Acht Namen für die Liebe

Die erfolgreichste spanische Komödie aller Zeiten ist ein leichter, lockerer Film über nationale Befindlichkeiten, Gegensätze und Vorurteile: Der feurige Andalusier Rafael hat sich verliebt – ausgerechnet in die burschikose Baskin Amaia, die aufgrund ihrer missglückten Hochzeit im spanischen Süden gelandet ist. Rafael folgt Amaia in ihre Heimat und versucht, ihr Herz zu erobern, indem er sich ihrer Familie gegenüber als Baske ausgibt. Die liebenswerte, romantische Komödie bezieht ihren Humor aus zahllosen Verwicklungen und aus dem komplizierten Verhältnis zwischen Süd-Spanien und dem Baskenland, das hier auf die Schippe genommen wird. Leider kommt die deutsche Synchronisation nicht mit…

Webseite: www.alamodefilm.de

Originaltitel: Ocho apellidos vascos
Spanien 2013
Regie: Emilio Martínez Lázaro
Buch: Borja Cobeaga, Diego San José
Darsteller: Clara Lago, Dani Rovira, Carmen Machi, Karra Elejalde, Alberto Lopez
Länge: 98 Minuten
Verleih: Alamode
Kinostart: 25. Dezember 2014
 

FILMKRITIK:

Ein echter Andalusier wie Rafael liebt den Flamenco, die Frauen und sein Haargel. Als Rafael jedoch die Baskin Amaia kennenlernt, wird sein Nationalbewusstsein auf eine harte Probe gestellt. Sie ist ganz anders als alle anderen, bei denen der gut aussehende Bursche bisher landen konnte, unter anderem ist sie ziemlich widerborstig und findet seine Baskenwitze überhaupt nicht komisch. Trotzdem gelingt es ihm, sie in sein Bett zu locken, was vor allem der Tatsache zu verdanken ist, dass Amaia Trost im Alkohol sucht, weil sie kurz vor ihrer Hochzeit vom Bräutigam verlassen wurde.
 
Am nächsten Morgen ist Amaia verschwunden, und Rafa ist verliebt. Er findet schnell eine Ausrede, um entgegen den Ratschlägen seiner Freunde Amaia in ihre Heimat zu folgen, wo er alles dafür tut, um Amaias Herz zu gewinnen. Beispielsweise gibt er sich als Baske aus und wird ungewollt zum Anführer einer baskischen Untergrundbewegung. Damit beeindruckt er sogar Amaias Vater, einen knorrigen Fischer, dem er vorspielt, er sei Amaias Bräutigam.
 
Romantische Komödien brauchen bekanntlich ein möglichst gegensätzliches Liebespaar, um zu funktionieren. So ist es auch hier: Die kesse, schlagfertige Amaia und der Westentaschen-Don Juan Rafael bringen dafür alles mit. Doch Humor lässt sich leider nicht einfach so von Land zu Land übertragen, und das Verständnis, was komisch ist, unterscheidet sich manchmal schon von Mensch zu Mensch erheblich. Umso mehr gilt das für nationale Befindlichkeiten und Vorurteile, um den spielerischen Umgang damit und um das, was daran witzig sein könnte.

Einem deutschen Publikum teilt sich der Sprachwitz hier synchronbedingt nur sehr sparsam mit. Der Grund: Irgendwelche Gegensätze zwischen Baskisch und Spanisch sowie dialektbedingte Missverständnisse sind in der Synchronfassung verschwunden und bleiben dem deutschen Publikum verborgen, obwohl es Andeutungen gibt. In der Anrede „Alter“, die Amaia für ihren Vater verwendet, scheint so etwas wie komisches Potenzial zu liegen – vergleichbar mit dem Gegensatz zwischen Mundart, Umgangssprache und Hochsprache, siehe „My Fair Lady“ oder Dialektkomödien à la „Die Kirche bleibt im Dorf“.
 
Die Geschichte an sich ist amüsant bis niedlich: Der Frauenheld, der sich bis zur Unkenntlichkeit verbiegen muss, um seiner Angebeteten zu imponieren, ist ebenso bewährt wie die kratzbürstige Schöne, die sich – letztlich vollkommen erfolglos – gegen die große Liebe wehrt. Die Hauptdarsteller sind gut gewählt: Clara Lago ist die sehr hübsche, temperamentvolle Amaia, eine selbstbewusste Kämpferin, besonders wenn es um ihre baskische Heimat geht. Dani Rovira spielt den Rafael als lässig coolen Kerl, der sich ganz nebenbei vom südländischen Macho zum toleranten Mitmenschen entwickelt. Auch die übrigen Darsteller bringen viel Spielwitz mit: Karra Elejalde ist als Amaias Vater ein nationalstolzer Baske wie aus dem Bilderbuch, und Carmen Machi, bekannt aus Almodovars „Sprich mit ihr“, spielt seinen Gegenpart: eine leidenschaftliche Andalusierin im baskischen Exil.
 
