Willkommen in der Bretagne

Mit der französischen Sozialkomödie „Willkommen in der Bretagne“ glückt Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar eine Hymne auf den Kampf einer kleinen Gemeinde in der Bretagne, die sich gegen die Schließung der Entbindungsstation ihres Krankenhauses zur Wehr setzt. Gleichzeitig zeigt sie mit Slapstick, Wortwitz und viel Herz die Schön- und Eigenheiten der westlichsten Region Frankreichs und versöhnt die Provinz mit sich selbst. Pulsierendes Zentrum dieser humorvoll, charmanten Geschichte über Zivilcourage, Liebe und Freundschaft ist dabei die Bowling-Frauenmannschaft von Carhaix. Das unterhaltsame Feel-Good-Movie um den erfolgreichen Protest lebt von der lebendigen Ausstrahlung der Hauptdarstellerinnen, allen voran Catherine Frot („Die Köchin und der Präsident“, „Odette Toulemonde“).

Webseite: www.willkommen-in-der-bretagne.de

Frankreich 2012
Regie: Marie-Castille Mention-Schaar
Darsteller: Catherine Frot, Firmine Richard, Mathilde Seigner, Laurence Arné, François Bureloup, Mathias Mlekuz, Julien Crampon
Drehbuch: Marie-Castille Mention Schaar, Jean-Marie Duprez
Länge: 90 Minuten
Verleih: Alamode Filmverleih
Kinostart: 31.01.2013

PRESSESTIMMEN:

Eine wundervolle Sozialkomödie, die auf einer wahren Geschichte beruht.
Brigitte

FILMKRITIK:

„Es regnet hier viel, nicht wahr“, versucht die Pariserin Catherine (Catherine Frot) ein Gespräch mit dem Taxifahrer zu beginnen. „Es heißt der Regen fällt nur auf die Dummen“, kontert der Bretone auf die scheinheilige Frage der etwas hochnäsigen Hauptstädterin. Die Personalmanagerin, reist in die verschlafene Kleinstadt, um das Krankenhaus in der Provinz rentabler zu machen. Doch dort trifft sie auf die Mitglieder der Bowling-Frauenmannschaft von Carhaix: Mathilde (Mathilde Seigner) Frauenärztin und Mutter von zwei Kindern, Louise (Laurence Arné) eben schwanger geworden und die Kinderkrankenschwester Firmine (Firmine Richard).

Die drei Freundinnen suchen händeringend nach einer vierten Mitstreiterin für ihr Bowlingteam, um bei den anstehenden Meisterschaften antreten zu können. Bald schon ist die zunächst zugeknöpfte Catherine mit dabei, obwohl sie zunächst skeptisch ist. Angenehm überrascht, genießt sie die Herzlichkeit der Menschen dieses Landstrichs. Und so freundet sie sich mit den Frauen an, die sie eigentlich aus der Belegschaft des Krankenhauses wegrationalisieren soll. Entschlossen protestiert die ganze Stadt gegen die Schließung der Entbindungsstation, an der Spitze die passionierten Bowlerinnen Mathilde, Firmine und Louise. Und Catherine muss sich entscheiden auf welcher Seite sie steht.

„Vor allem ging es mir darum, eine schöne und wahre Geschichte zu erzählen“, sagt Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar, „und dem Publikum einen vergnüglichen Kinoabend zu bescheren“. Das ist der gebürtigen Bretonin durchaus gelungen. Ihre herzerfrischende Komödie über hartnäckige Vorurteile, ein resolut-dickköpfiges Völkchen im stürmischen Westzipfel überzeugt und macht gute Laune. Schließlich basiert sie auf einer wahren Begebenheit: Denn in Carhaix, dem Schauplatz der Geschichte, gab es tatsächlich monatelange Proteste und Demonstrationen wegen der Schließung einer Entbindungsstation. Selbst der Bürgermeister, der fast 8000 Bewohner zählenden Gemeinde engagierte sich.

Die hoffnungsvolle Story um vier Frauen, die bald nicht nur das gemeinsame Bowling, sondern der Kampf gegen Profitmaximierung und soziale Missstände vereint, überzeugt mit einer großen Portion Witz, originellen Einfällen und frechen Dialogen. Wieder einmal zeigt der französische Film damit seine bedingungslose Zuwendung zum Leben und den weit gespannten Blick auf alles Menschliche. Nicht umsonst stellt das französische Kino in ganz Europa eine Ausnahmeerscheinung dar. Nirgends haben heimische Filme einen so hohen Publikumsanteil wie bei der Grande Nation.

Luitgard Koch

Das Leben in einer kleinen Stadt der Bretagne. Vor allem zwei Schauplätze kommen ins Spiel: die Geburtenstation im örtlichen Krankenhaus, wo Mathilde, Louise und Firmine sich um die Babys und die Mütter kümmern. Und die Sporthalle, wo vor allem Bowling gespielt wird. Firmine, Louise und Mathilde bilden ein Team, das sich schon oft bewährt und Erste Plätze gewonnen hat.

Die Geburtenstation schreibt rote Zahlen – ein großes Problem für das Hospital. Deshalb soll aus Paris Catherine kommen, um nach dem Rechten zu sehen, um Mängel zu entdecken und um eventuell entscheidende Änderungen vorzunehmen. Besonders gut wird Catherine nicht aufgenommen, denn die gemütliche Bretagne und das hochnäsige, hektische Paris vertragen sich nicht allzu sehr.

In der Bowlingmannschaft ist eine Stelle zu besetzen, Catherine soll her. Sie zögert, macht aber mit. Langsam gibt es jetzt zwischen den Frauen eine Annäherung. Besonders Mathilde und Catherine waren sich am Anfang nicht sonderlich grün.

Trotzdem: Catherine muss ihren Job machen. Und dabei kommt heraus, dass die Geburtenstation geschlossen und in die nächste Stadt verlagert werden müsste – für die ansässigen Krankenschwestern eine Katastrophe. Sie versuchen sich zu wehren, aber die oberste Leitung gibt nicht nach. Catherine sitzt in der Klemme.

Beim Bowling geht es auf einen Wettbewerb zu. Die Frauen müssen eisern trainieren.

Und in Sachen Geburtenstation ziehen sie schließlich vor Gericht. Den Bowling-Wettbewerb können sie nicht gewinnen, dafür aber ihren Rechtsstreit. Die Geburtenstation von Carhaix, so heißt die kleine Bretagne-Stadt, bleibt auf jeden Fall erhalten.

Aufregend ist der thematische und handlungsmäßie Entwurf nicht gerade. Doch wird das Kleinstadtleben alltäglich, ruhig und realistisch geschildert.

Dazu kommt im Kleinen ein Problem, das heute so gut wie weltweit die Menschen umtreibt: der Arbeitsverlust, die Rationalisierung, der Geldmangel, die Zusammenführung von Betrieben, die dadurch für die einzelnen entstehenden Schicksalsschläge. Doch wenn man kämpft . . . gibt es Lösungen.

Catherine Frot stellt die Catherine dar, eine Garantin für gutes Spiel. Jedenfalls einer der Trümpfe dieses Films. Von Mathilde Seigner und Firmine Richard kann man im Grunde dasselbe sagen. Übrigens: ein reiner Frauenfilm.

Nicht gerade ein bedeutendes Kunstwerk, dafür aber die ziemlich realistische Schilderung einiger seriöser Probleme.

Thomas Engel