Warten auf Angelina

Die Nachricht, dass sich Angelina Jolie und Brad Pitt häuslich in Berlin niederlassen wollen, brachte Hans-Christoph Blumenberg auf die Idee, eine Satire über den übertriebenen Celebrity-Wahnsinn zu drehen. Und so finden sich mit Florian Lukas und Kostja Ulmann unabhängig voneinander zwei Fotografen in Sichtweite des Brangelina-Appartements ein, um dort auf das Foto ihres Lebens zu warten. Im angeblich verlassenen Adlerhorst tauchen jedoch der Reihe nach interessante Damen auf. Auch mit denen müssen sich die beiden Knipser in dieser fein durchdachten Gesellschafts- und Mediensatire arrangieren.

Webseite: www.warten-auf-angelina.de

Deutschland 2008
Regie: Hans-Christoph Blumenberg
Darsteller: Florian Lukas, Kostja Ulmann, Barbara Auer, Anna Brüggemann, Gudrum Landgrebe, Leslie Malton, Jana Pallaske, Jördis Triebel
89 Minuten
Verleih: Farbfilm Verleih (Start am 8.1.09)

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Es ist kein Zufall, dass Hans-Christoph Blumenberg dem Eigentümer jener Dachwohnung in Berlin-Mitte, von deren Terrasse aus der Paparazzi Maik Tremper (Florian Lukas) mit seinen Fotoapparaten Stellung bezieht, den Namen Katelbach gegeben hat. „Katelbach kommt“ heißt eine böse Parabel von Roman Polanski (gewann 1966 den Goldenen Bären in Berlin), in der das Leben eines zurückgezogen hausenden Paares durch den unverhofften Besuch zweier Gangster aus den Fugen gerät und Herrschaftsverhältnisse sich verkehren. Das Warten und der Umgang mit der Wahrheit spielten darin eine wichtige Rolle. Wie Polanski vor über 40 Jahren legt nun auch Blumenberg seine Geschichte wie eine Versuchsanordnung an, in der sich seine beiden Helden wiederholt auf unvorhergesehene Dinge einstellen und gute Miene zum Spiel machen müssen. Dabei steht die ganze Zeit die Frage im Raum, ob das Warten auf Angelina je von einem Fotoschnappschuss gekrönt sein wird.

 

Dass sein Beobachtungsposten nicht ganz so exklusiv ist wie erwartet, das merkt der listige Maik schon kurz nach seiner Ankunft. Mit dem übers Dach auf der Terrasse gelandeten Träumer Momme Ulmer (Kostja Ulmann) ist nämlich auch ein Hobby-Knipser scharf auf Bilder des berühmten Paares. Anders als der am Verkauf der Fotos interessierte Maik will Angelina-Fan Momme mit den exklusiven Schnappschüssen seine Ex-Freundin beeindrucken. Gegenseitiges Einschüchtern fruchtet bei beiden nicht, letztlich arrangieren sie sich, die Wohnung gemeinsam zu teilen. Die Stimmung freilich bleibt gereizt. Was beide nicht wissen: Promi-Zahnarzt Katelbach hat weitere Schlüssel seiner „Viertwohnung“ großzügig an Liebhaberinnen und Pflanzenpflegerinnen verteilt. Die schneien nun eine nach der anderen herein und zwingen das Fotografen-Duo zu immer neuen Ausreden über ihr Warum und Wieso.

Wie im Taubenschlag geht es also zu in der coolen City-Wohnung – die bis auf die Anreiseszenen der Fotografen der einzige Schauplatz dieser heiter-hintersinnigen Satire bleibt. Den eindruckvollsten Kurzauftritt legt dabei Leslie Malton als Sartre und Heidegger zitierende und sich als Kunstliebhaberin outende GEZ-Fahnderin hin. Das sie so faszinierende Gemälde des Berliner Malers Dirk Busch – „ein Meister semiabstrakter Landschaften“ – aus der Serie „Operation Fallschirm“ dient Blumenberg immer wieder auch als Hintergrund für seine die Tage im Adlerhorst mit Zitaten und Sprüchen von Theodor Fontane über Wilhelm Busch bis Billy Wilder unterteilenden Kapitel. Doch auch das unverhoffte Auftauchen von Barbara Auer, Anna Brüggemann, Gudrun Landgrebe, Jördis Triebel und Jana Pallaske als dem begehrten Motiv der Belagerung nicht unähnlicher Pizzabotin sorgen für willkommene Abwechslung.

