A Single Man

Als das Filmdebüt des Modedesigners Tom Ford bei den Filmfestspielen in Venedig angekündigt wurde, mischten sich Neugier mit Skepsis, wie immer, wenn sich ein bekannter Name auf fremdem Terrain versucht. Die Skepsis war unbegründet: Fords Verfilmung des gleichnamigen Romans von Christopher Isherwood über einen homosexuellen College-Professor, der seinen langjährigen Partner durch einen Unfall verliert, ist nicht nur ein exquisit ausgestattetes, sondern ein in allen Belangen überzeugendes Werk, das gleich drei Golden Globe-Nominierungen (Colin Firth und Julianne Moore für ihre Darsteller-Leistungen, Abel Korzeniowski für die Filmmusik) auf sich vereinen konnte.

Webseite: www.asingleman.senator.de

USA 2009
Regie und Buch: Tom Ford
Darsteller: Colin Firth, Julianne Moore, Nicholas Hoult, Matthew Goode
Länge: 101 Min.
Verleih: Senator
Kinostart: 25.3.2010
 

PRESSESTIMMEN:

…der nach einem Roman von Christopher Isherwood entstandene Debütfilm des Modemachers Tom Ford (ist) nicht nur ein kleines Wunder an perfekter Ästhetik, sondern auch ein wirklich berührender Film über die Einsamkeit. Herausragend.
Tip Berlin

FILMKRITIK:

"A Single Man" Film spielt an einem einzigen Tag zu Beginn der sechziger Jahre im Leben des 52-jährigen britischen Literaturprofessors George Falconer (Colin Firth), der an einer Universität in Los Angeles unterrichtet. Das Leben des isoliert lebenden Mannes gerät aus den Fugen, als er erfährt, dass sein langjähriger Geliebter Jim (Matthew Goode) bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Dessen Familie will von der für die damalige Zeit prekären Beziehung nichts wissen, daher ist auch seine Anwesenheit bei der Beerdigung unerwünscht.

Falconers Lebenswille scheint durch den Verlust wie erloschen. Der Film begleitet seinen Protagonisten einen Tag lang, und mit zunehmender Bestürzung muss der Zuschauer erkennen, dass es sich um seinen letzten handeln soll. Falconer bereitet sich auf seinen Selbstmord vor – und lässt dabei noch einmal die vielen glücklichen Momente mit Jim Revue passieren. Aber auch die Zwänge und Beschränkungen werden deutlich, die die heimliche Beziehung mit sich bringt.

Die einzige Vertraute, die ihm geblieben ist, ist seine Nachbarin und frühere Freundin Charley (Julianne Moore), die um seinen Verlust weiß und sich immer noch zu ihm hingezogen fühlt. Nach ihrer Heirat mit einem anderen Mann lebt sie – inzwischen geschieden – allein und dem Alkohol allzu zugetan in ihrem großen Haus und ist unfähig, mit der Vergangenheit abzuschließen. Instinktiv spürt sie die Todessehnsucht ihres Verflossenen und versucht ihn durchaus im wörtlichen Sinne zum Leben zu verführen.

Doch er widersteht an diesem Tag nicht nur ihren Avancen, sondern auch denen eines attraktiven Strichers und des jungen idealistischen Studenten Kenny (Nicholas Hoult), der plötzlich bei ihm vor der Tür steht. Und doch sind es diese Begegnungen, die ihn inne halten lassen und dazu verleiten, seinen Entschluss zu überdenken.

Der Coppa Volpi bei den Filmfestspielen in Venedig und die Golden Globe-Nominierung für Colin Firths präzise und ans Herzen gehende Darstellung des gebrochenen Helden wird nicht die einzige Anerkennung seiner überragenden Leistung in diesem Film bleiben, dies kann man sicherlich ohne große prophetische Gaben vorhersagen. In der Tat trägt dieser bisher in seinen Rollen (unter anderem in „Bridget Jones“ und „Mamma Mia“) offensichtlich unterforderte Schauspieler maßgeblich zum Gelingen des Werkes bei. Sein ebenso reduziertes wie effektives Spiel trägt den Film und macht ihn zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.

So verkörpert er seine Figur als überaus kontrollierten, verschlossenen und um größte Korrektheit bemühten Menschen, der keineswegs auffallen will und aus diesem Grund einen unsichtbaren Panzer um sich herum aufgebaut hat, den er lediglich beim Zusammensein mit seinem Geliebten abzulegen vermag. Das Glück dieser auf Augenhöhe geführten Beziehung wird kontrastiert mit der fast zynischen Darstellung der scheinbar heilen Familienwelt von Falconers zweiten Nachbarn – einer Welt nicht unähnlich der in Sam Mendes’ „Zeiten des Aufruhrs“ beschriebenen Vorstadthölle. Ebenso sehnsüchtig wie angewidert verfolgt er deren Familienleben von seinem Bungalow aus, der trotz aller Eleganz der Einrichtung wie eine Mischung zwischen Bunker und Gefängnis wirkt.

