Vier werden Eltern

2 Frauen, 2 Männer und 2 Babys: Mehr Regenbogen- und Kleeblattfamilie geht nicht, denn tatsächlich sind die beiden leiblichen Väter Thomas und Sebastian ein Paar, so wie Josefin und Cindy, die Mütter der Kinder. Eva Maschke begleitet sie als Filmemacherin und Tante über ein ganzes Jahr, in dem viel passiert – und doch eigentlich alles ganz normal und schön ist. Vor allem als special-interest-Film ist die nur 53-minütige Dokumentation eine gute Grundlage für Diskussionen und darüber hinaus ein sehr lebendiger Beweis für das Funktionieren einer Familie abseits konservativer Denkmuster.

Webseite: www.vierwerdeneltern.wfilm.de

Deutschland 2016 – Dokumentarfilm
Buch & Regie: Eva Maschke
Kamera: Bianca Bodmer, Stefan Arens
Komponist: Andreas Kersting
Länge: 53 Minuten
Verleih: W-film
Kinostart: 2. September 2016

FILMKRITIK:

Zwei Paare mit Kinderwunsch – so haben sich die Vier kennengelernt. Ansonsten hatten sie wenig gemeinsam. Was wirklich auf die beiden Paare Thomas/Sebastian und Cindy/Josefin zukommen würde, konnten sie damals nicht ahnen. Aber irgendwie haben sie es geschafft, nicht nur ihren Sohn auf die Welt zu bringen, sondern auch ihre unterschiedlichen Lebensbereiche unter einen Hut zu bekommen und den ziemlich komplizierten Alltag zu organisieren, der nun von den Bedürfnissen des kleinen Lukas bestimmt wird, vom Kita-Besuch, vom Füttern, Spielen, Spazierengehen und von den Gesprächen miteinander über das Kind. Wo sonst zwei entscheiden, sind es hier vier.

Wie das funktioniert, wie aus der zusätzlichen Be- auch eine Entlastung werden kann, das ist ziemlich spannend. Aber es funktioniert tatsächlich, und wegen des großen Erfolges entschließen sich die Vier dazu, dass Lukas kein Einzelkind bleiben soll. Im Spätsommer kommt die kleine Helene zur Welt, die rein rechtlich mit Lukas nicht verwandt ist.
 
Eva Maschke zeigt die Geschichte der beiden Elternpaare und ihre alltäglichen Probleme und Lösungen in ruhigen, liebevollen Bildern. Dabei geht es durchaus auch um Sorgen und Ängste für die Zukunft, aber vor allem darum, dass alle Vier sich darin einig sind, ihre Kinder mit Liebe und Verständnis zu erziehen. Wie sich die Vier übers Elternsein erst richtig kennenlernen und immer mehr zusammenrücken, ist dabei eine ebenso verblüffende wie im Grunde vollkommen normale Begleiterscheinung.

Als Tante steht Eva Maschke der Kleeblatt-Regenbogenfamilie besonders nahe, und daher ist es nicht nur logisch, sondern auch verständlich, dass sie selbst den Filmkommentar spricht, was sie mit einigem Humor und mit deutlich erkennbarem Stolz bewältigt. So ist ein sympathischer kleiner und sehr persönlicher Film entstanden, der zwar klassisch chronologisch aufgebaut ist, aber auch einige hübsche Überraschungen bereithält. Für Gesprächsstoff ist jedenfalls gesorgt!
 
Gaby Sikorski