Zimmer 1408

Ein Autor von Sachbüchern über Spukhäuser verbringt gegen jede Warnung eine Nacht im Zimmer 1408 des New Yorker Dolphin Hotels. Eine Nacht, die dem Zyniker das Fürchten lehrt. Nach der Kurzgeschichte von Stephen King ist unter der Regie von Mikael Håfström („Evil“, „Entgleist“) ein anspruchsvoller und durchaus intelligenter Gruselstreifen entstanden, der ohne plumpe Effekthascherei und aufdringliche Foltergewalt auskommt.

Webseite: www.1408.senator.de

USA 2007
Originaltitel: 1408
Regie: Mikael Håfström
Darsteller: John Cusack, Samuel L. Jackson, Mary McCormack, Jasmine Jessica Anthony, Tony Shalhoub, Noah Lee Margetts, William Armstrong, Paul Kasey, Len Cariou, Paul Birchard
94 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 13.09.2007

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Mike Enslin ist Zyniker aus Überzeugung. Ein Wesenszug, den seine Autorentätigkeit mitbringt und der ihn für gewöhnlich ein sichereres Auftreten bei seinen Recherchen verleiht. Als Verfasser zweitklassiger Sachbücher über Spukhäuser und verfluchter Friedhöfe hat er sich einen ebenso zweitklassigen Namen gemacht. Und selbst wenn er, seit dem viel zu frühen Tod seiner Tochter, allzu gerne an Geister und ein Leben nach dem Tod glauben möchte, hat ihn seine bisherige Arbeit doch gelehrt, dass die Existenz paranormaler Phänomene eher fragwürdig ist. So hat er bereits in zahlreichen Hotelzimmern und Pensionen übernachtet, das jeweilige „Objekt des Grauens“ streng wissenschaftlich untersucht und die – mal mehr und mal weniger – beklemmende Atmosphäre vor Ort auf sich wirken lassen. Einen Geist jedoch, hat er freilich noch nie gesehen. Doch das soll sich nun ändern.

 

In seinem Postfach findet Mike eine Karte, die das Dolphin Hotel in New York abbildet. Auf der Rückseite steht lediglich ein Satz: „Betreten Sie nicht Zimmer 1408“. Ein Satz, der seine Wirkung nicht verfehlt. Die Neugier des Schriftstellers ist geweckt. Und die Tatsache, dass das letzte Kapitel seines neuen Buches noch mit Inhalt zu füllen ist, schreit nach einem sofortigen Aufbruch. Selbstverständlich geht Mike davon aus, dass es auch an diesem ach so geheimnisvollen Ort nicht wirklich spukt. Wenngleich seine Vorrecherche ergeben hat, dass bereits etliche Todesfälle mit dem Etablissement in Verbindung stehen. Zuzüglich der als „natürliche Todesursache“ geführten Fälle, bestätigt dann auch der Hotelmanager Olin, dass bereits 56 Gäste das Zimmer nicht mehr lebend verlassen haben. 56 Gründe also, keinen weiteren Gast mehr in 1408 übernachten zu lassen. Es sei denn, ein Hotelbesucher lässt sich partout nicht davon abbringen und beharrt auf sein Recht, eben diese Unterkunft zu buchen. Und so betritt Mike Enslin das Zimmer 1408, um einmal mehr den angeblichen Spuk als Hirngespinst zu entlarven. Ein Vorhaben, das ihm in dieser Nacht nicht gelingen will.

Der auf Gruselgeschichten abonnierte Kultautor Stephen King schrieb die Originalvorlage zu „Zimmer 1408“ – eine Kurzgeschichte aus der Sammlung „Im Kabinett des Todes“. Zahllose Romane und Geschichten Kings wurden bereits für das Kino adaptiert. Dabei sind einige Meisterwerke des Genres entstanden („Shining“, „Misery“, „The Green Mile“) und wahrscheinlich ebenso viel Trash. „Zimmer 1408“ zählt eindeutig zu den besseren Verfilmungen eines King-Stoffes. Kein Meisterwerk, vielmehr solides Horrorkino, das jedoch vollkommen ohne billige Splattereffekte auskommt. Allein dadurch hebt sich Mikael Håfströms („Evil“, „Entgleist“) Film in angenehmer Weise von dem genregängigen Schund ab, der durch plumpe Effekthascherei und aufdringliche Foltergewalt um die Gunst der Kinobesucher buhlt. Ein anspruchsvoller und durchaus intelligenter Gruselstreifen, dem es gelingt, die langsam aufgebaute Spannung zu halten und überdies die Phantasie des Zuschauers anzuregen.

