Zen for Nothing

Auf der Suche nach Antworten begibt sich die Schweizer Schauspielerin Sabine Timoteo in ein abgelegenes Zen-Kloster in Japan, immer dabei: Werner Penzel und seine Kamera. Das Ergebnis ist der Dokumentarfilm "Zen for Nothing", der keine Einführung in die vielfältige Welt des Zen-Buddhismus ist, sondern das Porträt eines sehr speziellen Zen-Klosters.

Webseite: www.zorrofilm.de

Deutschland/ Schweiz 2015 – Dokumentation
Regie: Werner Penzel
Länge: 100 Minuten
Verleih: Zorro Film
Kinostart: 2. Juni 2016
 

FILMKRITIK:

An der japanischen Westküste, fernab der hektischen Großstädte der Industrienation, liegt das Zen-Kloster Antaiji. Geprägt ist das Kloster von den Lehren des Zen-Meisters Kodo Sawaki, der unter anderem ein unabhängiges Leben predigte, fernab der Zwänge der Zivilisation. Für die Gegenwart bedeutet dies, dass die Bewohner des Klosters darum bemüht sind, sich selbst zu versorgen: Der Tagesablauf besteht aus Reisanbau, Holz hacken, Gemüsegarten pflegen und anderen Tätigkeiten.

In diese Welt taucht nun für gut ein halbes Jahr die Schweizer Schauspielerin Sabine Timoteo ein. Was sie zu dieser Auszeit von ihrem Leben mit Mann und zwei Kindern bewegt hat, bleibt leider offen, ebenso die Frage, warum sie überhaupt in dem Kloster aufgenommen wurde, dass ansonsten von seinen Kandidaten erwartet, sich mindestens drei Jahre dem Studium der buddhistischen Lehren zu widmen. Ein wenig mutet Werner Penzels Filmprojekt "Zen for Nothing" somit wie ein Werbefilm für das Kloster an, das allerdings mit seinen zahlreichen Bewohnern aus dem In- und Ausland offenbar keine Nachwuchssorgen hat.

Geleitet wird das Kloster seit einigen Jahren von einem Berliner: Abt Muho Nölke führt die Geschicke, die neben der selbstständigen Essensversorgung auch aus der so genannten Zazen-Sitzmeditation besteht, bei der in möglichst aufrechter Haltung, die alles andere als bequem wirkt, meditiert wird. Viel Zeit verbringt Penzel damit, den Alltag im Kloster zu beobachten, den er in ruhigen Aufnahmen einfängt. Ein wenig erinnert "Zen for Nothing" hier an Philip Grönings "Die große Stille", ohne jedoch dessen Dichte zu erreichen.

Was auch an einer gewissen Unentschlossenheit im Ansatz liegt. Mal wirkt der Film wie eine Dokumentation über Sabine Timoteo, ohne das man der Schauspielerin und ihrer möglichen Sinnsuche im Zen-Kloster jedoch wirklich nahe kommt, mal wie eine Einführung in die Gedankenwelt Kodo Sawakis. Immer wieder werden Sinnsprüche des Zen-Meisters eingeblendet, die einen vagen Einblick in seine Philosophie geben, aus der sich auch der Titel des Films erklärt: Nicht zu einem bestimmten Zweck leben, sondern für Nichts, was nicht etwa nihilistisch zu verstehen ist, sondern als Versuch, im Hier und Jetzt, im Einklang mit sich und der Welt zu leben.

Ob man dazu unbedingt ans andere Ende der Welt fahren muss, bleibt wie so viele Fragen in Penzels Film offen. Was man am Ende von "Zen for Nothing" mitnimmt, wenn man zusammen mit Timoteo das Kloster verlässt, ist ein bisweilen interessanter Einblick in den Alltag eines sehr speziellen Zen-Klosters, dessen besondere Philosophie leider nur in Ansätzen deutlich wird.
 
Michael Meyns