4 Könige

Vier der aktuell hoffnungsvollsten Jung-Darsteller das Landes versammelt das sensible Coming-of-Age-Drama "4 Könige" über vier junge Patienten einer Psychiatrie, die die Weihnachtszeit in der Klinik verbringen müssen. Dass man dem Klinikalltag trotz anfänglicher Probleme und gereizter Stimmung auch Positives abgewinnen kann und dass die Patienten immer mehr zusammenwachsen, ist dabei in erster Linie dem unkonventionellen Psychiater zu verdanken. "4 Könige" geht unverkrampft mit dem Thema "psychische Erkrankung" um, ist für einen Debütfilm äußerst reif und überzeugt trotz des harten Sujets vor allem mit dem bestechend aufspielenden Cast.

Webseite: www.24bilder.net

Deutschland 2015
Regie: Theresa von Eltz
Drehbuch: Esther Bernstorff
Darsteller: Jannis Niewöhner, Clemens Schick, Paula Beer,
 Jella Haase, Moritz Leu
Länge: 99 Minuten
Verleih: Port-au-Prince / 24 Bilder
Kinostart: 03. Dezember 2015

FILMKRITIK:

Anstatt sich über Geschenke Gedanken zu machen und die besinnliche Zeit voll genießen zu können, finden sich die vier labilen Teenager Lara (Jella Haase), Alex (Paula Beer), Fedja (Moritz Leu) und Timo (Jannis Niewöhner) über Weihnachten in der Jugendpsychiatrie wieder. Für den idealistischen Psychiater Dr. Wolf (Clemens Schick) jedoch kein Grund, um die Festtage verbittert hinter tristen Klinikmauern zu verbringen. Der moderne Psychiater versucht, die vier Patienten mit ungewöhnlichen Ideen und Gruppengesprächen aus der Reserve zu locken und Vertrauen zueinander aufzubauen. Obwohl die Stimmung am Anfang auf dem Tiefpunkt ist und vor allem der aggressive Timo immer wieder Schwierigkeiten macht, gelingt es der Gruppe allmählich, zu einem verschworenen Haufen zusammenzuwachsen.

Einige der hoffnungsvollsten Jungstars des deutschen Films und Kinos sind hier versammelt, darunter Jella Haase, die bereits in den "Fack ju Göthe"-Filmen überzeugte oder Jannis Niewöhner, der u.a. in der "Edelstein"-Reihe, "Ostwind 2" oder der Tragikomödie "Besser als nix" auf der Leinwand zu sehen war. "4 Könige" ist das Langfilmdebüt von Regisseurin Theresa von Eltz. Das Drehbuch von Esther Bernstorff war 2014 bereits für den Deutschen Drehbuchpreis nominiert. Von Eltz verbindet hier Versatzstücke des Jugenddramas, der (ernsten) Komödie und des Coming-of-Age-Films. "4 Könige" wurde in den Wintermonaten 2014/15 in Niedersachsen und Hamburg gedreht.

Zu Beginn mag es vielleicht ein wenig gezwungen anmuten, dass sich die Geschichte ausgerechnet zu einer Zeit abspielt, die normalerweise geprägt ist von Familie, Wärme und Geborgenheit: Weihnachten. Mit der Brechstange serviert oder unglaubwürdig ist diese gewählte Umgebung, ein Ort der aus den Fugen geratenen Emotionen, der psychischen Instabilitäten und Depression, aber keinesfalls. Vielmehr ist es Realität, denn die Depression fragt nicht nach der passenden Jahreszeit oder ob es der betreffenden Person gerade in den Kram passt. Der zeitliche Rahmen um die Weihnachtstage herum, verleiht dem Film viel von seiner melancholischen, nachdenklichen Grundstimmung: man bangt mit den jungen Erwachsenen, leidet mit ihnen und hofft, dass sie die Einrichtung bald wieder verlassen dürfen.

Schlimm genug, dass sich diese jungen Menschen – die das Leben doch eigentlich genießen und leben sollten – in einer Psychiatrie befinden. Und dann auch noch zu Weihnachten. Ein echtes (aber alles andere als unrealistisches) Horrorszenario. Die Jungdarsteller machen ihre Sache dabei entwaffnend glaubhaft. Man nimmt ihnen ihre Probleme und Krankheitsbilder ab, wobei die Unterschiedlichkeit der Persönlichkeiten an sich einen weiteren großen Reiz ausmacht: da ist der in sich gekehrte, sich zurückziehende Fedja, die aufmüpfig-vorlaute, nach Aufmerksamkeit strebende Lara, der unberechenbare, dauergereizte Schläger-Typ (Timo) und die unnahbare Alex, die von allen scheinbar am meisten leidet.

So verschieden die Patienten aber auf den ersten Blick sein mögen, so haben sie doch alle etwas gemeinsam, etwas, dass sie alle – teils mehr, teils weniger – hat krank werden lassen. Es ist das sichere, geborgene Zuhause sowie die unabdingbare Liebe und der Zusammenhalt einer intakten Familie, das den Protagonisten außerhalb der Klinikmauern fehlt. Darstellerisch überzeugt aber auch Clemens Schick ("Das finstere Tal") als charismatischer Jung-Psychiater Dr. Wolf, der als idealistischer Experte für Seelenschmerz mit Einfühlungsvermögen und seinen ungewöhnlichen Methoden (eine Szene im Wald sticht dabei besonders heraus) zu den Patienten durchzudringen versucht.

Neben all den dramatischen Familiengeschichten und der an sich traurigen Ausgangssituation, gelingt es dem Film, seine Protagonisten und den Zuschauer immer wieder zu mildem Lachen und zum Schmunzeln zu bewegen. Dies geht dabei zumeist auf die Kosten des leichtlebigen, eine positive Stimmung verbreitenden Dr. Wolf, über den man aber selbst am wenigsten erfährt. Ganz am Rande gelingt dem Film auch noch eine realistische Darstellung des Klinik-Alltags, von Gruppengespräche über Ergotherapie bis zu den in die Tiefe gehenden Einzelgesprächen.

Björn Schneider