Vier zauberhafte Schwestern

Sheridan und Christopher Winns „Sprite Sisters“ haben sich zu einer der erfolgreichsten Bestseller-Märchenbuchreihen für junge Mädchen entwickelt. Kein Wunder, dass da auch die Verfilmung nicht lang auf sich warten lässt. Sven Unterwaldt Jr., unter anderem bekannt für die „Sieben Zwerge“-Filme, hat diese nun übernommen und einen zumindest für die Zielgruppe weitestgehend ansprechenden Jugendfantasyfilm inszeniert – mit ganz viel Musik.

Webseite: deinkinoticket.de/VierZauberhafteSchwestern

OT: Sprite Sisters – Vier zauberhafte Schwestern
Deutschland 2019
Regie: Sven Unterwaldt Jr.
Darsteller: Katja Riemann, Justus von Dohnányi, Anna Thalbach,Gregor Bloéb, Doris Schretzmayer, Laila Marie Noelle Padotzke, Leonore von Berg, Lilith Julie Johna, Hedda Erlebach
Verleih: Walt Disney Pictures
Länge: 93 Min.
Start: 9. Januar2019

FILMKRITIK:

Flame (Laila Marie Noelle Padotzke), Marina (Hedda Erlebach), Flora (Lilith Julie Johna) und Sky (Leonore von Berg) sind eigentlich ganz normale Mädchen. Die Schwestern singen in einer eigenen Popband, streiten hin und wieder und sind mitunter auch schon mal verliebt. Vor allem aber verbindet sie ein Geheimnis, das sie selbst vor ihrer Familie bislang geheim halten konnten: Sie können zaubern! Pünktlich zu Skys neuntem Geburtstag entdeckt auch diese ihre magischen Kräfte. Fortan haben die vier Zugang zu einem geheimnisvollen Portal in ihrem Keller, die sich als geheimnisumwitterte Elfenstaubquelle erweist. Hinter ebenjenem Staub ist allerdings auch die böse Zauberin Glenda (Katja Riemann) her, denn damit ließen sich die vier Elemente – und somit die ganze Welt – beherrschen. Verzweifelt versucht sie, die vier Geschwister auseinander zu reißen, um ihre Kräfte zu schwächen. Doch da hat sie die Rechnung ohne die Mädchen gemacht…
 
Die eigentlich selbst für Kinderbücher verantwortliche Hortense Ulrich schreibt seit einiger Zeit auch sehr erfolgreich Drehbücher. Aus ihrer Feder stammen unter anderem die Skripte zu der hervorragenden Jugendkomödie „Meine teuflisch gute Freundin“ sowie zum Animationsfilm „Tabaluga“. Mit ihrer Arbeit für den ersten Film zur Jugendbuchserie „Sprite Sisters“ orientiert sie sich nun deutlich an den immens erfolgreichen „Bibi & Tina“-Filmen; oder versucht es zumindest. Denn Regisseur Sven Unterwaldt Jr. („Sieben Zwerge – Männer allein im Wald“) kann die eigentlich viel versprechende Vorlage rund um vier Zauberschwestern, die gemeinsam die vier Elemente beherrschen, nicht annähernd so charmant und zielgruppenübergreifend aufbereiten, wie es möglich wäre. Stattdessen liefert er ein mit diversen Fantasyelementen versehenes Familienabenteuer mit Musicaleinschlag, das kleine Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren mit Sicherheit zufrieden stellen wird (und ganz nebenbei für reißenden Absatz beim Soundtrack sorgen dürfte!), doch für die erwachsenen Begleitbesucher wird der Kinobesuch mitunter ganz schön zur Qual.
 
Bunte Farben, Zaubersprüche, diverses Getier, vom strahlenden Schimmel bis hin zur pickligen Kröte: In der Welt der „Vier zauberhaften Schwestern“ gibt es gerade für die Kleinen überall was zu entdecken. Allein das mächtige Wohnhaus der Mädchen ist als Kulisse eine echte Wucht. Und wenn die vier dann auch noch regelmäßig zu gefälligen, leider sichtbar im Vollplayback eingesungenen Popnummern singen und tanzen, dann braucht man sich als Elternteil keinerlei Sorgen darum machen, dass man seine Kleinen hiervon gut und gern eineinhalb Stunden lang bespaßen lassen kann. Doch inszenatorisch wie erzählerisch setzt sich Sven Unterwaldt Jr. zu häufig in Fettnäpfchen. Das beginnt bei der billig wirkenden (da konsequent überbeleuchteten) Fernsehoptik, die „Vier zauberhafte Schwestern“ wie eine viel zu lange Serienepisode aussehen lässt, geht weiter mit einer unsauber nachsynchronisierten Tonspur und endet schließlich in zahlreichen Anschlussfehlern. Das wird der Zielgruppe natürlich nicht auffallen. Gleichwohl ist diese Häufung an inszenatorischen Unsauberkeiten für ein geschulteres Auge auffällig.
 
Auch darstellerisch funktioniert „Vier zauberhafte Schwestern“ nur bedingt. Die aus einem langen Castingprozess heraus entstandenen Newcomerinnen geben sich zwar allesamt sichtbar Mühe, wirken aber oft steif und die Texte abgelesen. Lichtblicke bilden Katja Riemann („Fack ju Göhte“) und Justus von Dohnányi („Männerherzen“) als exzentrisches Schurkenduo; doch selbst letzterer agiert gefühlt mit angezogener Handbremse und punktet nicht annähernd mit so viel Irrsinn, wie es seine Figur vertragen würde. Gelungen sind dafür die Effekte. Auf diese setzt Unterwaldt Jr. nämlich immer nur dann, wenn’s auch wirklich nötig ist. Und dann sieht das Ganze plötzlich sogar richtig gut aus.

Der Zielgruppe musik- und magieaffiner kleiner Mädchen wird „Vier zauberhafte Schwestern“ gefallen. Alle anderen bleiben am besten direkt draußen.
 
Antje Wessels