Absolutely Fabulous – Der Film

Über 20 Jahre ist es her, das im britischen Fernsehen die Sitcom "Absolutely Fabulous" debütierte, eine Satire über Showbusiness, Jugendwahn und Oberflächlichkeit. Jetzt noch eine Kinoversion der TV-Serie nachzuschieben ist ein gewagtes Unterfangen, doch dank der bekannten Masche, zahlloser Gastauftritte und viel Nostalgie kommen Fans der Serie auch bei "Absolutely Fabulous – Der Film" auf ihre Kosten.

Webseite: www.abfab-derfilm.de

Großbritannien 2016
Regie: Mandie Fletcher
Buch: Jennifer Saunders
Darsteller: Jennifer Saunders, Joanna Lumley, Julia Sawalha, Jane Horrocks, June Whitfield, Rebel Wilson, Kate Moss, Jon Hamm
Länge: 90 Minuten
Verleih: Fox
Kinostart: 8. September 2016
 

FILMKRITIK:

Es hat sich nicht viel geändert in der Welt von Edina und Patsy: Als PR-Agentin jagt Edina (Jennifer Saunders) immer noch reichen und berühmten Klienten hinterher, während ihre Freundin Patsy (Joanna Lumley) vor allem nach Champagner, Botox und Männern verlangt. Zusammen mit Edinas Tochter Saffron (Julia Sawalha) – die immer noch nach dem Richtigen sucht – und ihrer greisen Mutter (June Whitfield) lebt Edina in einem mondänen Haus, doch ihre Zukunft sieht nicht rosig aus.

Das PR-Business hat sich verändert, ist noch oberflächlicher geworden, doch Edina hat den Zug verpasst. Mit Twitter und Facebook kann sie nicht viel anfangen, ihre vertrottelte Assistentin Bubble (Jane Horrocks) ist keine Hilfe und so fasst sie einen Plan: Da Kate Moss gerade ihre PR-Beraterin gefeuert hat, will Edina sich dem Star-Model andienen. Doch dummerweise geht der Plan schief, Kate Moss fällt bei einer Party in die Themse und wird für Tod gehalten. Polizei und Medien stürzen sich auf Edina und Patsy, die in ihrer Not das Land verlassen müssen und ausgerechnet in Cannes untertauchen, wo es zwar viele reiche Männer gibt, alternde Frauen wie Edina und Patsy allerdings nicht mehr gefragt sind.

Schon bevor sie eine Idee für das Drehbuch für "Absolutely Fabulous – Der Film" hatte, wusste Jennifer Saunders, dass die Geschichte auch in Südfrankreich spielen würde. Dies sagt manches über ein Filmprojekt aus, dass man getrost als Geldmacherei bezeichnen kann, ein Urteil, dem wohl auch die beiden Stars zustimmen würden. Mit kaum 90 Minuten Dauer, inklusive eines sehr langen Abspanns, ist "Absolutely Fabulous – Der Film" ungefähr so lang wie eine Doppelfolge der TV-Serie und sieht auch so aus. Zwar filmt die im Fernsehen erfahrene Regisseurin Mandie Fletcher in Breitwand, doch die Bilder wirken flach und betont glatt. Und auch erzählerisch ist dieser Film kaum mehr als eine lose Geschichte, die vor allem als Spielfeld für eine Aneinanderreihung von Auftritten seiner beiden Hauptdarstellerinnen und einer ganzen Reihe von (meist britischen) Gaststars dient.

Von Graham Norton, über Baby-Spice, Jerry Hall, Dame Edna oder Kate Moss, verzichtete kaum ein britischer Star oder Sternchen auf einen Auftritt in der Kinoversion der Kultserie, mit zum Teil erstaunlicher Selbstironie. Ex-Model und Ex-Mick Jagger-Gattin Jerry Hall etwa hat einen schönen Auftritt auf dem roten Teppich, bei dem sie nicht müde wird zu erwähnen, wie großartig doch Chanel sei, bis es selbst dem stoischen Moderator zu bunt wird. Es sind solche satirischen Momente, in denen die Oberflächlichkeit von Mode und PR-Business pointiert seziert werden, die "Absolutely Fabulous – Der Film" seinen Reiz verleihen. Zwischen eher grobschlächtigen Momenten finden sich da treffende Szenen wie eine Party in Cannes, bei der die älteren Damen sehr zur Verwunderung von Edina und Patsy miteinander tanzen. Auf die Frage, wo denn die älteren, vor allem wohlhabenden Männer seien lautet die Antwort: Draußen, auf der Terrasse, wo sie von jungen, leicht bekleideten Schönheiten umgarnt werden. Solche hellsichtigen Momente sind zwar rar, verleihen dem zwar nicht notwendigen, aber oft amüsanten "Absolutely Fabulous – Der Film" einen gewissen, angenehm britischen Charme.
 
Michael Meyns