Bei wahren Geschichten zeigt Autor und Regisseur Simon Verhoeven ein besonders gutes Händchen, wie schon sein Milli-Vanilli-Film „Girl You Know It’s True“ gezeigt hat. Mit „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ hat er sich des autobiographischen Romans von Joachim Meyerhoff angenommen, der davon erzählt, wie er Schauspieler wurde, mehr aber noch, wie das Leben mit seinen Großeltern war.
Über den Film
Originaltitel
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
Deutscher Titel
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
Produktionsland
DEU
Filmdauer
137 min
Produktionsjahr
2025
Regisseur
Verhoeven, Simon
Verleih
Warner Bros. Entertainment GmbH
Starttermin
29.01.2026
Nach dem Tod seines Bruders beschließt Joachim, dass er Schauspieler werden will – wie seine Großmutter. Er bewirbt sich an einer renommierten Schauspielschule in München und wird zum Vorsprechen eingeladen. Obwohl es ein wenig hapert, schafft er es, aufgenommen zu werden, doch jede Aufgabe, die sich ihm dann stellt, scheint für ihn zu viel zu sein. Er kann nicht loslassen, nicht aus sich herausgehen und er droht, nach der Probezeit hinausgeschmissen zu werden. Derweil lebt er bei seinen exzentrischen Großeltern, die mit Alkohol nicht geizen…
Der Film stellt die Frage, ob Schauspielunterricht, in dem man aufgefordert ist, Spaghetti im Kochtopf darzustellen, wirklich angebracht ist, um junge Menschen in ihrem Schauspiel zu fördern. Die meisten machen mit, nur Joachim hat damit ein Problem. Er kann nicht aus sich herausgehen, und das führt fast dazu, dass sein Traum platzen muss. Denn es sind Anforderungen der Schule, die er erfüllen muss, wenn er weiterkommen will, aber er sucht seinen Platz im Leben wie in der Theaterwelt, während er niederschreibt, was er erlebt und wie das Leben mit seinen Großeltern früher, aber auch heute ist.
Es gelingt Verhoeven immer, zwischen den beiden Erzählebenen zu schwenken, sie zu einem großen Ganzen zu machen und dabei das Psychogramm eines jungen Mannes zu formen, der nicht weiß, wo er hingehört. Es ist ein Schlüsselmoment, als Joachim es zulassen kann, dass er den Schmerz, den er in sich trägt, nicht nur annimmt und nutzt, sondern ihn auch sein Publikum spüren lassen kann. Hauptdarsteller Bruno Alexander hat hier eine Sternstunde, aber nicht nur hier. Denn er ist das Zentrum des Films, und er trägt ihn, weil er die Figur und den Menschen greifbar macht. Man spürt seinen Widerwillen am Schauspielunterricht, seine Angst, sich fallen zu lassen, also genau das, was Schauspiel nun mal ist, weil man immer auch etwas von sich entblößt, wenn man vor Publikum steht.
Wunderbar sind Senta Berger und Michael Wittenborn als seine Großeltern. Exzentrisch, eigen, vielleicht sogar ein bisschen bizarr, aber so voller Liebe und Unterstützung. Die Chemie zwischen den drei Schauspielern ist grandios, jede Szene ein Gedicht, gerade auch, wie die Großmutter und der Großvater sich in ihren Dialogen ergänzen oder wiederholen – als wären sie längst ein Mensch geworden und nicht ein Duo. Das sind große Altersrollen, die es für Schauspieler und Schauspielerinnen dieser Altersklasse gar nicht oft gibt. Entsprechend gehen Berger und Wittenborn voll und ganz darin auf.
Wenn Verhoeven ruft, kommen die Stars – in Nebenrollen, und sie sind wirklich winzig, sind so auch Karoline Herfurth, Tom Schilling und Devid Striesow zu sehen. Dazu ein paar Töchter und Söhne bekannter Schauspieler, passend zum Thema des Films mit einem jungen Mann, der in die Fußstapfen seiner Großmutter tritt.
Mehr als zwei Stunden vergehen hier wie im Flug. Verhoeven hat die Geschichte, aber auch sein Publikum immer im Griff. Er führt es durch eine Lebensgeschichte, die mit einer Lesung des Werkes endet, auf dem der Film basiert.
Peter Osteried







