Viel Gutes erwartet uns

Über die Frage, was denn nun „richtiges“ Bio ist, wird zunehmend heftig gestritten und eine klare Antwort ist schwierig. Der dänische Bauer Niels Stokholm betreibt eine besonders naturnahe Form der Landwirtschaft, die seine Produkte zwar bei Nobelrestaurants beliebt macht, ihm aber immer wieder Probleme mit eifrigen Kontrolleuren beschert. Diesen Zwiespalt beschreibt Phie Ambo in ihrer Dokumentation „Viel Gutes erwartet uns.“

Webseite: www.mindjazz-pictures.de

Dänemark 2014 – Dokumentation
Regie: Phie Ambo
Länge: 93 Minuten
Verleih: mindjazz Pictures
Kinostart: 19. März 2015
 

PRESSESTIMMEN:

Anarchie im Kuhstall –  In ruhiger Weise porträtiert Phie Ambo mit eindringlichen Bildern einen liebenswürdigen und trotzigen Anarchisten, der für seine Überzeugungen einsteht. Dabei wirft sie ganz unaufgeregt die Frage auf, die in Zeiten einer industrialisierten und globalisierten Lebensmittelherstellung einfach gestellt werden muss: Ist das alles so richtig, wie wir mit unserer Natur und unserem Essen umgehen?
Hannoversche Allgemeine

Ein alter Biobauer treibt dem Publikum die Tränen in die Augen.
Süddeutsche Zeitung
 
Ein packendes kulinarisches Lehrstück!
Kulturspiegel
 
Es ist ein sehenswerter Film geworden, weil Ambo den Betrachter unmittelbar mitnimmt in die Welt von Niels und seiner Frau Rita. Man muss Niels Ansichten vom Einfluss des Universums auf Erde, Pflanzen und Tiere nicht teilen, um von diesem charismatischen Mann beeindruckt, um von den Bildern, die sein Hof liefert, fasziniert zu sein.
Badische Zeitung 
 
Viel Gutes erwartet uns ist ein entschleunigter, phasenweise spiritueller Film. Aber er behandelt auch einen wichtigen Konflikt: Den Zwiespalt zwischen artgerechter Tierhaltung und io-Richtlinien der EU.
Greenpeace Magazin 
 
Dass ein Film Lust mache, das ist so eine Trope. Hier stimmt sie: Wer sich einlässt auf Niels und Rita und die Kühe und Ferkel und Regenwürmer (…), der könnte Lust bekommen – muss ja nicht gleich aufs Aussteigen sein; vielleicht ja auch nur auf ein besseres Stück Fleisch.
taz nord

FILMKRITIK:

Landwirtschaft im Einklang mit dem Universum. Dass hört sich nicht nur wie eine Variante der ganzheitlichen Lebensvorstellungen eines Rudolf Steiners an, das ist auch eine Art des anthropologischen Ansatzes, der Außenstehenden oft etwas esoterisch anmutet. Und wenn man da in manchen Momenten von Phie Ambos Dokumentation „Viel Gutes erwartet uns“ beobachtet, wie der dänische Bauer Niels Stokholm mit seinen Rindern redet, verklärt von der Bedeutung der Regenwürmer berichtet, mutet das durchaus etwas merkwürdig an. Zumal Stokholm schon 79 Jahre alt ist und in solchen Momenten dann doch unfreiwilligerweise wie der greise alte Mann wirkt, der er eigentlich gar nicht ist.

Denn trotz seines Alters steht Stokholm jeden Tag auf dem Feld und führt sein Lebenswerk fort. Das ist seit Jahrzehnten der Thorshøjgaard-Hof im Norden von Kopenhagen, den er einst zusammen mit seiner Frau Rita gründete und seit Jahrzehnten als biodynamischen Hof betreibt. Grundprinzip ist die Annahme, dass Mensch, Natur und Rind Teil des gleichen Universums sind, in dem alles verbunden und von gleicher Bedeutung ist. Dementsprechend nah ist das Verhältnis von Stokholm zu seinen Rindern, aber auch zu seinem Boden. Möglichst naturnah bzw. natürlich sollen die Tiere leben, was auch bedeutet, dass sie oft schmutzig sind, im Dreck stehen, soviel Essen und Trinken wie sie mögen.

Und genau das ist es, was den regelmäßig vorbeischauenden Behördenvertretern übel aufstößt: Denn im Sinne der Gesetze ist Stokholms Art der Landwirtschaft in vielerlei Hinsicht inakzeptabel. Laut den bürokratischen Vorschriften, die explizit vorschreiben, wie ein Tier gehalten werden muss, wie viel Platz und Futter es benötigt, verstößt Stokholm gegen zahllose Regeln und sieht sich immer wieder mit Gerichtsbescheiden konfrontiert, die drohen, sein Lebenswerk zunichte zu machen.
Wie kurzsichtig die Gesetze oft sind, auch wenn sie fraglos einst nützlich waren, um die Massentierhaltung zu reformieren, zeigen vor allem die Produkte, die Stokholm auf seinem Hof produziert: Nicht nur, aber auch das Kopenhagener Nobelrestaurant Noma, das seit Jahren regelmäßig zu den besten Restaurants der Welt gezählt wird, bezieht kiloweise Käse und Gemüse von Stokholms Hof.

Der Widerspruch zwischen Gesetz und Realität, die unterschiedlichen Ansichten über die „richtige“ Form der Bio-Landwirtschaft sind ein spannendes Thema, dass Ambo allerdings etwas einseitig schildert. An ihrer Begeisterung für die Methoden Stokholms besteht kein Zweifel: Nicht nur visuell setzt sie Landschaft und Tiere stets besonders bukolisch in Szene, vor allem auf der Tonspur sorgt ein regelmäßig eingesetzter Chorgesang für eine Verklärung dieser ganz speziellen Methode der Landwirtschaft, die sich weit vom dokumentarischen Ansatz entfernt. Schöner wäre es gewesen, wenn sie dem Zuschauer selbst die Entscheidung überlassen hätte, statt „Viel Gutes Erwartet Uns“ zu solch einem unverholenen Plädoyer für diese Form der Landwirtschaft zu machen.
 
Michael Meyns