Von Löwen und Lämmern

Wenn Hollywoods Vorzeigeliberaler einen Film über die Verknüpfung des Afghanistan-Kriegs mit den Interessen von Politik und Medien dreht, darf man ein engagiertes Stück Kino erwarten. Und genau das ist Von Löwen und Lämmern, von seinen drei Stars – Redford selbst, dazu Tom Cruise und Meryl Streep – souverän gespielt und nicht allzu didaktisch.

Webseite: www.vonloewenundlaemmern.de

OT: Lions for Lambs
USA 2007
Regie: Robert Redford
Buch: Matthew Michael Carnahan
Kamera: Philippe Rousselot
Schnitt: Joe Hutshing
Musik: Mark Isham
Darsteller: Robert Redford, Meryl Streep, Tom Cruise, Michael Pena, Andrew Garfield, Peter Berg, Derek Luke
88 Minuten, Format: 1:2,35
Verleih: Fox
Kinostart: 8. November 2007

PRESSESTIMMEN:

 

Eindrucksvoll hinterfragt der Film, wie Politik funktioniert, spiegelt Macht und Ohnmacht der Presse und stellt die Würde und Verantwortung des Individuums heraus. – Sehenswert.
film-dienst

Redfords Film, sein politischster seit dem Watergate-Thriller "Die Unbestechlichen", überzeugt durch messerscharfe Dialoge, Oscar-würdige Schauspieler und differenzierte Analyse jenseits liberaler Propaganda. Ein Muss.
STERN

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FILMKRITIK:

Wie so viele amerikanische Filme der letzten Jahre, die etwas über den Zustand der Welt erzählen wollen, bemüht auch „Von Löwen und Lämmern“ eine aufgesplitterte Struktur, deren einzelne Ebenen auf den ersten Blick nur wenige Verbindungen haben. An einer Universität an der Westküste sitzt der selbstgefällige Student Todd (Andrew Garfield) in der Sprechstunde seines Politik-Professors Dr. Malley (Redford). Dieser sieht in Todd großes Potential, beobachtet aber, wie dieser zunehmend sein Studium vernachlässigt. In einer hitzigen Diskussion versucht Malley ihm klarzumachen, dass die Welt das ist, was die Menschen aus ihr machen. Einfach nur die Umstände zu beklagen, gleichzeitig aber vor jedem Engagement zurückstecken, mit der Begründung, dass ein einzelner ohnehin nichts ändern kann, ist keine sinnvolle Haltung. Als Beispiel – wenngleich bewusst nicht als Ideal – erzählt Malley von seinen ehemaligen Studenten Arian (Derek Luke) und Ernest (Michael Pena). Diese haben sich freiwillig zur Armee gemeldet und sind in diesem Moment in Afghanistan. 

In dieser zweiten Ebene wird der Beginn einer militärischen Mission geschildert, die durch einen Angriff der Taliban scheitert. Arian und Ernest bleiben allein und verwundet auf einem verschneiten Bergkamm zurück. Während die Taliban immer näher kommen, wird eine Rettungsaktion gestartet. 

Und schließlich Washington: Im Büro des Senators Jasper Irving (Cruise) erlebt die Fernseh-Journalistin Janine Roth (Streep) die geballte manipulative Fähigkeit eines Karrierepolitikers. Irving versucht Roth dazu zu bewegen, eine Geschichte über eine neue Militärstrategie in Afghanistan zu veröffentlichen, die er als Neuanfang beschreibt. Auf schlangenhafte Weise umschmeichelt Irving Roth, versucht an ihren Patriotismus zu appellieren und sie mit einer Exklusivstory zu ködern. Doch Roth hat noch gut vor Augen, wie die Medien sich voller Eifer hinter die Regierung gestellt hatten, als es darum ging, den Irak-Krieg zu begründen. Noch einmal will sie nicht unkritisches Sprachrohr einer Lüge sein, doch gleichzeitig ist ihr bewusst, dass ihr Sender einem Konglomerat gehört. Und das hat weniger Interesse an hartem Journalismus als an möglichst hohen Gewinnen.

Es wird sehr viel geredet in Robert Redfords erstem Film seit sieben Jahren. Dass jeder der drei Hauptschauplätze zudem eine statische Situation beschreibt, erhöht noch die Theatralik des Films. Drehbuchautor Matthew Michael Carnahan vermag es zwar nicht ganz, Dialoge zu schreiben, die so pointiert sind, wie man sich das manchmal wünschen würde. Und doch gelingt es ihm in erstaunlich kurzer Zeit (mit weniger als 90 Minuten ist dies einer der kürzesten Filme, die Hollywood seit Jahren produziert hat), eine Vielzahl von Themen anzuschneiden. Vor allem aber diese auch auf vielschichtige Weise darzustellen, die Logik des Handelns auf beiden Seiten zu zeigen, die Schwierigkeit, in einer zunehmend komplexen Welt Haltung zu bewahren. Und letztlich geht es vor allem darum. 

Natürlich wird „Von Löwen und Lämmern“ von manchen Seiten als anti-amerikanisch und unpatriotisch bezeichnet werden. Und ebenso natürlich ist er genau das nicht. Denn was könnte patriotischer sein, als zu Denken, die Entscheidungen von Regierung und Medien zu hinterfragen. Mit welchen Opfern dies verbunden sein kann, auch das wird nicht ausgespart, aber wer sich nicht für etwas einsetzt, darf sich auch nicht beschweren, wenn seine Gleichgültigkeit missbraucht wird.

 

Michael Meyns