Was uns nicht umbringt

Sandra Nettelbeck inszeniert in ihrem Episodenfilm „Was uns nicht umbringt“ die Aufs und Abs im Leben von Großstädtern als ein unendlich melancholisches Kaleidoskop aus Trauer, Wut, Hoffnung und Zuversicht, das von herausragenden Darstellern zum Leben erweckt wird.

Webseite: www.alamodefilm.de

Deutschland 2018
Regie: Sandra Nettelbeck
Darsteller: August Zirner, Christian Berkel, Deborah Kaumann, Barbara Auer, Bjarne Mädel
Länge: 120 Minuten
Verleih: Alamode
Kinostart: 15.11.2018

FILMKRITIK:

Max (August Zirner) ist zwar Psychotherapeut, von den vielen Problemen seiner Patienten ist er allerdings selbst heillos überfordert. Seine beiden Töchter stecken mitten in der Pubertät, sein Ex-Frau plant ein neues Leben mit einem deutlich jüngeren Mann und sein neuer Hund ist noch schwermütiger, als die vielen Menschen, die ihm tagtäglich davon erzählen, was sie alles bedrückt. Eines Tages lernt er Sophie (Johanna ter Steege) kennen. Sie erzählt ihm von ihrer Spielsucht und er verliebt sich. Ganz langsam. Doch dass sich ein Therapeut in seine Patientin verliebt, ist so eigentlich nicht vorgesehen… Um ihn herum versinken derweil die Leben vieler anderer Menschen im Chaos, die alle über kurz oder lang wieder zu Max führen. Denn nur Max weiß: Was sie nicht umbringt, macht sie stärker…

Bereits in Sandra Nettelbecks Erfolgsfilm „Bella Martha“ spielte er eine kleine Rolle, nun erhält der Therapeut Maximilian in „Was uns nicht umbringt“ seinen eigenen großen Auftritt. August Zirner („Wackersdorf“) hält ein Ensemble zusammen, das sich mit Christian Berkel („Elle“), Deborah Kaufmann („Dark“), Barbara Auer („Transit“), Bjarne Mädel („1000 Arten, den Regen zu beschreiben“) und vielen weiteren Namen sehen lassen kann. Sie alle spielen im Trubel des Alltags verlorene gegangene Seelen, die sich mit großen und sehr großen Problemen auseinander setzen müssen – vom gebrochenen Herzen über den Verlust des Ehemannes bis hin zur bevorstehenden Kündigung, die, so komisch das auch klingen mag, schon mal in eine ungewollte Schwangerschaft münden kann. Sandra Nettelbeck besitzt ein herausragendes Auge dafür, Alltagsthemen leinwandtauglich aufzuarbeiten und im Gegenzug das Besondere im Normalen zu finden. „Was uns nicht umbringt“ ist ein weiterer kleiner Geniestreich in ihrer bisherigen Vita.

In „Was uns nicht umbringt“ steht vor allem die Kommunikation im Mittelpunkt. Oder besser das, was passiert, wenn auf ebenjene verzichtet wird. Max hört in der Regel nur zu. Darauf, ob seine Ratschläge angenommen werden, oder nicht, hat er dagegen keinen Einfluss. Die einzelnen Geschichten sind mal traurig, mal heiter, mal ironisch – doch sie alle vereint eine große Portion Schwermut. Das zeigt uns Schauspieler wie Bjarne Mädel einmal mehr von einer ganz ungewohnten Seite und holt aus dem gesamten Ensemble nur das Beste hervor.  Die verspielte Musik zieht den Zuschauer vom ersten Ton an in ihren Bann, Kameramann Michael Bertl („Mr. Morgans Last Love“) findet in dem verschwommenen Grau-in-Grau des Alltags immer wieder kleine Details, die jede Figur besonders, jedes Handeln einzigartig und jeden Gedanken liebenswert machen. Mit irgendeiner von den vielen Figuren wird man sich am Ende garantiert identifizieren können.
 
Antje Wessels