Zwei an einem Tag

Emma, ein schöner Schwan im Gewand einer grauen Maus, und der lebenslustige Beau Dexter kommen am Tag ihrer Abschlussfeier an der Uni in Edinburgh zusammen. Auch wenn die gemeinsam verbrachte Nacht des 15. Julis 1988 anders verläuft, als geplant, erwächst aus der Begegnung des verhinderten Traumpaares eine innige Freundschaft. Über zwanzig Jahre begleitet die Geschichte die beiden unterschiedlichen Charaktere auf ihrem Weg durchs Leben, in dem immer wieder am 15. Juli Station gemacht wird. Mit seiner anrührenden und amüsanten Chronik einer Liebesgeschichte voller Hindernisse hat der britische Autor David Nichols den Nerv von Millionen vor allem weiblicher Leser getroffen. Die dänische Regisseurin Lone Scherfig („An Education“, „Italienisch für Anfänger“) sorgt stil- und geschmackssicher dafür, dass die Lesererwartungen nicht enttäuscht werden.

Webseite: www.zweianeinemtag.de

OT: One Day
USA 2011
Regie: Lone Scherfig
Drehbuch: David Nichols
Darsteller: Anne Hathaway, Jim Sturges, Patricia Clarkson, Ken Stott, Romola Garal
Laufzeit: 107 Minuten
Kinostart: 3.11.2011
Verleih: Tobis

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Edingburgh, 15. Juli 1988. Am Ende einer feucht-fröhlichen Abschlussfeier von Uni-Absolventen bleiben Emma Morley und Dexter Maythew am frühen Morgen alleine zurück. Em, die schon immer ein Auge auf den begehrten Kommilitonen Dex geworfen hatte, packt die Gelegenheit beim Schopf und nimmt ihn mit zu sich nach Hause. Die Nacht verläuft zwar anders als geplant – statt Sex gibt es lange Gespräche -, aber aus dieser ersten keusch-romantischen Begegnung erwächst eine tiefe Freundschaft. Deren Verlauf verfolgt der Film über die nächsten zwanzig Jahre. Immer wieder wird am 15. Juli Station gemacht. Mal geschieht das wie bei einem Jahrestreffen, in dem über die vergangene Zeit resümiert wird, dann wieder steht das Geschehen an diesem einen Tag für die neuen Entwicklungen, die beide Protagonisten durchlaufen haben.

Die fallen bei den beiden Freunden höchst unterschiedlich aus. Dex, der Junge aus reichem Hause, genießt als TV-Moderater einer simpel gestrickten Unterhaltungsshow im Londoner Jetset mit wechselnden Frauen und wachsendem Drogenkonsum das scheinbar unbeschwerte Yuppi-Leben. Em hat für solche hedonistischen Höhenflüge nichts übrig. Aus einfachen Mittelklasse-Verhältnissen stammend, ist sie gewohnt, für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten. Dabei bleibt sie allerdings mit beiden Beinen so sehr auf dem Boden, dass sie vergisst, ihre Träume zu verwirklichen. Talent zum Schreiben hat sie reichlich, doch weil ihr Selbstverständnis ihrem Selbstbewusstsein im Wege steht, verbringt sie die ersten Jahre nach dem Studium als Servierkraft in einem Fastfood-Restaurant. Ein 15 Juli später kommt es während eines gemeinsamen Urlaubes in Frankreich beinahe doch noch zum ersten Mal. Bis Dex mitten im heißen Flirt sich als hoffnungsloser Frauenheld outet und Em, die etwas anders sucht als flüchtigen Sex, einen Rückzieher macht. Selbst der loyalen Em fällt es langsam schwer, darüber hinweg zu sehen, dass das Leben aus ihrem Seelenpartner einen ziemlichen charakterlosen Dandy gemacht hat.

