Wie auf Erden

Vor zehn Jahren war Kay Pollaks „Wie im Himmel“ auch in Deutschland ein Überraschungshit: Fast 1,4 Millionen Zuschauer wollten den Feel-Good-Film über einen Chor in der schwedischen Provinz sehen. Ein Erfolg, auf den der Verleih wohl auch bei der nun ins Kino kommenden Fortsetzung „Wie auf Erden“ hofft. Vielleicht nicht ohne Grund, denn Teil 2 dürfte allen Fans von Teil 1 viel Freude bereiten.

Webseite: www.wie-auf-erden.de

OT: Så ock på jorden
Schweden 2015
Regie: Kay Pollak
Buch: Kay Pollak & Carin Pollak
Darsteller: Frida Hallgren, Niklas Falk, Jakob Oftebro, Lennart Jähkel, Björn Granath, André Sjöberg
Länge: 130 Minuten
Verleih: Prokino
Kinostart: 3. Dezember 2015

FILMKRITIK:

Die Geschichte von „Wie auf Erden“ setzt ein paar Monate nach den Ereignissen von „Wie im Himmel“ ein: Lena (Frida Hallgren) steht kurz vor der Geburt des Kindes, dass sie zu gern mit Daniel bekommen hätte. Doch nach dessen Tod muss sie sich als allein erziehende Mutter herumschlagen, was ihr in dem kleinen schwedischen Dorf auch manch abschätzigen Blick einträgt. Doch Lena lebt ihr Leben so wie es ihr passt, gegen alle Konventionen und oft ohne Rücksicht auf Verluste.
 
Ein ähnlich Ausgestoßener ist der Pfarrer Stig (Niklas Falk), der damit hadert, dass kaum noch jemand seine sonntäglichen Predigten besucht. Als nun die Hundertjahrfeier der Kirche ansteht, heckt der Pfarrer mit Lenas Hilfe einen gewagten Plan aus: statt eines professionellen Chors und Orchester will Lena selbst eine Musikgruppe zusammenstellen, die zusammen mit dem Dorfchor nichts Geringeres als Händels Messias aufführen soll.
 
Gesagt getan macht sich Lena an die Proben, die anfangs gar nicht viel versprechend verlaufen. Zu allem Überfluss verliebt sie sich auch noch in den Handwerker Axel (Jakob Oftebro), der bei der Renovierung der Kirche mitarbeitet. Nach anfänglichen Glücksgefühlen scheint auch diese Beziehung im Unglück zu enden – doch diesmal gönnt Kay Pollak seinen Figuren ein himmelhochjauchzendes Happy End.
 
Einen Erfolg wie „Wie im Himmel“ zu wiederholen ist schwer. Zehn Jahre ließ sich Autor und Regisseur Kay Pollak dann auch Zeit, lehnte es immer wieder ab, eine Fortsetzung zu drehen und kehrt nun doch wieder zu jenen Figuren zurück, die ihm einen Welterfolg, eine Oscar-Nominierung und zahlreiche Fans gebracht haben. Sehr vorsichtig geht er dabei zu Werke, betritt kein Neuland, sondern variiert Geschichte und vor allem Moral des Originals nur wenig.
 
Dessen Stärke war gewiss nicht eine subtile Botschaft und davon kann auch in der Fortsetzung keine Rede sein: Die verbindende Kraft der Musik, die liebevolle Zeichnung von Außenseitern der Gesellschaft, die sich gegen Konformismus zur Wehr setzen. „Wie auf Erden“ schlägt weitestgehend in die gleiche Kerbe wie der Vorgänger, bedient sich teils melodramatischer Handlungsmomente, erzählt mit grobem Strich und entfaltet ein breites Panorama an Figuren. Dass dabei gerade in der zweiten Hälfte ein paar Längen aufkommen, der Film mit seinen 130 Minuten ein ganzes Stück zu lang geraten ist, mag man verschmerzen, gerade als Fan von „Wie im Himmel.“ Ein solcher sollte man ohnehin sein wenn man sich „Wie auf Erden“ anschaut, denn auch wenn die Fortsetzung als eigenständiger Film intendiert ist, sind die Bezüge zum ersten Teil doch so groß, dass es ohne Vorkenntnis bisweilen nicht ganz leicht fällt, den Figuren zu folgen. Für Fans des Originals dürfte diese Fortsetzung jedenfalls das erste Weihnachtsgeschenk des Jahres sein.
 
Michael Meyns