Wickie und die starken Männer – Das magische Schwert

Es gibt eine Zeichentrickserie, eine Animationsserie und zwei Real-Spielfilme. Nun erscheint mit „Wickie und die starken Männer: Das magische Schwert“ auch noch ein Animationsfilm aus dem Wikinger-Universum, der seine jungen Zuschauer einmal mehr in die Welt des nordischen Volkes entführt. In kindgerechten 75 Minuten geht es dabei mitunter ganz schön rabiat zu.

Website: www.wickie-derfilm.de

Deutschland 2020
Regie: Eric Cazes
Deutsche Sprecher: Julius Weckauf, Dietmar Bär, Ken Duken, Malu Leicher
Verleih: Leonine
Länge: 75 Min.
Start: 30. April 2020

FILMKRITIK:

Der kleine Wikinger Wickie (Julius Weckauf) ist ein aufgeweckter, cleverer, aber auch etwas schmächtiger Junge. Sein Vater Halvar (Dietmar Bär) lässt seinen jüngsten Spross daher immer zuhause, wenn es für ihn und seine Wikinger-Crew wieder einmal an die entlegensten Orte des Meeres geht. Eines Tages bringt er ein geheimnisvolles Schwert von seiner Reise nach Hause. Wickie durchschaut die magische Innschrift auf der Waffe sofort, die es dem Halter ermöglicht, alles um sich herum in Gold zu verwandeln. So auch Wickies Mutter Ylva, die in einem unachtsamen Moment zu Gold erstarrt. Unter den Wikingern bricht Chaos aus. Wie können sie Yiva wieder in einen Menschen aus Fleisch und Blut verwandeln? Der junge Krieger Leif (Ken Duken) behauptet, die Antwort zu kennen: Auf einer sagenumwobenen Insel kann der Bann gebrochen werden. Den Wikingern steht erneut eine aufregende Reise bevor. Und der kleine Wickie darf endlich mit!

Bei „Wickie und die starken Männer“ handelt es sich eigentlich um ein schwedisches Kinderbuch aus dem Jahr 1963. Doch ein Großteil der Liebhaber des kleinen cleveren Wikinger-Burschen kennt die Geschichten um ihn vermutlich vor allem durch die gleichnamige Trickserie. Ab 1974 bildete das von Runer Jonsson und Josef Göhlenerdachte Kinder-Format mit insgesamt 78 Folgen ein abenteuerliches Pendant zu den damals schwer angesagten Serien „Die Biene Maja“ und „Pinocchio“. Gemein hatten diese drei Fernsehshows, neben ihrer Ausstrahlung in ZDF und ORF, dass sie in Japan produziert wurden. Weshalb ihnen auf optischer Ebene eine Ähnlichkeit zu so genannten Animes anzusehen ist. Doch damit ward erst einmal der Grundstein gelegt. Es folgten diverse weitere „Wickie“-Adaptionen. Unter anderem auch zwei Realspielfilme unter der Regie von Michael Bully Herbig („Wickie und die starken Männer“ von 2009) und Christian Ditter („Wickie auf großer Fahrt“ von 2011). Und nun eben auch noch ein Animationsfilm, der die Seriengrundlage optisch ins Jahr 2020 katapultiert, sich aber trotzdem – je nach Auslegung – altbacken respektive nostalgisch-altmodisch anfühlt.

Mit seinen 75 Minuten ist „Wickie und die starken Männer: Das magische Schwert“ kindgerecht kurz geraten. Trotzdem kommt der Film lange Zeit nicht recht in die Gänge, was auch damit zusammenhängt, dass der eigentliche Titelheld Wickie – von der hervorragenden Synchro durch „Der Junge muss an die frische Luft“-Star Julius Weckauf einmal abgesehen –gar keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Lange Zeit ist dieser nämlich vor allem eine weitgehend unwichtige Nebenfigur. Das Hauptaugenmerk liegt stattdessen auf denen sich ständig zankenden Wikinger-Männern, allen voran Wickies Vater Halvar sowie dessen Erzrivale, dem schrecklichen Sven. Das liegt auch die Verortung der Ereignisse vor der Ursprungsserie nahe, denn dort darf Wickie schließlich längst mit auf große Fahrt, während es hier zu Beginn des Films vor allem darum geht, dass dieser sich von seinem Vater nicht ernst genommen fühlt, sofern er ihn nicht mit aufs Schiff nimmt.

Die im Segment des Kinder- und Familienfilms typische Abhandlung von Themen wie Selbstfindung und die Entwicklung eines Selbstbewusstseins spult Regisseur und Mit-Autor Éric Cazes (konzipierte diverse Folgen der seit 2013 produzierten CGI-Serie „Wickie und die starken Männer“) zwar routiniert ab, wenn Wickie erst einmal seine eigenen Stärken erkennen muss, um seinen Vater davon zu überzeugen, dass er eben doch auf das Schiff gehört. Aber in anderen Filmen dieses Kalibers geschah dies schon mit weitaus mehr Elan und Energie; hier wirkt es so, als gehöre es nun mal dazu, weil die Zielgruppe es verlangt. Ob sich das auch auf den epochalen Endkampf bezieht, ist fraglich. Denn wenn hier gen Ende noch auf nordische Legenden eingegangen wird, die erst kürzlich in diversen Marvel-Filmen abgehandelt wurden, dann wird „Wickie und die starken Männer: Das magische Schwert“ bisweilen derart düster und visuell überladen, dass man den ganz Kleinen einen Kinobesuch nur sehr bedingt empfehlen mag. Dabei erweist sich der Film ansonsten eigentlich über weite Strecken durchaus kindgerecht. Auch das Design ist gelungen. Und mit einem niedlichen Eichhörnchen als Schwert-Bewacher ist auch noch ein niedlicher kleiner Sidekick dabei.

Fazit: Eine dreidimensionale Neuinterpretation der bekannten „Wickie“-Geschichten mit Höhen und Tiefen.

Antje Wessels