So wird aus der Chronik mit der Zeit eine Variante des romantischen Themas „Die Schöne und das Biest“. Nur dass in diesem Falle die schöne und herzensgute Maid zumindest von ihrem charakterschwachen Gegenüber ein wenig von dessen Leichtigkeit abguckt. Bis sich dann beide, nach der Katharsis des Mannes und der Selbstverwirklichung der Frau, auf Augenhöhe treffen, vergehen noch ein paar Jahre.

Erzählt wird die Chronik im beschwingten Stile einer Rom-Com-Komödie mit illustren Schauplätzen und stimmungsvollen Songs. Dabei gelingt es dem Drehbuchautor David Nichols, selbst die bitterste Medizin in süffisanten komischen Dialog-Dosierungen zu verabreichen. Dass die bittersüßen Episoden trotz der narrativen Zeitraffer sich zu einem gelungenen Ganzen fügen, liegt auch an dem stringenten Spiel der beiden Hauptdarsteller. Jim Sturges und Anne Hathaway haben zwar nur bedingt das Zeug zum Traumpaar, aber sie sind in der Lage, die Wesenszüge und Wandlungen ihrer Figuren jederzeit nachvollziehbar zu machen. Das macht den Film vielleicht nicht zu einem so tiefgründigen Meisterwerk, wie es Lone Scherfigs letzter Film „An Education“ war, hebt ihn aber allemal heraus aus der Masse der gängigen Rom-Coms aus Hollywood.

Norbert Raffelsiefen

Es ist der 15.Juli. Eine College-Abschluss-Party, es geht bunt zu. Danach strömen alle fort. Emma und Dexter bleiben übrig. Emma ist bebrillt, auf Anhieb scheint sie nicht so besonders attraktiv. Anders Dexter.

Die beiden verbringen mehr oder minder aus Verlegenheit den Rest der Nacht gemeinsam. Aber nur Beinahe-Sex. Gelegentlich will man sich wieder treffen.

Emma Morley studiert. Sie ist fleißig. Aushilfsweise arbeitet sie in einem billigen Imbiss als Serviererin. Von Ian wird sie angehimmelt.

Dexter Mayhew ist aus anderem Holz. Er arbeitet als Moderator in einer billigen Fernsehschau mit halbnackten Mädchen und lärmiger Musik. Eine nach der anderen schleppt er ab. Das gehöre zu seinem Lebensinhalt, verkündet er. Seine sterbenskranke Mutter – kurz aber sehr gut Patricia Clarkson – kann damit nichts anfangen, auch sein Vater (Ken Stott) nicht.

Die im Laufe der Zeit sehr attraktiv gewordene Emma steigt auf. Am Ende ist sie eine erfolgreiche Kinderbuchautorin. Sie hat Ian geheiratet und ist sogar Mutter. Aber sie liebt ihren Mann nicht.

Dexter hat seinen TV-Job verloren – zu alt mit etwas über 30! Er ist arbeitslos, sinkt allmählich tief. Der Alkohol und die Drogen helfen dabei.

Periodisch begegnen sich Emma und Dexter – oft am 15. Juli wie einst. So geht das von den 80er Jahren bis über 2000 hinaus. Immer wieder. Auch Dexter war kurz mit Sylvie verheiratet, doch die Scheidung ist bereits durch.

Erst nach vielen Jahren wissen die beiden, dass sie nie etwas anderes hätten tun dürfen als sich zu lieben. Jetzt endlich sind sie glücklich. Bis ein furchtbares Unglück geschieht.

Eine wehmütige Liebesgeschichte. Man spürt gleich, dass sie nicht auf einem dünnen Drehbuch basiert, sondern auf einem vielschichtigen, einnehmenden und handfesten Roman. Der Verfasser des Romans lieferte denn auch das Szenario. Das machte es dem Regisseur leichter, einen intensiven und schönen Film zu drehen.

Es ist nicht bekannt, wie lange das Casting dauerte. Aber zwei bessere Hauptdarsteller als Anne Hathaway (Emma) und Jim Sturgess (Dexter) hätte man niemals finden können. Die zwei harmonieren und spielen so gut, dass es wirklich eine Freude ist.

Thomas Engel