Wasser und Seife

Es hat den Anschein, dass deutsche Regisseure momentan ein gesteigertes Interesse an Wäschereien entwickeln würden. Hans-Christians Schmid thematisierte in „Die wunderbare Welt der Waschkraft“ eine Wäscherei an der deutsch-polnischen Grenze, Susan Gluth zieht es nach Hamburg. Dort arbeiten drei Frauen mittleren Alters in einer nicht mehr sehr modernen Wäscherei und versuchen mit ihrem kargen Lohn zu überleben. Ein sehenswerter Film über die Folgen der Globalisierung, die auch in Deutschland zu spüren sind.

Webseite: www.wasserundseife-film.de

Deutschland 2008 – Dokumentation
Regie und Buch: Susan Gluth
Länge: 85 Minuten, Format: 1:1,85
Verleih: Susan Gluth Filmproduktion
Kinostart: 30.4.2009

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Drei Frauen stellt Susan Gluth in den Mittelpunkt ihrer Dokumentation: Tatjana, Gerti und Monika. Seit Jahren arbeiten sie für eine kleine, in die Jahre gekommene Wäscherei in Hamburg, für kaum mehr als zum Leben reicht. Jeden Morgen machen sie sich auf den langen Weg aus den billigeren Vororten ins Zentrum, um dann acht Stunden an der Mangel zu stehen, Wäsche zu falten oder Waschmaschinen zu füllen. Das Geschäft läuft augenscheinlich nicht schlecht, doch viel Spielraum hat der Chef nicht. Seine Wäsche sauber gewaschen und gefaltet, eingepackt in Papierpakete zu bekommen, ist immer weniger Menschen etwas wert. Und so leben die drei Frauen von wenig Geld, teils in Sozialwohnungen, immer am Rand des Existenzminimums.

Gerti ist immerhin verheiratet und hat eine pubertierende Tochter, Tatjana und Monika leben allein, mit Nymphensittichen und einem betagten Terrier. Der ist Monikas ganze Freude, wird ob seiner Laufschwäche meist in einer Tasche transportiert und die Treppen hoch getragen und braucht teure Herztabletten. Per Hand oder mit dem Taschenrechner listen die Frauen ihre Ausgaben auf, am Ende bleibt nicht viel übrig. Jede Ausgabe will gut überlegt sein, jeder Euro wird zweimal umgedreht, und wenn dann Gertis Tochter erneut durch die Führerscheinprüfung fällt, ist das ein doppeltes Drama. Dennoch oder gerade deswegen gönnen sich die Frauen scheinbar unnütze Vergnügen: Monika spielt Bingo und hofft auf den großen Gewinn, der all ihre finanziellen Sorgen vergessen machen würde. Gerti wiederum läßt sich regelmäßig die Finger maniküren und die Haare zu einem Turm auftoupieren. In solchen Szenen stellt Susan Gluth ihre Protagonisten ein wenig aus, streift sie die Grenze zwischen einem bloßen dokumentarischem und einem sich über ihre Protagonisten erhebenden Blick.

Meistens aber gelingt es „Wasser und Seife“, einen Blick in eine Arbeitswelt zu werfen, die angesichts von Berichten und Dokumentationen über die Arbeitsbedingungen in den Sweatshops der Dritten Welt oft aus dem Blick gerät. Trotz aller Technologisierung, der fortgesetzten Umwandlung Deutschlands in eine Dienstleistungsgesellschaft, gibt es dennoch Nischen, in denen schwere körperliche Arbeit betrieben wird. „Wasser und Seife“ funktioniert in seinem Blick auf einen Aspekt deutscher Wirklichkeit, als schöner Komplementärfilm zu Hans-Christian Schmids „Die Wunderbare Welt der Waschkraft.“ Der schildert die Verlagerung von Wäschereien ins benachbarte Polen, wo die Löhne noch ein wenig niedriger sind als in Deutschland und somit einen unmittelbaren Aspekt der Globalisierung. Susan Gluth wiederum zeigt die andere Seite: Einen deutschen Betrieb, der zwar nicht unmittelbar der Konkurrenz aus dem Ausland ausgesetzt ist, aber doch einem Preisdruck, der in immer mehr Bereichen der Arbeitswelt zu spüren ist.

Michael Meyns

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