Zazy

Geradezu eine Hassliebe führt der deutsche Film mit dem Genrekino, dessen Qualitäten zwar immer wieder als Vorbild hingestellt werden, aber nur selten überzeugenden Einzug in die heimische Filmproduktion finden. Mit „Zazy“ versucht sich nun Matthias X. Oberg am Genre, zitiert Elemente von Psychothriller und Film Noir, scheint dem Braten aber oft nicht zu trauen und setzt sich dadurch immer wieder unbefriedigend zwischen die Stühle.

Webseite: www.realfictionfilme.de

Deutschland 2016
Regie, Buch: Matthias X. Oberg
Darsteller: Ruby O. Fee, Paul Boche, Petra Hultgren, Philippe Brenninkmeyer, Olivia Burkhart, Claudio Caiolo
Länge: 98 Minuten
Verleih: RealFiction
Kinostart: 30. März 2017

FILMKRITIK:

Zazy (Ruby O. Fee) ist jung, sexy, unbeschwert und unmotiviert. Eigentlich würde sie nichts lieber tun, als mit ihrem Freund Tomek (Paul Boche) im Bett zu liegen und Sex zu haben, doch die Pflichten des Lebens nötigen sie dazu, eine Ausbildung zur Schneiderin zu machen. Als ihr Chef eines Tages bei einem Ausflug mit der schönen Marianna (Petra Hultgren) tödlich verunglückt, ergreift Zazy ihre Chance: Als Dank für ihr Stillschweigen soll Marianna ihr einen Job besorgen, doch die Arbeit auf einem Pferdehof ist nur ein winziger sozialer Aufstieg.
 
Bald umgarnt Zazy Mariannas Mann Maximilian Berg (Philippe Brenninkmeyer), einen bekannten TV-Moderator, der sich von Zazys offensiv zur Schau gestellter Erotik leicht um den Finger wickeln lässt. Bald hat Zazy die Chance auf eine eigene Fernsehsendung, lebt in einem schmucken Appartement über den Dächern von Köln und scheint am Ziel ihrer Träume zu sein. Doch die Folgen ihres Ehrgeizes beginnen sie einzuholen.
 
Was als beschauliches Teenie-Abenteuer beginnt, entwickelt sich bald zum veritablen Psychothriller, zumindest in Momenten. Was er mit seinem ersten Spielfilm seit dem auch schon 12 Jahre alten „Stratosphere Girl“ genau erzählen will, lässt Matthias X. Oberg oft im unklaren. Mal überwiegen Thriller-Momente, dann wirkt „Zazy“ wie ein typisches deutsches Drama, dann wieder überwiegen satirische Momente. Gerade wenn sich die Geschichte zunehmend ins Fernsehmilieu verlagert, die Eitelkeiten des Gewerbes überdeutlich herausgestellt werden, überzeugt „Zazy“ als Dekonstruktion der Oberflächlichkeiten.
 
Auch an eine moderne Version von „Alles über Eva“ mag man immer wieder denken, mit einer besonders skrupellosen Hauptfigur, die vor nichts zurückschreckt, um aufzusteigen. Dass diese Geschichte, trotz ihres oft allzu unbestimmten Tonfalls, nicht auseinander fällt, liegt an Hauptdarstellerin Ruby O. Fee, die sich langsam zur beliebtesten Femme Fatale des deutschen Kinos entwickelt. Selbst in frühen Rollen in den Kinderfilmen „Bibi & Tina“ konnte sie schon mit viel Bösartigkeit überzeugen, inzwischen wird sie in Filmen wie „Rockabilly Requiem“ oder eben „Zazy“ als laszive, geheimnisvolle Nymphe besetzt. Ein Grund dafür ist fraglos, dass Fee augenscheinlich keine Scheu davor hat, weite Teile eines Films nackt zu bestreiten, doch sie ist mehr als eine schöne Hülle.
 
Wirkt Zazy anfangs noch wie ein junges, naives Mädchen, das sich hinter ihrem Schmollmund verstärkt, entwickelt sie sich bald zur manipulativen Schlange, die eiskalt ihre Schönheit einsetzt, um ihre Ziele zu erreichen. Keine geringe Leistung, diesen Wandel überzeugend darzustellen und dabei bei allem Zynismus immer noch eine Spur von Bedauern über das angerichtete Chaos anzudeuten. Schade nur, dass der Ruby O. Fee umgebende Film nicht ganz so überzeugend ist wie seine Hauptdarstellerin.
 
Michael Meyns