Was an dieser Satire mitunter auch Spaß bereitet, sind die vielen Zitate und Verweise auf bekannte Filme, sei es „Being John Malkovich“ oder „La vie privée“ von Louis Malle, in dem Brigitte Bardot 1962 eine junge Filmschauspielerin spielte, die mit den Folgen ihres Ruhms nicht zurecht kam und unter dem Interesse hartnäckiger Fans litt. Auch Maik und Mumme kommen nicht umhin, sich über den Anspruch auf Privatleben, bzw. das Berufsethos von Boulevardjournalisten Gedanken zu machen. Persönlichkeiten wie Brangelina, so finden sie, hätten viel zu viel Personal, als dass nicht irgendwo eine Information über den Aufenthaltsort von ihnen durchsickern könnte. So wundert es am Ende nicht, dass hinter anderen Hausecken plötzlich noch andere Paparazzi aufkreuzen. Dafür aber hat Blumenberg mit seiner von Jazzmusik des „Big Bazaar Orchestra“ untermalten Gesellschafts- und Mediensatire das Warten auf Angelina zu einer kurzweiligen Angelegenheit mit hohem Unterhaltungsanspruch und treffenden Ansichten über moderne Beziehungen gemacht.

Thomas Volkmann

Hans-Christoph Blumenberg ist bekannter Filmkritiker, Fernsehmann, Kinoregisseur, Dokumentarist, ja auch Theatermensch. Ab und zu, sagt er, muss aber so ein kleiner Film wie „Warten auf Angelina“ sein. Und dazu kann man, wenn man den Film gesehen hat, nur sagen: Das ist gut so.

Die Grundidee ist originell. Sie spielt in Berlin. Es geht das Gerücht um, dass Brad Pitt und Angelina Jolie sich in der Hauptstadt in einem extra dafür gebauten Haus niederlassen werden. Der Paparazzo Maik Tremper, der sich Knipser nennt, verschafft sich illegal den Schlüssel zu der gegenüber der künftigen Brangelina-Residenz liegenden Wohnung des Zahnarztes Katelbach, der längere Zeit im Indischen Ozean unterwegs ist. Tremper will sich auf die Lauer legen, das erste Bild der beiden Stars im neuen Heim knipsen und es für zwei Millionen verschachern.

Doch er hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn die gleiche Idee hat auch der Friese Momme Ulmer, allerdings nicht um das Bild zu verkaufen, sondern um es seiner Ex-Freundin, Mitglied eines Brangelina-Fan-Clubs, zu schenken, damit sie zu ihm zurückkommt.

Maik und Momme feinden sich zuerst mächtig an, arrangieren sich dann aber und werden in den fünf Tagen, während derer sie ausharren müssen, sogar Freunde. 

So einfach ist die Sache aber nicht. Denn Katelbach hat die heimliche Geliebte Marlene (Barbara Auer), die nachts um drei Uhr auftaucht. Wenig später ist es Julia (Anna Brüggemann), die die Blumen gießen muss und Momme schöne Augen macht. Sie hat eine Schwester, Karo (Jördis Triebel), die zufällig früher mit Maik zusammen war. Von ihrer Schwester unterrichtet, trifft auch sie bald ein. Helga (Leslie Malton) will GEZ-Geld einziehen und gerät am surrealistischen Fallschirm-Bild in Katelsbachs Wohnung in Entzücken. Dann meldet sich Blandine (Gudrun Landgrebe), die Mutter des Verreisten. Schließlich kommt Mandy. Sie müsste eigentlich nur eine Pizza liefern, sieht jedoch Angelina Jolie so ähnlich, dass sie notfalls als diese ausgegeben werden kann.

Die ganze Sache geht unerwartet und komisch aus.

Der Film ist gelungen. Blumenberg beweist wieder einmal Niveau. Florian Lukas (Maik) und Kostja Ullmann (Momme) könnten nicht besser spielen. Die Damenriege ist imposant. Dass diese prominenten Schauspielerinnen in kleinen Rollen mitmachen, spricht für sich, für Blumenberg und den Film.

Das Beste aber sind die Dialoge: teils geschliffen, teils komisch, teils absurd. Manche von ihnen hätten allerdings von Lukas und Ullmann weniger genuschelt und besser artikuliert gehört.

Thomas Engel