Wir sind die Besten

„Nordlichter“ heißt die Filmreihe, die ab Ende März fünf Filmperlen aus Skandinavien in deutschen Kinosälen zur Aufführung bringt. „Wir sind die Besten“ ist der schwedische Beitrag und zugleich der erste Kinofilm von Regisseur und Autor Lukas Moodysson („Lilja-4-ever“) seit dem Drama „Mammut“ von 2009. „Wir sind die Besten“ ist eine Mischung aus frecher Komödie über das Erwachsenwerden und nachdenklichen, elegischen Momenten, die um die Sorgen und Nöte von drei pubertierenden Mädchen kreisen. In der Musik und der gelebten Punk-Attitüde finden die drei Freundinnen eine Möglichkeit, ihren Ansichten und Anschauungen Ausdruck zu verleihen. Ein erfrischender Jugendfilm für die ganze Familie.

Webseite: www.nordlichter-film.de

OT: Vi är bäst
Schweden 2013
Regie: Lukas Moodysson
Drehbuch: Lukas Moodysson
Darsteller: Mira Barkhammer, Mira Grosin, Liv LeMoyne, Steve Kratz, David Dencik
Länge: 102 Minuten
Verleih: Agentur Kulturprojektor
Kinostart: 26. März 2015
 

FILMKRITIK:

Stockholm, zu Beginn der 80er: Die beiden besten Freundinnen Bobo (Mira Barkhammer) und Klara (Mira Grosin) können nicht viel mit ihrer Umwelt anfangen und ziehen lieber ihr eigenes Ding durch. Sie fühlen sich der Musik und den Einstellungen des Punkrock nahe, von denen die meisten ihrer Freunde behaupten, das Genre sei längst ausgestorben. Um ihrer Umwelt das Gegenteil zu beweisen, gründen die Beiden ihre eigene Punkband. Leider jedoch beherrscht weder Bobo das Schlagzeug, noch ist Klara in der Lage, auf der Gitarre etwas Vernünftiges zustande zu bringen. Eines Tages werden die Beiden auf die in gut situierten Verhältnissen aufgewachsene  Hedvig (Liv LeMoyne) aufmerksam, die exzellent Gitarre spielen kann. Was also liegt näher, als Hedvig für das gemeinsame Bandprojekt zu  gewinnen, schließlich will man von den Erwachsenen endlich ernst genommen werden.

In einer der witzigsten und befreiendsten Szenen des Films „schneiden“ die Beiden ihrem neuen Bandmitglied Hedvig (mehr schlecht als recht) die Haare, wobei diese Szene die Ziele der Punk-Bewegung auf den Punkt bringt: Freiheit, Autonomie, Individualität – und dabei noch möglichst viel Spaß haben. Und das sieht man ihnen auch an, vor allem der frechen Klara, die ganz stolz ihren klassischen Punker-Iro trägt. „Punk“ zu sein bedeutet für die sie Individualität, die eigene Meinung nach außen zu tragen und sich nicht der Masse anzupassen. Ihr Motto: „Punk is not dead!“. Mira Barkhammer und Mira Grosin gehen dabei in ihren Rollen auf, sie verkörpern die gegen den Strom schwimmenden jungen Mädchen mit Hingabe und großer Passion für ihre Figuren. Bei all dem Spaß und dem freudigen Herumgeklimper auf den Instrumenten gibt es aber auch immer wieder ernste und nachdenkliche Stimmungen, etwa dann, wenn sich die Protagonisten ganz „gewöhnlichen“ Themen wie Jungs und Partys widmen.

Fast sechs Jahre nach „Mammut“ kehrt der schwedische Schriftsteller und Regisseur Lukas Moodysson („Lilja-4-ever“) wieder auf die Kinoleinwand zurück. „Wir sind die Besten“ beruht auf dem Comic „Never goodnight“ seiner Frau Coco, einer Graphic Novel, die autobiografische Züge aufweist. In seinem Coming-of-Age-Wohlfühlfilm spürt Moodysson dem jugendlichen Drang nach Selbstverwirklichung und Abgrenzung von der Erwachsenen-Welt, die von Vernunft bestimmt ist, nach. Dabei hält er gekonnt die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Humor und kann auf ein Ensemble bauen, das vor Spielfreude und Begeisterung nur so strotzt. „Wir sind die Besten“ ist Teil der Filmreihe „Nordlichter“, die ab Ende März dafür sogt, dass der skandinavische Film in der deutschen Kinolandschaft mehr Beachtung erfährt.

Björn Schneider