Warum Siegfried Teitelbaum sterben musste

Dazu, sich als deutscher Filmemacher direkt im stiefmütterlich beachteten Genrebereich zu etablieren, gehört eine ganze Menge Mut. Mut, den Axel Steinmüller für sein Autoren- und Regiedebüt „Warum Siegfried Teitelbaum sterben musste“ aufbringt und sich ganz offensichtlich an großen Vorbildern orientiert. Das geht hier und da auf Kosten der Originalität, doch das Herzblut und die Liebe zum Detail können über weite Strecken für einige Schwächen entschädigen.

Webseite: www.siegfried-teitelbaum.de

DE 2016
Regie: Axel Steinmüller
Darsteller: Michael Mendl, Maik van Epple, Robert Kühn, Annette Kreft, Michelle Monballijn, Gerhard Acktun, Ralf Ahlborn, Stefan Evertz
Länge: 103 Minuten
Verleih: Limbo Lab
Kinostart: 26. 04. 2018

FILMKRITIK:

Siegfried Teitelbaum (Michael Mendl) ist eine alte Gangsterlegende. Umso aufregender gestaltet sich ein Auftrag für den Profikiller und Erdnussbutter-Fanatiker Stefán (Maik van Epple), ebendiesen Teitelbaum zur Strecke zu bringen. Tatsächlich rückt Stefán seinem Ziel dicht auf den Pelz, doch das Ergebnis seiner Mission ist eine Kugel im Kopf. Nach diesem Ereignis lässt der gescheiterte Auftragsmörder seine Arbeit Revue passieren und fragt sich fieberhaft, was schiefgelaufen ist. War es der aufdringliche „Luxemburger“ (Robert Kühn), einer seiner schärfsten Konkurrenten? Steckt die toughe Geheimdienstchefin Lady von Prittwitz-Schmidt (Annette Kreft) mit Teitelbaum unter einer Decke? Und welche Rolle spielt Stefáns Ehefrau Samantha (Michelle Monballijn) in der ganzen Angelegenheit?

Quentin Tarantino ist wohl einer der meistzitierten Filmemacher der Moderne. Für viele (Genre-)Regisseure gehört es fast schon zum guten Ton, auf sein Schaffen mindestens einmal Bezug zu nehmen und viele Produktionen – ganz gleich ob national oder international – mussten sich bereits anhören, lediglich eine „billige Kopie“ zu sein. Auch die deutsche Crime-Comedy „Warum Siegfried Teitelbaum sterben musste“ trägt Einiges an Tarantino-DNA in sich. In dem Film geht es um ein verschwurbelt aufbereitetes Verbrechen, das – mit einem süffisanten Voice-Over untermalt und mit allerlei kantigen Figuren bestückt – spürbar auf den Status „Kult“ schielt.

Das beginnt schon bei der von Anfang an sehr penetrant in den Vordergrund gerückten Erdnussbutter namens „Supertschunk“ – für Protagonist Stefán „die einzig wahre Erdnussbutter“. Es ist inhaltlich völlig irrelevant, wie versessen er auf diese schmackhafte Süßigkeit ist, wie er von Laden zu Laden rennt, um sie zu finden und immer wieder ihre Einzigartigkeit in den Vordergrund stellt. Vermutlich erhoffte man sich von „Supertschunk“ einen ähnlichen Wiedererkennungswert wie vom Big Kahuna Burger aus „Pulp Fiction“; beides bringt man schließlich bis heute miteinander in Verbindung. Und so wirken viele Details in „Warum Siegfried Teitelbaum sterben musste“ ein wenig zu forciert, um die selbstverständliche Coolness einiger großer Vorbilder zu erreichen. Auch die Dialoge reihen einen markigen Spruch an den nächsten; die Handlung rückt da fast ein wenig in den Hintergrund. Dabei ist es doch vor allem das Drehbuch, das hier überzeugt. Die Ideen, die das Team aus Axel Steinmüller und Britta Kleineheer auffahren, sind nämlich durchaus undurchschaubar und fahren mit einigen Überraschungen auf, die selbst für ein genreerfahrenes Publikum nicht auf Anhieb zu erahnen sind; bis sich im Finale schließlich alles noch einmal um 180 Grad dreht – und das sehr effektvoll.

Auch optisch kann sich „Warum Siegfried Teitelbaum sterben musste“ sehen lassen. Die Macher wussten um ihr beschränktes Budget und holen lieber alles aus ihren begrenzten Mitteln heraus, anstatt Effekte zu verwenden und Aufwände zu begehen, die über Kurz oder Lang ohnehin katastrophal ausgefallen wären. Stattdessen setzen die Verantwortlichen auf atmosphärische Settings und eine qualitativ hochwertige Kameraarbeit, mit der sie zwar nicht mit internationalen Standards mithalten können, ihrem Film wohl aber Leinwandausmaße verleihen – selbst in recht minimalistisch konzipierten Shootouts. Den Schauspielern lässt sich indes kein solch überschwängliches Lob abgewinnen. Maik van Epple („Das Wunder von Loch Ness“) hat in seiner Rolle des gleichermaßen toughen wie verwirrten Protagonisten Stefán sichtlich Spaß und stiehlt auch direkt allen anderen Darstellern die Show. Insbesondere unter den Nebenfiguren finden sich nämlich so manche Akteure, die anstatt zu spielen einfach nur ihren Text abzulesen scheinen und die sehr dynamische Inszenierung dadurch arg ausbremsen.

Antje Wessels