Sicherlich ist es Tom Fords Vergangenheit als Modedesigner zu verdanken, dass die überaus stilbewusste Ausstattung des Films nahezu perfekt wirkt. Da stimmt jedes Detail – von den maßgeschneiderten Kostümen bis hin zu den exquisit ausgesuchten Möbeln und Requisiten. Doch das stylische Ambiente reduziert sich nicht auf eine äußere Hülle, es korrespondiert vielmehr mit der Befindlichkeit und dem Charakter seines Protagonisten, folgt daher einer inneren Logik und Notwendigkeit.

„Dieser Film ist das Persönlichste, was ich je gemacht habe“, bekundete Tom Ford, der selbst seit rund 20 Jahren mit einem Modejournalisten zusammenlebt, bei der Welturaufführung des Films in Venedig. Dabei handele es sich keinesfalls um eine rein schwule Geschichte, denn Liebe, Verlust und Isolation sind universelle Themen, die jeden beträfen.

Er habe das Buch erstmals in den frühen achtziger Jahren gelesen. „Doch erst, als ich es in einer Lebenskrise in meinen späten Vierzigern erneut las, traf es meinen Nerv und ich war fest entschlossen, es für die Leinwand umzusetzen. Der Flüchtigkeit von Leidenschaft und Mode habe er mit diesem Film etwas Bleibendes entgegen setzen wollen, so Ford über seine Motivation, sich nach seinen Jahren als Designer einem neuen Medium als Ausdruck seiner Kreativität zuzuwenden. Sein Werk setzte er mit eigener Produktionsfirma und eigenen finanziellen Mitteln um, ein hohes Risiko, das sich künstlerisch zumindest gelohnt hat.

Anne Wotschke

George Falconer ist Anfang der 60er Jahre Literaturprofessor in Los Angeles. Er liebt seinen Freund Jim. Doch dann geschieht das Unfassbare. George verliert diesen Geliebten durch einen Autounfall. Von einem Tag auf den anderen scheint für ihn das Leben keinen Sinn mehr zu haben. Er beschließt, Selbstmord zu begehen.

Er probiert seine Waffe aus, schreibt die letzten Briefe, regelt alles auf das peinlichste. Der homosexuelle George nimmt auch die Avancen von Kenny, einem seiner Studenten, nicht wahr. Er trifft per Zufall auf den schönen Carlos, offenbar ein Stricher. Doch auch der macht auf George keinen Eindruck mehr.

Er fühlt sich einsam und verlassen. Seine Gedanken sind düster und trostlos geworden. Bald wird er sich töten.

Er verbringt noch einige Abschiedsstunden mit Charley. Die ist jetzt seine beste Freundin; früher allerdings war ihre Beziehung mehr als platonisch. George und Charley führen ein langes ernstes Gespräch, trinken dann mehr als einen Schluck, tanzen sogar.

Sollte das Leben etwa doch noch lebenswert sein?

Als George sich spät abends auf dem Heimweg befindet, steht plötzlich Kenny vor ihm. Wird er sich nun noch umbringen wollen?

Literarische Grundlage des Films ist der Roman „Der Einzelgänger“ von Christopher Isherwood. Der britische Schauspieler Colin Firth ist es, der dem hier behandelten Einsamkeitsthema und der Stimmung des ganzen Films Leben einhaucht. Seine Mimik ist sparsam, und doch bringt sie sehr gut zum Ausdruck, was er empfindet: ein dumpfes Gefühl, verbunden mit dem Verlangen, seiner Existenz möglichst rasch ein Ende zu bereiten. Bei der Begegnung mit Charley flackert noch einmal Leben in ihm auf. Dann Stille.

Immerhin kann die Begegnung mit Kelly wieder alles ändern.

Ein melancholischer, lange die Niedergeschlagenheit eines Menschen zeichnender Film, einer, den man nicht als leichte und pure Unterhaltung genießen kann. Aber auch einer, der ein weit verbreitetes Empfinden wiedergibt. Der Hoffnungsschimmer fehlt keineswegs. Kenny ist es, der den Lebensmut zurückholen kann.

Neben dem genau die Intention des Films treffenden Spiel von Colin Firth ist wie immer auch das von Julianne Moore beachtenswert, welche die Rolle der Charley übernommen hat.

Thomas Engel