War Dogs

Im Ansatz eine Satire über Waffenhandel, über die absurden Machenschaften von Pentagon und amerikanischer Regierung, scheint sich Todd Phillips mit seinem neuen Film „War Dogs“ zunächst auf ungewohntem, vielversprechendem Terrain zu bewegen. Doch bald fällt der Regisseur der „Hangover“-Trilogie in bekannte Muster zurück und lässt leider die interessanten Ansätze zugunsten einer Kiffer-Komödie links liegen.

Webseite: www.wardogsthemovie.com

USA 2016
Regie: Todd Phillips
Buch: Stephen Chin, Jason Smilovic, Todd Phillips
Darsteller: Jonah Hill, Miles Teller, Ana de Armas, Kevin Pollak, Bradley Cooper, Julian Sergi
Länge: 114 Minuten
Verleih: Warner
Kinostart: 29. September 2016
 

FILMKRITIK:

Es ist eine dieser Geschichten, die kaum zu glauben ist: Zwei junge, jüdische, ständig bekiffte Jungs aus Florida landen einen gut 300 Millionen Dollar schweren Deal mit dem Pentagon. Ihr Auftrag: Die neugeschaffene afghanische Armee zu bewaffnen, mit Unmengen von Waffen – und satten 100 Millionen Schuss Munition. Illegal war der Deal keineswegs, in einer rechtlichen und moralischen Grauzone bewegten sich David Packouz und Efraim Diveroli und somit ganz im Sinne des Pentagon. Denn das die benötigten Waffen und Munition auch aus fragwürdigen Quellen stammen würden, war klar und nicht zu vermeiden. Die riesigen Waffendepots der Armeen des Warschauer Paktes, die nach dem Ende des Kalten Kriegs vor sich hinrosteten waren gefundenes Fressen für zwielichtige Waffenhändler. Das zudem das Pentagon zumindest die kleineren Deals öffentlich ausschrieb, ermöglichte es Mittelsmännern wie Diveroli und Packouz ein paar Krümel vom großen Rüstungskuchen abzubekommen, Krümel, die schnell Millionen Dollar schwer waren.
 
Eine unglaubliche Geschichte ist das, die viel über die Machenschaften der Supermächte erzählt, über die absurden Exzesse der Ära Bush, als die Bewaffnung der Streitkräfte immer stärker in die Hände von Privatunternehmen gelegt wurde, über die gedankenlose Bewaffnung unzuverlässiger, unkontrollierbarer Armeen, über die Gier, die den Kapitalismus antreibt und über sehr, sehr viel Geld. Dass im Zentrum dieser Geschichte zwei junge Typen stehen, die auf ihre Weise den amerikanischen Traum verinnerlicht haben und für einige Jahre lebten, prädestiniert die Geschichte der kiffenden Waffenhändler erst Recht für eine Hollywood-Adaption – aus der Todd Phillips dann leider eine allzu zurückhaltende Kiffer-Komödie macht, die viel von ihrem Potential verschenkt.
 
Aus der Sicht des zurückhaltenden David Packouz (Miles Teller) wird erzählt, der binnen kürzester Zeit vom Masseur zum Waffenhändler wird. Packouz ist der Straight Man, angesichts dem der von Jonah Hill gespielte Efraim Diveroli noch wahnsinniger wirkt. In seinem Büro hängt ein Poster von Al Pacino als Scarface, Marihuana und Koks liegen stets bereit, im Kofferraum ein geladenes Maschinengewehr. In Hills durchgedrehter, überdrehter Performance, geprägt von einem bizarren, nicht mal mehr latent wahnsinnigem Lachen, ist in Momenten immer wieder die Absurdität, der Exzess zu spüren, der diese Figur antreibt. Mit unbeschreiblicher Chuzpe meistert Diveroli jede Situation, egal ob ein Verkaufsgespräch mit einem amerikanischen General, Verhandlungen mit jordanischen Schmugglern oder bleihaltige Konfrontationen mit Dealern. Was Andere über ihn Denken ist ihm herzlich egal und so macht er seinen Weg, der ihn zum Millionär macht und schließlich ins Gefängnis führt.
 
Scorsesesche Dimensionen hat diese Geschichte, die Gier nach Geld egal auf welchem Weg, doch immer wieder schreckt Phillips davor zurück, bis zum Äußersten zu gehen. Statt dessen steht zunehmend der trotz allem zurückhaltende Packouz im Mittelpunkt, der eigentlich nur mit seiner langjährigen Freundin ein geruhsames Leben führen will. Auch das natürlich eine Variation des amerikanischen Traums, aber eben auch deutlich weniger aufregend als ein Leben als Waffenhändler. Im Ansatz erzählt „War Dogs“ vom Kontrast dieser beiden Lebensvorstellungen, bleibt aber immer wieder allzu handzahm, um die absurde Satire zu sein, die im Kern seiner Geschichte steckt.
 
Michael Meyns