Wie schreibt man Liebe?

Selbst an Hugh Grant nagt der Zahn der Zeit. Trotzdem muss der Womanizer sich noch keine neue Standard-Rolle fernab romantischer Komödien suchen. Denn in „Wie schreibt man Liebe?“, beweist der 55jährige Brite als gescheiterter und geschiedener Drehbuchautor, der aus Geldmangel in der Provinz landet, erneut, dass ihm in diesem Genre noch immer keiner das Wasser reichen kann. Vor allem, wenn Drehbuchautor und Regisseur Marc Lawrence für erfrischenden Wortwitz sorgt, ist dieses Erfolgsduo unschlagbar.

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OT: The Rewrite
USA 2014
Regie: Marc Lawrence
Buch: Marc Lawrence
Darsteller: Hugh Grant, Marisa Tomei, Bella Heathcote,  J.K. Simmons, Chris Elliott, Allison Janney
Länge: 106 Minuten
Verleih: Constantin
Kinostart: 13. November 2014
 

FILMKRITIK:

„Sie mögen Jane Austen nicht?“, fragt die unterkühlte Literaturprofessorin Mary Weldon (Allison Janney) ihren neuen Kollegen bei seinem Einstand an der Universität in Binghampton pikiert. „Ich bin nur etwas müde von diesem Emanzipationsgelaber“, tritt der gescheiterte Drehbuchautor Keith Michals sofort kräftig ins Fettnäpfchen. Hilfesuchend wendet sich der einst gefeierte Oscarpreisträger an den Leiter des College Dr. Harold Lerner. „Ich hab eine Frau und vier Töchter, ich habe keine Meinung dazu“, zieht sich sein Vorgesetzter geschickt aus der Affäre.
 
Dabei muss der geschiedene Bankrotteur noch froh sein, dass seine Agentin für ihn diesen Job als Dozent für Drehbuchschreiben in dem kleinen Ort an der Ostküste gefunden hat. Hier hofft er seiner Midlifecrisis zu entkommen und einen neuen Coup in Hollywoods Glitzerwelt zu landen. Als ihn gleich am ersten Abend die junge Studentin Karen Gabney (Bella Heathcote) anhimmelt kann er nicht widerstehen und landet betrunken mit ihr im Bett. Außerdem ist er sowieso davon überzeugt, dass Drehbuchschreiben vom Talent abhängt und nicht erlernbar ist. Warum sollte er sich also die Mühe machen zu unterrichten?
 
Systematisch füllt er sein Seminar mit attraktiven Studentinnen, deren Aussehen er vorher anhand von Fotos in sozialen Netzwerken überprüft. Doch der zunächst selbstbezogene Zyniker lernt dazu. Spätestens als er der patenten, attraktiven Single-Mutter Holly (Marisa Tomei) begegnet muss er sich von einigen seiner Vorurteile verabschieden. Neidlos kann er sich sogar eingestehen, dass einer seiner Studenten ihn überflügelt. Nicht ganz selbstlos sieht er dabei jedoch sein Comeback in greifbarer Nähe.
 
Als notorischer Weiberheld Charles war Hugh Grant vor Jahren in der oscarprämierten Kult-Komödie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ von der Partnerschaft ohne Trauschein überzeugt. Mittlerweile spielt der dreifache Vater erfolgreich gegen das Image des unbeschwerten Junggesellen an. Lange genug überzeugte der versierte Kunstsammler schließlich in Rollen als Single mit Bindungsangst. Der smarte Engländer verkörpert in seiner neuen romantischen Komödie den gescheiterten, geschiedenen Drehbuchautor ziemlich perfekt. „Alle im Showbusiness durchleben Höhen und Tiefen“, weiß der Oxford-Absolvent.
 
Seine große Stärke liegt nach wie vor darin treuherzig Figuren zu verkörpern, die versuchen trotz Pechsträhnen und Unglück optimistisch zu bleiben. „Ich glaube für die romantischen Komödien werde ich allmählich zu alt, vielleicht für das ganze Showbusiness generell“, kokettiert der ehemalige 'Bridget Jones'-Beau mit klassischem Understatement. Auch mit einigen Falten mehr im Gesicht punktet der passionierte Golfspieler vor der Kamera mit jenem immer noch jungenhaften, charmanten Lächeln, dem man alles verzeiht.
 
„Keith ist eine Person, die gegen ihren Willen immer unbedeutender wird, weil sie in einer Welt älter wird, die dem Jugendwahn verfallen ist“, bringt Regisseur Marc Lawrence das Problem seiner Hauptfigur freilich auf den Punkt. Gewürzt mit pointiert trockenen Dialogen und ironischen Seitenhieben verhilft er seinem Protagonisten fast wie in der originellen Kultkomödie „ Und täglich grüßt das Murmeltier“ ohne Zeitschleife unterhaltsam zu einer Läuterung. Schließlich beherrscht der ehemalige Produzent, der selbst ein Absolvent der im Film gezeigten Binghamton University war, sein Handwerk. Und so gelingt, trotz stellenweise vorhersehbarer Dramaturgie, eine schwungvolle Mischung von Komödie und Romanze mit mehr Tiefgang.
 
Luitgard Koch