Why Him?

Pünktlich zum Weihnachtsfest brechen sich familiäre Konflikte ja gern mal Bahn. So auch in „Why him?“, der neuen Komödie von Regisseur und Drehbuchautor John Hamburg („…und dann kam Polly“). In der exzentrischen „Vater der Braut“-Variante will ein von Bryan Cranston gespielter Schwiegervater mit allen Mitteln verhindern, dass seine Tochter einen von James Franco verkörperten IT-Millionär heiratet. Lose an die Prämisse der 2012 gestarteten BBC-Netflix-Serie „Cuckoo“ angelehnt, inszeniert Hamburg den klassischen Kampf Schwiegervater versus Schwiegersohn mit reichlich Slapstick und einem starken Hang zu vielfach erprobten Komödien-Klischees.

Webseite: www.whyhim-derfilm.de

USA 2016
Regie: John Hamburg
Drehbuch: John Hamburg, Ian Helfer
Darsteller: James Franco, Bryan Cranston, Zoey Deutch, Megan Mullally, Tangie Ambrose, Cedric the Entertainer, Bob Stephenson
Laufzeit: 111 Min.
Verleih: 20th Century Fox
Kinostart: 12. Januar 2017

FILMKRITIK:

Man kann gut verstehen, dass der 55-jährige Druckereichef Ned (Bryan Cranston) nicht sonderlich erpicht darauf ist, den jungen Videospiel-Millionär Laird (James Franco) in den Schoß seiner Familie aufzunehmen. Dass der extrovertierte Laird seiner Tochter Stephanie (Zoey Deutch) nach einem Jahr heimlicher Beziehung einen Heiratsantrag machen will, nimmt Ned zum Anlass für einen Feldzug gegen den ungewollten Schwiegersohn. So artet der weihnachtliche Familienbesuch in Lairds Villa im kalifornischen Silicon Valley zur Schlammschlacht aus, in die Ned auch seine Frau Barb (Megan Mullally) und den 15-jährigen Sohn Scotty (Griffin Gluck) hineinzieht.
 
Neds Feldzug gegen den Kindskopf Laird ist nicht nur ein Kampf der Generationen, sondern vor allem ein Kampf des Analogen gegen das Digitale. Ned betreibt eine finanziell angeschlagene Druckerei, in Lairds smarter Villa gibt es nicht mal auf der High-Tech-Toilette Papier („Demolition Man“ lässt grüßen). Ganz verhehlen kann Ned dabei nicht, dass ihn der Erfolg des mehrfachen Silicon Valley-Millionärs auch mit Neid erfüllt. Allein für das Wohl seiner Tochter handelt Ned also nicht, im Gegenteil ist seine tiefe Abneigung gegen Laird eine sehr persönliche Angelegenheit.
 
Regisseur und Mit-Autor John Hamburg entfaltet den ironischerweise in der besinnlichen Weihnachtszeit verorteten Konflikt in einer Reihung von Einzelsketchen, die alle möglichen Klischees rund um die IT-Branche und die Sorgen eines überfürsorglichen Vaters ausbreiten. Mit seiner Beteiligung an den Drehbüchern zu „Meine Braut, ihr Vater und ich“ und den beiden Fortsetzungen dazu konnte Hamburg bereits Erfahrungen im Sujet der Familienkomödie sammeln. Seine aktuelle Komödie inszeniert er entsprechend routiniert mit Lairds Coach Gustav (Keegan-Michael Key) als gelungenem Sidekick oder vergnüglichen Ausschnitten aus „Kevin – Allein zu Haus“.
 
Wie unter anderem schon in „Spring Breakers“ spielt James Franco den überdrehten Schwiegersohn mit viel Selbstironie, wenn er immer wieder seinen freien Oberkörper präsentiert (oder gleich am Anfang seinen entblößten Hintern) und selbst seiner Schwiegermutter anzügliche Komplimente macht. Der mit „Breaking Bad“ zu Weltruhm gelangte Bryan Cranston zeigt wie schon in der Familien-Sitcom „Malcolm in the Middle“ sein feines humoristisches Talent, das sich viel über die Mimik ausdrückt. An der guten Besetzung liegt es jedenfalls nicht, dass „Why him?“ nicht immer zünden will. Bei der hohen Dichte an Gags kann der ein oder andere abgeschmackte Kalauer vielleicht gar nicht ausbleiben, doch auf den aufgesetzt versöhnlichen Schlussakkord hätte Hamburg gut verzichten können.
 
Christian Horn