Zack and Miri make a Porno

Kevin Smith, zusammen mit Judd Apatow Spezialist für sympathische Slacker-Typen, unterwandert in „Zack and Miri make a Porno“ das Erscheinungsbild einer klassischen Romantic Comedy – allerdings nur auf den ersten Blick. Denn hinter derben Zoten und verbalen Entgleisungen verbirgt sich eine charmante Liebesgeschichte, die sich mit zunehmender Laufzeit immer offensichtlicher an Hollywood-Standards anlehnt.

Webseite: www.senator.de

USA 2008
Regie & Drehbuch: Kevin Smith
Darsteller: Seth Rogen, Elizabeth Banks, Craig Robinson, Jason Mewes, Katie Morgan, Traci Lords, Jeff Anderson
Laufzeit ca. 98 Minuten
Kinostart neu: 13.8.2009
Verleih: Senator

 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Schon Harry und Sally wussten, dass Männer und Frauen einfach keine Freunde sein können. Und dennoch versuchen es manche immer wieder, in dem (Irr-)Glauben, sie seien die große Ausnahme von dieser Regel. Zack (Seth Rogen) und Miriam (Elizabeth Banks) waren einst Sandkastenfreunde. Inzwischen leben beide zusammen in einer Art WG, wobei sie in ihrem Alltag längst die Verhaltensweisen eines alten Ehepaares zu imitieren scheinen. Jeder kennt den anderen in- und auswendig. Zumindest glauben sie das. Denn in Wahrheit sind beide unsterblich ineinander verliebt. Bis sie sich ihre Gefühle allerdings eingestehen, ist es noch ein langer Weg. Für den Zuschauer von Kevin Smiths nur verbal expliziter Komödie „Zack and Miri make Porno“ liegen knapp 90 Minuten dazwischen. Erst dann kommt es zum finalen, von Beginn an vorgezeichneten Liebesschwur zwischen Zack und Miriam.

Der Film verdankt seinen auffallenden Titel einer eher spontanen Geschäftsidee. Aus der Not heraus – Zack und Miriam sind wieder einmal pleite – beschließen die Freunde, einen Amateur-Porno zu drehen. Getreu dem Motto „Andere Menschen haben Möglichkeiten und Würde. Wir besitzen weder das eine noch das andere!“ stürzen sie sich in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Ihnen zur Seite steht dabei ein illustres Team von Freunden, gecasteten Möchtegern-Porno-Stars und nicht minder ahnungslosen Amateur-Darstellern.

Bekannt geworden durch Independent-Hits wie „Clerks – Die Ladenhüter“ und „Dogma“ bleibt Regisseur und Autor Kevin Smith seinem Erfolgsrezept aus zotigen Sprüchen, derbem Jungs-Humor und sympathisch-schrägen Charakteren auch dieses Mal treu. Dabei sollte man sich jedoch nicht von der inflationären Verwendung eines ganz bestimmten F-Wortes und anderer Anzüglichkeiten blenden lassen. Im Grunde ist sein Ausflug in die Welt silikoner Oberweiten und schweißtreibender Money Shots weit weniger frech, als es zunächst den Anschein hat. Vielmehr versteckt Smith wie sein Kollege Judd Apatow nur zu gerne klassische Liebesgeschichten in mitunter etwas zu pubertäre Slacker-Szenarios. Wie zum Beweis für die enge Verwandtschaft der beiden Filmemacher stand Apatow-Weggefährte Seth Rogen bei diesem Projekt erstmals für Smith vor der Kamera. Mehr noch: Seine Rolle unterscheidet sich kaum von den liebenswerten Loser-Typen, die er bereits in den Apatow-Produktionen „Beim ersten Mal“ und „Ananas Express“ verkörperte.

Typisch Smith sind wiederum die zahlreichen popkulturellen Referenzen und Anspielungen, die wie die zunächst angedachte Porno-Variante einer berühmten Weltraum-Saga (Arbeitstitel: „Star Whores“) als zielgruppengerechter Humor funktionieren. Dass Smith an seinen Kollegen Apatow dennoch nicht heranreicht, liegt in erster Linie an dem äußerst dünnen Konzept seines Films und den im direkten Vergleich weitaus einfacher gestrickten Charakteren. Zack und Miriam sind letztlich nicht viel mehr als ein süßes Paar, das über mehr oder weniger peinliche Verwicklungen zueinander findet. Smiths Vorstellungen hinsichtlich der perfekten Beziehung, in der die Partner keinen Sex haben sondern „Liebe machen“ wie Zack bemerkt, ähneln überdies dem postulierten Ideal der gängigen Hollywood-Romanze. Es mag daher auch kaum überraschen, wenn hinter der Fassade aus schlüpfrigen Zweideutigkeiten und verbalen Entgleisungen eine brave, berechenbare romantische Komödie zum Vorschein kommt.

Marcus Wessel

Zack und Miri sind befreundet, kein Liebespaar. Sie teilen sich zwar die Wohnung, sonst jedoch nichts. Eines allerdings haben sie gemeinsam: Geldsorgen. Das geht soweit, dass ihnen sogar Wasser und Strom abgestellt wird. Die unbezahlten Rechnungen haben schon einen beträchtlichen Umfang angenommen.

Auf einem Studententreff begegnen sie Brandon, der Pornos mit Männern dreht. Da kommt ihnen die Idee, dass sie, natürlich rein beruflich und rein sachlich, mit Internet-Pornos ihre Finanzen aufbessern könnten.

Alles wird vorbereitet, Freunde und ein paar professionelle Sex-Darsteller zugezogen. Die Café-Bar, in der Zack jobbt, wird nachts zum Studio umfunktioniert. Wer treibt nun mit wem, wie und wann Sex? Lester mit Traci oder Traci mit Zack oder Lester mit Miri oder Miri mit Zack?

Was als pures Business beabsichtigt war, wird kompliziert, weil Miri auf Zack eifersüchtig wird und umgekehrt. Sollten es die beiden noch nicht begriffen haben, die übrigen Beteiligten wissen es längst: Zack und Miri lieben sich. Vor dem Happy End kommt es aber noch zur obligaten Trennung.

Kevin Smith hat seinerzeit mit „Clerks“ seinen eigenen Ton angeschlagen, den er beibehalten hat – auch hier. Die Dialogpointen purzeln nur so, allerdings sind sie nicht von der ganz feinen Art. „Fuck“ ist in diesem Film das meistgebrauchte Wort.

Die Ausgangsidee ist originell, und es gibt in der Filmhandlung manche witzige Szene und Wendung. Zwangsläufig thematisch bedingt auch ein wenig schlüpfrig und pornohaft, aber in stärkerem Maße doch ironisch, komisch und irrwitzig. Smith selbst dazu: „Das Ganze ist ein Spaß, ein bisschen albern, ein bisschen schmutzig, aber mit reinem Herzen.“ Richtig.

Nicht jedem allerdings werden die gebotenen Respektlosigkeiten und Geschmacklosigkeiten à la Kevin Smith gefallen.

Eines aber übertrumpft alles: wie Seth Rogen, keine Schönheit, jedoch als Zack der jeweiligen Situation und Stimmung gemäß perfekt agierend, sowie Elizabeth Banks als Miri, hoch talentiert und reizend, das spielen. Ein Genuss.

Thomas Engel