Winnetoons – Die Legende vom Schatz im Silbersee

Über 100 Jahre sind die Bücher von Karl May inzwischen alt. Trotzdem haben Winnetou und Old Shatterhand nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. „Die Legende vom Schatz im Silbersee“ schlägt ein weiteres Kinokapitel ihrer gemeinsamen Westernabenteuer auf. Der klassische Trickfilm lehnt sich an die TV-Serie „WinneToons“ an, die von 2002 bis 2004 im Kinderprogramm der ARD zu sehen war. An der Optik hat sich im Vergleich zur 26-teiligen Reihe wenig geändert. Dafür gibt es ein paar neue Sprecher. Darunter Christian Tramitz („Der Schuh des Manitu“) und Cosma Shiva Hagen („7 Zwerge“). Für die Musik sorgt derweil die Countrycombo Texas Lightning.

Webseite: www.winnetoons-derfilm.de

Deutschland 2009
Regie: Gert Ludewig
Drehbuch: Jeffrey Scott, Lee Maddux
Sprecher: Christian Tramitz, Cosma Shiva Hagen, Thomas Fritsch, Sascha Draeger
Verleih: farbfilm
Länge: 75 Min., FSK: 6 J.
Kinostart: 16.4.2009

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Wir schreiben das Jahr 1869. Am Sterbebett seines Vaters, gelangt der verschmitzte Waisenknabe Bobby in den Besitz einer Schatzkarte. Demnach soll sich in Arizona das verloren geglaubte Gold des spanischen Eroberers Hernán Cortés befinden. Bobby begibt sich sofort auf die Reise. Doch auf den Schatz hat es auch der fiese Colonel Brinkley abgesehen. Um an die wertvolle Karte zu kommen, stellt er mit seiner Gaunerbande dem armen Bobby nach. Doch zum Glück eilen die Blutsbrüder Winnetou und Shatterhand sowie die süße Indianerbraut Nscho-tschi dem wackeren Knaben bei seiner Schatzsuche zu Hilfe.

 

Zwischen 2002 und 2004 spielte sich die traditionelle TV-Zeichentrickserie „WinneToons“ in die Herzen junger Westernfans. In ihrer Zielgruppe erreichte sie Marktanteile von bis zu 86 Prozent. Mit „Die Legende vom Schatz im Silbersee“ schafft die 26-teilige Reihe nun den Sprung aus dem ARD-Vormittagsprogramm auf die Kinoleinwand. An der typischen Fernsehoptik hat sich dabei kaum etwas verändert. Fürs Kino kommen die Bilder daher ein wenig bieder daher.

Neuigkeiten gibt es unterdessen hinter den Mikrofonen. So erklingen über der Kinoprärie die Stimmen des erfahrenen Rangers Christian Tramitz als Shatterhand sowie von Cosma Shiva Hagen als Winnetous Schwester Nscho-tschi. Gemeinsam zelebrieren sie ein Abenteuer, das sich nur vage an der berühmten Buchvorlage „Der Schatz im Silbersee“ von Karl May orientiert. Exakt 115 Jahre nach der Erstauflage wurde die Handlung im Hamburger Animationsstudio ASL („Der kleine Eisbär“) gewaltig modernisiert und auf ein junges Publikum abgestimmt. Dafür rücken die erwachsenen Blutsbrüder Winnetou und Shatterhand, der im Film seinen Beinamen „Old“ verliert, bereitwillig in den Hintergrund. Sie sind einzig und allein dazu da, um ihren jungen Freund Bobby in schwierigen Situationen aus der Patsche zu helfen.

Die Handlung kreist somit vornehmlich um den Waisenknaben, der sich tollkühn und tapfer in sein erstes Westernabenteuer stürzt. Ihm zur Seite steht die vorlaute Nscho-tschi, die sich keineswegs mit ihrer vorbestimmten Rolle als Apachenbraut abfinden will. Statt tatenlos in Kochtöpfen herumzurühren, möchte sie lieber eine tapfere Jägerin sein. So viel Emanzipation hat es bei Karl May noch nicht gegeben.

Daneben deuten viele süße Tiere und allerlei alberne Scherze an, dass der Trickfilm auf ein Publikum zwischen 8 und 10 Jahren zugeschnitten ist. Ältere Kinder werden sich hingegen kaum noch darüber amüsieren können, dass der böse Brinkley permanent vor einer niedlichen Ratte im Dreieck springt. Trotzdem darf nicht unerwähnt bleiben, dass „Die Legende vom Schatz im Silbersee“ einige höchst dramatische Momente enthält. So wird einem spanischen Eroberer gleich zu Beginn von einer Riesenschlange – zumindest andeutungsweise – der Kopf abgebissen. Im direkten Anschluss stirbt Bobbys Vater einen traurigen Tod. Das alles ist nichts für schwache Kinderaugen.

Doch das Leben im Wilden Westen ist nun einmal kein Zuckerschlecken. Zudem gibt es etliche Szenen, die für Auflockerung sorgen. Alles in allem ist „Die Legende vom Schatz im Silbersee“ daher ein munteres Trickfilmabenteuer mit sympathischen Helden, niedlichen Tieren und nicht allzu fiesen Bösewichten. Den jungen Zuschauer wird’s erfreuen.

Oliver Zimmermann

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