Yves Saint Laurent

Er liebte das Schöne, alles Andere war Nebensache. Yves Sanit Laurent, legendärer französischer Modedesigner – ihm setzt Jalil Lespert in seinem gleichnamigen Film ein Denkmal. Nicht unkritisch, aber vor allem von großer Verehrung für Leben und Werk Laurents getragen gelingt Lespert nicht zuletzt dank der beiden herausragenden Hauptdarsteller ein sehr atmosphärischer Film.

Webseite: www.24bilder.net

Frankreich 2013
Regie: Jalil Lespert
Buch: Marie-Pierre Huster, Jalil Lespert, Jacques Fieschi
Darsteller: Pierre Niney, Gulliaume Gallienne, Charlotte Le Bon, Laura Smet, Marie De Villepin, Nicolai Kinski
Länge: 101 Minuten
Verleih: Universum/Squareone, Vertrieb: 24 Bilder 
Kinostart: 17. April 2014
 

PRESSESTIMMEN:

"Für Mode-Fans ist dieser Film ein Muss: In stylisch-schönen Bildern erzählt er Leben und Wirken des scheuen Modedesigners Yves Saint Laurent."
Brigitte

FILMKRITIK:

Neben Chanel und Dior ist Yves Saint Laurent wohl der bekannteste Modedesigner des 20. Jahrhunderts, und im Hause Dior begann auch seine Karriere. Geboren 1936 im algerischen Oran, das damals noch französische Kolonie war, wurde Laurents großes Talent schon früh entdeckt: Mit gerade einmal 21 Jahren wurde er nach dem Tod Diors zum Chefdesigner des berühmten Modehauses, wo er allerdings nicht lange blieb: Nach einem psychotischen Anfall bei seiner Musterung wurde Laurent entlassen und gründete mit der Abfindung sein eigenes Label.

Stets an seiner Seite: Der Geschäftsmann Pierre Bergé, der Laurents langjähriger Lebensgefährte wurde. Aus seiner Perspektive erzählt der Film das Leben Laurents, in loser Abfolge von Sequenzen, die die wichtigsten Stationen von Laurents Leben nachzeichnen. Der üblichen Gefahr eines biographischen Films, allzu sehr Stückwerk zu werden, versucht „Yves Saint Laurent“ dadurch zu entgehen, die schwierige Beziehung zwischen Laurent (Pierre Niney) und Bergé (Gulliaume Gallienne) in den Mittelpunkt zu stellen.

Immer wieder wird Bergé als der Kontrolliertere beschrieben, als eine Art rationaler Gegenpol zum künstlerischen, aber auch exzessiveren Laurent, der seit seinem Aufenthalt in der Psychiatrie drogensüchtig ist. Während Bergé versucht, Laurent zu beschützen, sieht sich dieser bevormundet, eingesperrt, in seiner Freiheit beraubt und flüchtet sich in Affären.

Doch die mögliche Tragik dieser langjährigen Liebesgeschichte, die viele Höhen und Tiefen durchlebte, wird nur angedeutet und immer wieder vom Fluss der Ereignisse überrollt. Denn im Mittelpunkt des Films steht natürlich vor allem Laurent und seine Mode: wichtige, revolutionäre Entwürfe wie der Smoking für Frauen und vor allem die legendäre Mondrian-Kollektion werden gezeigt, Einflüsse aus Kunstgeschichte und zeitgenössischer Popkultur angedeutet.

Eine gewisse Oberflächlichkeit kann Lespert nicht vermeiden, wenn er hier mal Andy Warhol durchs Bild laufen lässt, da Karl Lagerfeld (gespielt von Nikolai Kinski), von Modenschau zu Party zu Urlaub in Marokko springt. Dass sind die Fallstricke eines biographischen Films, der mehrere Jahrzehnte umspannen will und dabei kein wichtiges Ereignis auslässt. Zusammengehalten wird das zum einen durch schwelgerische Ausstattung und Kostüme, die an Schauplätzen zwischen Paris und Nordafrika, zwischen Salons und mondänen Wohnungen viel vom Lebensgefühl der Zeit vermitteln, vor allem aber vom Verlangen, sich mit schönen Dingen zu umgeben, das Laurent sein Leben lang antrieb.

Zum anderen sind es die beiden Hauptdarsteller Pierre Niney und Gulliaume Gallienne, die ihren Rollen trotz der oft nur kurzen Szenen, der etwas abgehakten Dramaturgie viel Leben verleihen und die Liebe nachvollziehbar machen, die das Paar Laurent/ Bergé trotz aller Schwierigkeiten über Jahrzehnte zusammenhielt.
 
Michael Meyns