Weil ich schöner bin

Die Geschichte einer 13-jährigen Schülerin in Berlin, der die Abschiebung nach Kolumbien droht. Zwischen ernstem Abschiebungsdrama und leichtem Teenagerfilm bewegt sich Frieder Schlaichs „Weil ich schöner bin“. Vor allem die junge Hauptdarstellerin Mariangel Böhnke als 13jährige Charo und die Bildgestaltung von Benedict Neuenfels überstrahlen dramaturgische Schwächen.

Webseite: www.filmgalerie451.de

Deutschland 2012
Regie: Frieder Schlaich
Buch: Claudia Schaefer
Darsteller: Mariaangel Böhnke, Mira Aring, Angeles Aparicio, Lavinia Wilson, Andrea Sanchez del Solar
Länge: 81 Minuten
Verleih: Filmgalerie 451
Kinostart: 27. Dezember 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Einerseits ist Charo (Mariaangel Böhnke) eine ganz gewöhnliche 13jährige, die mit ihrer besten Freundin Laura (Mira Aring) nach der Schule rumhängt, durch Kaufhäuser zieht, den süßesten Jungs nachschaut und sich zunehmend von ihrer Mutter distanziert. Andererseits ist Charo alles andere als gewöhnlich, denn sie ist Kolumbianerin und lebt zusammen mit ihrer Mutter Ines (Angeles Aparico) illegal in Berlin. Besonders die Mutter ist in ständiger Sorge, von der Polizei entdeckt und abgeschoben zu werden. Charo dagegen ist bestens in den deutschen Alltag integriert, ist gut in der Schule, könnte nach dem Sommer auf ein Gymnasium wechseln und fühlt sich in ihrem Kreuzberger Kiez pudelwohl. Doch dann kommt es wie es kommen muss: Die Polizei verhaftet Ines, die Abschiebung droht. Die engagierte Anwältin Jutta (Lavinia Wilson) kann die Mutter zwar aus dem Gefängnis holen, aber nur unter der Bedingung, dass Ines binnen zwei Wochen das Land verlässt. Und während sich Ines in ihr Schicksal fügt, will sich Charo nicht damit abfinden, in ein Land zurückzukehren, das längst nicht mehr ihre Heimat ist.

„Weil ich schöner bin“ verbindet zwei Erzählstränge, die jeder für sich genug Stoff für einen Film wären: Teenagerfilm und Abschiebungsdrama. Zwar gibt sich Claudia Schaefer in ihrem Drehbuch viel Mühe, die beiden Stränge organisch miteinander zu verbinden, doch gelingt dies nur in manchen Szenen. Etwa wenn Laura im Kaufhaus beim Klauen einer Sonnenbrille erwischt wird und Charo ihr ganzes Improvisationstalent aufwenden muss, damit die Polizei sie ja nicht nach dem Ausweis fragt, den sie nicht besitzt. Doch neben solchen gelungen Szenen stehen viele, die sich ausschließlich einem Handlungsstrang widmen. So droht die Erzählung immer wieder in zwei Teile zu zerfallen, zumal gerade die Vielzahl angerissener Themen in Verbindung mit der kurzen Filmlänge von kaum 80 Minuten bisweilen zu einer etwas oberflächlichen Darstellung führt. Allzu leichtfertig werden aufkommende Fragen beantwortet oder einfach ignoriert, von einer prekären finanziellen Situation, die angesichts des illegalen Status der Mutter zu erwarten wäre, aber nie thematisiert wird, bis hin zu den vielfältigen sozialen Problemen, wie sie Migranten in den Berliner Bezirken Kreuzberg und Neukölln häufig erleben.

Hier geht Schlaich nicht in die angedeutete Tiefe seines Sujets, sondern bleibt an der Oberfläche, was einerseits schade ist, andererseits auch zur größten Stärke des Films führt: Seiner Atmosphäre, seinem Gespür für den Ort. Immer wieder nimmt sich der Film viel Zeit, Charo mal allein, mal zusammen mit Laura dabei zu beobachten, wie sie durch die Straßen Berlins flaniert, mit der Hochbahn fährt, den Sommer in der Stadt geniesst. Mit weichem, warmem Licht filmt Kameramann Benedict Neuenfels diese Szenen, die oft wie kleine, hingeworfene Momente wirken, ganz beiläufig eingefangen. In den besten Szenen erinnert das nicht umsonst an die Lässigkeit von Filmen Dominik Grafs, für den Neuenfels einige Male hinter der Kamera stand und die zeigen, wie auch eine kleine Produktion mit einfachen Mitteln hochklassig wirken kann. In Verbindung mit der Leinwandpräsenz der jungen Hauptdarstellerin Mariaangel Böhnke, die hier ihre erste Rolle spielt, lassen diese Qualitäten gern manch dramaturgische Schwäche übersehen.

Michael Meyns

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