Das alles ist hübsch gemacht, dazu gibt es schöne Bilder, von denen Amaia, wie eine Furie in Zuckerwatte im wehenden Brautkleid durch die Stadt rennend, sicherlich mit am einprägsamsten ist. Doch der mehrfach bemühte Vergleich mit „Willkommen bei den Sch’tis“ hinkt ein wenig, denn auch wenn es sich hier wie dort um eine warmherzige Geschichte um plumpe Vorurteile und ihre Widerlegung handelt, fehlt der Bezug über die Sprache. Immerhin: Als romantische Komödie und als Aufruf zur Toleranz und wider den dumpfen Nationalismus funktioniert „Acht Namen für die Liebe“ und könnte vor allem ein junges, aufgeschlossenes Publikum ansprechen.
 
Gaby Sikorski

Als der französische Erfolgsfilm „Willkommen bei den Sch’tis“ in Deutschland anlief hieß es auf dem Plakat: 20 Millionen Franzosen können sich nicht irren. In Bezug auf „8 Namen für die Liebe“ könnte es nun heißen: 10 Millionen Spanier können sich nicht irren. Hier wie da zeigt sich jedoch auch, dass kaum etwas so landesspezifisch ist wie Humor.

Der Vergleich mit der französischen Kulturclash-Komödie „Willkommen bei den Sch’tis“ ist nicht nur des Erfolgs beider Filme wegen relevant, denn auch Emilio Martínez-Lázaros „8 Namen für die Liebe“ bedient sich kultureller Unterschiede, die er in oft grobschlächtiger Manier ausspielt. Hier sind das die auch geographisch weit voneinander entfernten Regionen Andalusien und das Baskenland, deren Bewohner aus Sicht der Hauptstädter aus Madrid vermutlich beides peinliche Hinterwäldler sind. Im südspanischen Sevilla jedenfalls – wo die Geschichte beginnt und endet – scheinen alle Bewohner fortwährend mit Feiern, Trinken, Flamenco tanzen und der Jagd nach dem anderen Geschlecht beschäftigt zu sein. Einer davon ist Rafa (Dani Rovira), der in einer Bar arbeitet, wo gerade drei Frauen aus dem Baskenland zu Gast sind. Eine davon ist Amaia (Clara Lago), die gerade von ihrem Verlobten verlassen wurde und dementsprechend wenig Interesse am Aufreißer Rafa hat. Was wiederum dessen Jaginstinkt wächst: Nach einer platonisch miteinander verbrachten Nacht ist er Feuer und Flamme für die Baskin – doch die ist einfach verschwunden. Dankenswerterweise hat sie ihre Tasche vergessen und so macht sich Rafa auf in eine fremde Welt. Seine Freunde warnen ihn zwar vor den Gefahren des Baskenlandes – Terroristen, bärbeißige Menschen, rabiate Frauen – doch Rafa will seine Angebetete aus ihrer vermeintlichen Not befreien und dauerhaft in den viel schöneren Süden locken.

Im fiktiven baskischen Dörfchen Argoitia treffen Rafas Klischeevorstellungen schließlich auf die Realität – und werden teils bestätigt, teils untergraben und teils als absurd entlarvt. Dass am Ende die Liebe alle kulturellen Unterschiede überstrahlt, steht außer Frage, doch zuvor muss Rafa erst noch in die Rolle des „typischen“ Basken Anxton schlüpfen und sich verdingen beim Straßenkampf, an der Theke und als genehmer Schwiegersohn für Amaias Ur-Baskischen Vater Koldo (Karra Elejalda).

Wie das bei ländertypischen Komödien so ist, basiert ein erheblicher Teil des Humors von „8 Namen für die Liebe“ auf den tatsächlichen oder zugeschriebenen kulturellen Besonderheiten einer bestimmten Volksgruppe. Je besser man sich also mit Spanien im Allgemeinen und Andalusien und dem Baskenland im Besonderen auskennt, desto besser funktioniert der Kulturclash. Dass dabei in der Synchronisation viel verloren geht, ist nicht zu vermeiden, doch auch ohne die zahlreichen Wortspiele um die spanische bzw. baskische Sprache zu verstehen macht Emilio Martínez-Lázaro durchaus Vergnügen.

Subtil ist hier zwar nichts, sowohl Figuren, als auch Geschichte und Stereotype sind betont grobschlächtig, kein derber Witz wird ausgelassen, kein Fettnäppchen ignoriert, doch auf Dauer kann man sich dem Charme der Figuren kaum entziehen. So sehr mosern Dani Rovira und Clara Lago aneinander rum, dass es einfach Liebe sein muss, die am Ende dann alle kulturellen Gegensätze überwindet. Ob sich für diese spanischen Gegensätze ähnlich viele Zuschauer interessieren werden wie die 2,3 Millionen Besucher von „Willkommen bei den Sch’tis“ bleibt abzuwarten, als nicht unbedingt substantielle, aber doch oft pointierte Komödie ist auch „8 Namen für die Liebe“ sehenswert.
 
Michael Meyns