Die vorhandene Kurzgeschichte wurde für das Kino natürlich ein wenig aufgemotzt. Dabei sind ein paar neue Versatzstücke in die Handlung eingeflossen, die diese jedoch weiter verdichten. Hinter der Kamera hat die Crew einen Look geformt, der sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen kann. Vor der Kamera überzeugt Hauptdarsteller John Cusack, der hier alle Facetten seines Könnens abruft. Und wenngleich ihm die Rolle des zynischen Schriftstellers sichtlich mehr liegt, als die des gepeinigten Hotelbesuchers, gelingt es ihm allemal den Film über seine gesamte Länge zu tragen. An seiner Seite glänzt Samuel L. Jackson in einer leider viel zu kurz geratenen Nebenrolle.

Gary Rohweder

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Mike Enslin ist Schriftsteller. Horrorschriftsteller. Die Schauplätze seiner Romane sind Häuser, in denen es spukt, Hotels, in denen sich Geistergeschichten abspielen, Plätze, an denen der Tod gehaust hat. Er hält sich derzeit in Los Angeles auf und bekommt auf einer anonymen Postkarte mitgeteilt, dass er niemals das Zimmer 1408 im Dolphin-Hotel zu New York betreten soll.

Natürlich will Enslin genau das Gegenteil. Der Manager des Dolphin möchte ihn unter allen Umständen davon abhalten, denn tatsächlich sind im Zimmer 1408 schon über 50 Menschen gestorben, etwa ein Dutzend davon durch Selbstmord oder auf gewaltsame Weise. Enslin lässt sich nicht umstimmen.

In New York hat Mike früher gelebt – mit seiner Frau Lilly und dem Töchterchen Katie. Letztere lebt nicht mehr. Nicht zuletzt daran ist die Ehe zerbrochen.

Zunächst wirkt der Raum 1408 in dem 100jährigen Bau völlig normal. Dann allerdings stellen sich ganz ungewöhnliche Dinge ein (schließlich beruht der Film auf einer Geschichte von Stephen King): Die Tür ist plötzlich verschlossen, der Schlüssel abgebrochen; Radio, Klimaanlage und Sprinklersystem geraten außer Rand und Band; eine Fluchtmöglichkeit durch das Fenster im 14. Stock endet im Nichts; die Wände brechen, aus ihnen tritt Blut hervor; Überschwemmungen setzen ein, denen Enslin rasch zum Opfer fallen könnte; jetzt schlägt Mike alles kurz und klein; er ruft Lilly über das Laptop, doch der Chat wird unterbrochen, und ob Hilfe naht, bleibt ungewiss; dann wird alles zu Schnee und Eis; und die tote Katie erscheint ihrem Vater.

Halluzination, Phantasie, Geheimnis, Traum oder auch ein Teil Wirklichkeit? Ein mixtum compositum. Mit logischer Dramaturgie lässt es sich nicht ergründen. Doch das ist Absicht. Gefühl, Schrecken, Spannung, Einbildung, virtuelle Spielerei, all das sollte zu einem kräftigen Unterhaltungsstoff zusammengerührt werden. Genau das ist geschehen und je nach Geschmack geglückt. Es gibt genügend Publikum, das an mysteriösem und pseudodramatischem Filmgeschehen seinen Thrill befriedigt oder ganz einfach sein Vergnügen hat.

Erstaunlich, dass der Film fast durchgehend von einer einzigen Person getragen wird: von John Cusack nämlich, der den Schriftsteller spielt. Es ist schon eine Leistung, diese ganzen Gefühlsregungen, diese Angstvisionen, diese körperlichen Anstrengungen, dieses Sich-Wiederfinden und dann die neuerlichen Aufregungen und Stürme derart konsequent und überzeugend durchzuspielen. (Man hatte von Cusack einige Zeit nichts gehört, doch jetzt ist er wieder voll da.) Den elegant agierenden Dolphin-Manager mimt Samuel L. Jackson, die zuerst verlassene und verzweifelte Lilly ist Mary McCormack.

Ein Stephen-King-Stoff um einen unheimliche Spukgeschichten auslotenden Schriftsteller ist hier zu einem hochdramatischen, aber rein spielerischen und frei phantasierenden Horrorgeschehnis verarbeitet. Für Liebhaber.

Thomas Engel