Wendy 2 – Freundschaft für immer

Ein Schnauben und Wiehern ertönt auf deutschen Kinoleinwänden, denn wohl nie seit der „Winnetou“-Ära starteten so viele Pferdefilme wie aktuell. Auf die vier „Bibi & Tina“-Filme, die „Ostwind“-Trilogie, „Wendy – Der Film“ und „Rock My Heart“ folgt nun „Wendy 2 – Freundschaft für immer“. Dass Wendy bei der aktuellen Pferdewelle mitmischt, verwundert nicht, denn immerhin steht das ikonische Titelmädchen der Pferdezeitschrift gleichen Namens quasi stellvertretend für alle Reitermädchen. Nach dem ersten Teil von Dagmar Seume („Hanni & Nanni 3“) übernahm beim Sequel Hanno Olderdissen die Regie, der mit „Rock My Heart“ den reifsten der aktuellen Pferdefilme inszeniert hat. Sein neuer Beitrag erfindet das Genre zwar keineswegs neu, überzeugt aber mehr mit erzählerischem Witz.

Webseite: www.wendy2.de

Deutschland 2018
Regie: Hanno Olderdissen
Darsteller/innen: Jule Hermann, Benjamin Sadler, Noah Kraus, Jasmin Gerat, Maren Kroymann, Christian Ahlers
Laufzeit: 96 Min.
Verleih: Sony Pictures
Kinostart: 23. Februar 2018

FILMKRITIK:

Das Drehbuch zur Fortsetzung des „Wendy“-Films von 2017 stammt abermals von der Fernsehfilm-erfahrenen Autorin Caroline Hecht. Die Story knüpft entsprechend reibungslos an den ersten Teil an, in dem Wendy (Jule Hermann) und ihre Familie (Jasmin Gerat, Benjamin Sadler, Julius Hotz) nach Rosenborg auf das Gestüt von Oma Herta (Maren Kroymann) zogen. Seitdem ist ein Jahr vergangen und Wendy hat ihre zwischenzeitige Angst vor dem Reiten abgelegt. Doch es droht neues Ungemach, denn das Familiengestüt steht kurz vor der Pleite. Die Konkurrentin Ulrike (herrlich überzeichnet: Nadeshda Brennicke) vom modernen Reiterhof St. Georg lauert bereits auf den Verkauf. Rettung verheißt das Preisgeld aus einem Jugendturnier im Springreiten. Um daran teilnehmen zu können, muss Wendy aber erstmal die traumatisierte Turnierstute Penny zum Springen bewegen – und zugleich ihre Freundschaft zum Zirkuspferd Dixie pflegen.
 
Schon der recht lahme Zusatztitel „Freundschaft für immer“ lässt vermuten, dass „Wendy 2“ keine großen Neuerungen bringt. Wie jeder Pferdefilm spielt Wendys neuerlicher Ausritt in den Sommerferien, erneut muss Vertrauen zwischen Mensch und Tier gefasst werden, und wieder kann ein Turniersieg einen Reiterhof aus den Schulden hieven. Wo es im ersten Teil Wendy war, die nach einem Sturz nie wieder reiten wollte, leidet nun das Springpferd Penny an einem Trauma. „Es ist wie bei mir und Dixie, nur umgekehrt,“ erkennt Wendy – und legt damit auch offen, dass Teil 2 den Vorgänger letztlich eher variiert als fortspinnt.
 
Die krassen Anforderungen an Turnierpferde thematisierte Hanno Olderdissen bereits im viel gelobten „Rock My Heart“. In „Wendy 2“ stimmt er ebenfalls kritische Töne an und schlägt mit Themen wie Doping und Erfolgsdruck eine Brücke zu realen Schattenseiten des Pferdesports. Penny ist traumatisiert, weil das Tier auf dem Reiterhof St. Georg „kaputt“ trainiert wurde. Und da die Stute keine Leistung mehr bringt, will Ulrike sie postwendend zum Schlachter schicken. Die Parteinahme für Tierwohl gefällt und rundet die Pferdefaszination des Films passend ab.
 
Inszenatorisch bietet „Wendy 2“ das Standardrepertoire des Genres, wobei vor allem die obligatorischen Zeitlupenaufnahme der Pferde auffallen. Doch nicht jeder Film muss das Rad (oder eben die Hufen) neu erfinden. Oft reicht es, wenn das Erwartbare hübsch dargeboten wird.
 
Und hier macht Hanno Olderdissen viel richtig. Mehr als im Vorgänger gewinnen die Figuren an Farbe, wovon speziell die Nebenrollen profitieren. Vor allem trumpft Olderdissen aber bei der Charakterisierung der Pferde auf. Dixie und Penny (dargestellt von je zwei Filmtieren) bekommen einige hübsche Interaktionen spendiert. Wenn das Zirkuspferd Dixie die Eifersucht auf Penny an Wendys Trainingsplan auslässt und anderweitig bockt, bevor die Tiere schließlich als Team agieren, entstehen charmante und humorvolle Momente – nicht nur für Pferdefans.
 
Christian Horn