der Kamera agiert. Man wünscht sich, dass er seine Komödie ironisch meint, doch wie er die Phantasien eines alten Mannes inszeniert, lässt Zweifel aufkommen.

Webseite: www.weltkino.de

OT: Amoureux de ma femme
Frankreich 2018
Regie: Daniel Auteuil
Buch: Florian Zeller nach seinem gleichnamigen Stück
Darsteller: Gérard Depardieu, Daniel Auteuil, Sandrine Kiberlain, Adriana Ugarte
Länge: 84 Minuten
Verleih: Weltkino
Kinostart: 11. Oktober 2018

FILMKRITIK:

Daniel (Daniel Auteuil) ist glücklich verheiratet, zumindest glaubt er das. Zusammen mit seiner Frau Isabelle (Sandrine Kiberlain) wohnt er in einem mondänen, überaus stilvoll eingerichteten Appartement, in das an einem schönen Samstag sein alter Freund Patrick (Gérard Depardieu) zum Essen kommt. Und zwar nicht allein sondern in Begleitung seiner sehr jungen, sehr schönen neuen Freundin Emma (Adriana Ugarte) für die er seine langjährige Frau, eine Literaturdozentin, verlassen hat.

Sehr zum Unwillen von Isabelle, die kein gutes Haar an Emma lässt, die in einer Bar arbeitet und ihre Kurven in einem sehr knappen Kleid präsentiert. Zumal Daniel offensichtlich von Emma hingerissen ist und sich während des Abends immer wieder in Phantasien verliert, in denen er imaginiert, wie er sein eingefahrenes Leben mit Emma auf den Kopf stellt und neue Höhepunkte der Leidenschaft erlebt.

Ähnlich wie der ebenfalls auf einem Stück von Florian Zeller basierende „Nur eine Stunde Ruhe“ spielt auch „Verliebt in meine Frau“ fast komplett an einem einzigen Abend, in einer Wohnung. Genauer müsste man allerdings wohl sagen, dass die Handlung sich in weiten Teilen in Daniels Kopf abspielt, denn vom ersten Moment, da ihm Emma gegenüber sitzt, beginnt seine Phantasie zu blühen. Was hier bedeutet, dass sich Emma sofort auszieht und Daniel ihren perfekten Körper präsentiert. In diesem Stil geht es weiter, voll von lasziv geöffneten Mündern, verspritztem Dessert und anderen boulevardesken, betont frivolen Momenten inszeniert Daniel Auteuil die Altherrenphantasie, die so erstaunlich aus der Zeit gefallen wirkt, dass man nur hofft, das Ganze sei als ironischer Kommentar über lüsterne alte Männer gemeint, die viel zu junge Frauen begehren.

Ob dem tatsächlich so ist, ist schwer zu sagen, angesichts der Art, wie Auteuil die fraglos sehr attraktive Adriana Ugarte, die in Deutschland durch ihre Rolle in Pedro Almodovars „Julieta“ bekannt wurde, inszeniert, mag man daran zweifeln. Vielleicht aber auch nicht, denn nicht umsonst heißt der Film „Verliebt in meine Frau“ und nimmt im letzten Drittel eine durchaus bemerkenswerte Wendung, in der in der Phantasie Daniels verschiedene Lebensmodelle durchgespielt werden, der Versuchung nachgegeben wird, aber auch gezeigt wird, welche Konsequenzen dies hat.

Schade, dass Auteil zuvor so unverhohlen sexualisiert filmte, vor allem sich selbst so exaltiert und boulevardesk inszenierte. Falls die Darstellung eines bestimmten Typ Mannes ironisch gemeint sein sollte, verfehlt Auteuil sein Ziel deutlich und bestätigt statt dessen – vielleicht unfreiwillig – unschöne Klischees über das Verhältnis älterer Männer und sehr viel jüngerer Frauen.

Michael Meyns