Wild Card

Der britische Schauspieler Jason Statham gilt meist als der Mann fürs Grobe. Mit seiner Verkörperung von muskelbepackten Actionhelden machte sich der 46jährige nicht nur in Hollywood schnell einen Namen. Auch in dem rasanten Spielerdrama „Wild Card“ kommen Action- Fans auf ihre Kosten. Im atmosphärisch dichten Remake eines Burt-Reynolds-Films für den Hollywood Star-Autor William Goldman das Drehbuch schrieb, setzt der ehemalige Turmspringer erneut alles auf eine Karte. Dabei zeigt er als notorischer Spieler freilich auch mehr Facetten seines schauspielerischen Könnens.

Webseite: www.universumfilm.de

USA 2014
Regie: Simon West
Drehbuch: William Goldman
Kamera: Linus Sandgren
Darsteller: Jason Statham, Michael Angarano, Dominik García-Lorido Anne Heche, Milo Ventimiglia, Stanley Tucci.
Länge: 92 Minuten
Verleih: Universum
Kinostart: 12. Februar 2015
 

FILMKRITIK:

Wenn die Sonne in Vegas untergeht, erwachen die Zocker zum Leben. Auch Bodyguard Nick Wild (Jason Stratham) kann nur sehr schwer einen Bogen um die Casinos der schillernden Stadt in der Wüste Nevadas machen. Doch tapfer versucht der ehemalige Söldner seine Spielsucht in den Griff zu bekommen. Auch von Waffen hat er sich verabschiedet. Eigentlich möchte er nur noch eines: Sich auf der Mittelmeerinsel Korsika eine Auszeit zu gönnen. Dazu fehlt dem wortkargen Einzelgänger allerdings das nötige Kleingeld.

Und auch sein neuer Auftrag scheint nicht gerade vielversprechend. Sein Klient Cyrus Kinnick (Michael Angarano), ein junger Start-up-Unternehmer möchte endlich angstfrei sein und von ihm in Sachen Krisenbewältigung geschult werden. Genervt begleitet er den adretten Computer-Nerd durch die Casinos. Als seine vergewaltigte Ex-Freundin Holly (Dominik Garcia-Lorida) ihn um Hilfe bittet, landet Nick endgültig in einer Zwickmühle. Denn eigentlich will er allem Ärger einfach nur noch aus dem Weg gehen. Ihr Rachefeldzug jedoch führt ihn in die Unterwelt von Las Vegas. Sich mit Gangsterboss Danny DeMarco (Milo Ventimiglia) und der Mafia anzulegen, hatte er freilich stets vermieden.

Hollywood bezeichnet den britischen Schauspieler Jason Statham des öfteren auch als „Cockney-Eastwood“ oder „Eastender-Willis“ – in Anlehnung an die harten Kerle der Traumfabrik. In „The Expendables“ und der Fortsetzung wurde er als Actionheld an der Seite von Legenden wie Sylvester Stallone, Bruce Willis, Mickey Rourke und Chuck Norris „geadelt“. Der ehemalige Turmspringer macht fast alle seine Stunts selber. „Ich habe noch nie vor irgendetwas wirklich Angst gehabt. Abgesehen von Feuerstunts und völlig unkontrollierbaren Szenen bin ich zu allem bereit“, sagt er. Auch auf seinem spannenden Trip-Noir durch die im Zwielicht liegende Halbwelt Las Vegas bietet er glänzend durch choreographierte Kampfszenen für seine Actionfans.

Doch diesmal möchte der 46jährige mehr. Wie bereits in der düsteren Charakter-Studie „Redemption“ will er zeigen, dass er nicht nur in actiongeladenen Übermannrollen unschlagbar ist, sondern auch vielschichtigere Charaktere im Spagat zwischen Mainstream und Arthouse meistert. In seinem spannenden Rachethriller inszeniert Regisseur Simon West seinen Titelhelden deshalb in atmosphärisch stimmigen Slow-Motion Auftritten und exzellenten Close-Ups.  Der versierte Schnitt, unterstützt von einem grandiosen Soundtrack der unbekannten Blues Band „Mississippi Twilight“, vermittelt tatsächlich ein facettenreicheres Bild des sympathischen Briten auf der Leinwand.

Luitgard Koch