Wir verstehen uns wunderbar

Für Freunde klassischer Screwball-Komödien liegt Romantik in der Luft. Nach 30 Jahren der Trennung führt das Schicksal ein einstiges Liebes- und Filmbusinesstraumpaar wieder zusammen. Bis die beiden Frieden schließen, fliegen jedoch ordentlich die Fetzen, vor allem verbaler Natur. Die bessere Figur macht in dieser in London spielenden französischen Produktion Charlotte Rampling vor Jean Rochefort.

Webseite: www.movienetfilm.de

OT: Désaccord parfait
Frankreich 2006
Regie: Antoine de Caunes
Darsteller: Charlotte Rampling, Jean Rochefort, Isabelle Nanty, Ian Richardson, James Thiérrée, Simon Kunz
92 Minuten
Verleih: Movienet Film
Kinostart am 3.1.08

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Es gibt durchaus Gründe, warum Alice d’Abanville (Charlotte Rampling) ihren in den wilden Sechziger- und Siebzigerjahren geliebten Film- und Lebenspartner niemals vergessen wird. Persönlich aber verachtet die – so wird es suggeriert – Oscar-Gewinnerin von 1974 ihren damaligen Regisseur Louis Ruinard. Als der nach London kommt, um dort einen Preis für sein Lebenswerk entgegen zu nehmen, begegnet sie ihm kühl und abweisend, ja geradezu verächtlich. Nachdem Ruinard einen Schwächeanfall erleidet (besser: ihn vortäuscht), lädt ihr Mann (Ian Richardson) den Franzosen auf den gemeinsamen Landsitz ein. Durch die erzwungene Nähe beginnt die langsame Annäherung und Aufarbeitung der gut 30-jährigen Trennung.

Unter der Prämisse von „was sich liebt, das neckt sich“ lässt sich das Verhältnis der beiden Hauptfiguren gut zusammenfassen. Durch die Inszenierungsform einer Screwball-Comedy klammert sich Regisseur Antoine de Caunes dem Spielort gemäß an britischen Humor und genießt es, Ruinard immer wieder wie einen Trottel hinzustellen, während Rampling jene ist, die sich mit Sarkasmus und Gefühlshärte abzugrenzen versucht. Er aber gibt nicht auf und erträgt die Demütigungen, steht ihr aber hinsichtlich von Bissigkeit in nichts nach.

Wie seine beiden Figuren, die de Caunes eingangs auf zahlreichen Schwarz-Fotografien als das damals glamouröse Traumpaar zeigt, sich gegenseitig vor den Kopf stoßen, kann man sich auch als Zuschauer fühlen. Der zur Belustigung und Auflockerung dieser im Grunde verkrampften Situation herangezogene Humor entpuppt sich immer wieder als wenig charmant und unausgegoren. Manches mag da als burleske Situationskomik durchgehen, wirkt häufig aber erzwungen (gut möglich, dass durch die deutsche Synchronfassung einiges vom versprochenen Charme verloren ging). Viagra naschende Bulldoggen mit Verdauungsstörungen entsprechen jedenfalls nicht unbedingt dem Niveau, das man sich von einem Film mit Charlotte Rampling verspricht.

Was die schauspielerische Leistung betrifft, so ist auf alle Fälle Charlotte Rampling die stärkere Performance zu bescheinigen. Wie ihr Gefühlsausdruck im Angesicht von Louis’ Avancen zwischen Lächeln und Traurigkeit wechselt, wie sie ihn während der Preisverleihung kalt auflaufen lässt und sich später zufrieden an seine Schulter lehnt, das strahlt Souveränität aus. Nicht zuletzt mag ja auch jenes kleine Geheimnis, hinter das er erst während eines turbulenten Dinners bei einem begriffsstutzigen Aktionär kommt, ausschlaggebend für ihre Dominanz – und die Einwilligung auf die finale Versöhnung sein.

Thomas Volkmann