Wer ist Oda Jaune?

Oda Jaune musste sich als junge Immendorf-Witwe lange Zeit mit Vorurteilen herumschlagen. Das intime Künstlerporträt von Kamilla Pfeffer zeigt die deutsch-bulgarische Malerin in ihrer Pariser Wahlheimat als große Gegenwartskünstlerin, die längst aus dem Schatten ihres toten Ehemannes herausgetreten ist. Die Offenheit, mit der die Filmemacherin der Künstlerin entgegentritt, sorgt nicht nur für eine ungewöhnliche intime Atmosphäre, sondern ermöglicht dem Zuschauer auch einen unvoreingenommen Blick auf das Werk einer Frau, deren ätherisch-schönes Wesen allzu leicht von ihren so kraftvollen Kunstwerken ablenkt.

Webseite: www.realfictionfilme.de

D 2016
Regie: Kamilla Pfeffer
Länge: 75 Min
Verleih: Real Fiction
Start: 23. Juni 2016
 

FILMKRITIK:

Oda Jaune hatte einen schwierigen Start in die Kunstszene. Gleich mehrere Umstände standen ihrer Rezeption als Künstlerin im Wege. 1979 als Michaela Danowska in Bulgarien geboren, wurde sie als Kunststudentin Meisterschülerin bei Jörg Immendorf und wenig später seine Frau. Junge schöne Osteuropäerin heiratet älteren, reichen Mann aus dem Westen – die Schubladen, in die Oda Jaune gesteckt wurde, standen sperrangelweit offen. Dabei braucht man nur einen unvoreingenommen Blick auf ihre Ölbilder und Aquarelle werfen, um zu sehen, dass die Frau mit der eigentümlichen Kinderstimme eine eigenständige Künstlerin ist.

Die figurativen Bilder sind  gleichermaßen zart und verträumt, wie drastisch und expressiv. Oft sieht man in ihren (alb)-traumhaften Tableaus menschliche Organe nach außen gestülpt. Schönheit und Schrecken, Eros und Tod gehören für Oda Jaune zusammen, wie beim Porträt von Brigitte Bardot, die sie als Torso mit abgetrennten Beinen malt. So versteht man auch, dass einer der befragten Künstlerkollegen, der schillernd-extrovertierte Jonathan Meese von ihr behauptet: „Oda ist auch laut“. 

Theater-Regisseur Thomas Ostermeier und Lars Eidinger bekunden in der Dokumentation ebenfalls ihre Bewunderung für Odas Bilder, letzterer zitiert Milan Kundera: "Kitsch ist die Abwesenheit von Tod und Scheiße." Oda Jaunes mysteriöse morbide Bildwelten sind sicherlich kein Kitsch. Dass es dem Zuschauer dennoch mitunter schwerfällt, den hingehauchten, verzögerten Antworten der Oda Jaune zu folgen, wenn sie von der Filmemacherin in Frontalsicht befragt wird, gehört auch zur Wahrnehmung dieser öffentlichkeitscheuen Persönlichkeit.

Höhepunkt des Filmes ist aber sicherlich der Versuch, Oda Jaune im Prozess des Malens zu filmen. Eine Annäherung an den Künstler, wie sie schon bei Filmporträts über Pablo Picasso oder Gerhard Richter erfolgreich angewandt wurde. Bei Oda Jaune bleibt das Anliegen im Ansatz stecken. Von der Kamera beobachtet, bricht sie die Arbeit an neuen großformatigen Bildern mehrfach ab. Dass der Film dieses „Scheitern“ selber wieder zum Thema macht, zeugt von der Offenheit des Projektes, das sich über die gesamte Dauer umsichtig und intim der Künstlerin nähert und damit auf kluge Weise den Zuschauer auf ihr Werk und ihre Person neugierig macht.

Norbert Raffelsiefen