Längst ist das Internet nicht mehr wegzudenkender Alltag für die meisten Menschen geworden, werden Stunden Online, beim Scrollen oder Chatten verbracht. Welche Abgründe dort lauern bekommen die meisten Menschen nur am Rande mit, dafür sorgen sogenannte Content-Moderatoren, die das Übelste löschen, bevor es die User sehen, zu welchem Preis, davon will Ute Briesewitz in „American Sweatshop“ erzählen.
Über den Film
Originaltitel
American Sweatshop
Deutscher Titel
American Sweatshop
Produktionsland
DEU,USA
Filmdauer
93 min
Produktionsjahr
2025
Regisseur
Briesewitz, Uta
Verleih
PLAION PICTURES GmbH
Starttermin
30.04.2026
Irgendwo in Amerika arbeitet die junge Daisy (Lili Reinhart) als Content-Moderatorin für das Unternehmen Paladin. Ihre Aufgabe: Social-Media-Plattformen nach unangemessenen Inhalten zu durchsuchen, also nach Darstellungen von Sex und Gewalt, nach Hatespeech und anderen verstörenden Ausdrucksformen, die in der scheinbaren Anonymität des Internets blühen.
Gemeinsam mit ihren Kollegen sitzt Daisy in einem Großraumbüro und bearbeitet sogenannte Tickets: Meldungen von Nutzern, die auf tatsächlichen oder angeblichen Missbrauch aufmerksam machen. Doch wie ihre Chefin Joy Jones (Christiane Paul) erklärt, kommt es nicht nur darauf an, Gewalt oder anderes zu erkennen und dann zu löschen, sondern den Kontext zu berücksichtigen, denn manchmal ist die Darstellung von Gewalt kein Aufruf zur Gewalt, sondern eine wichtige Form des journalistischen Aufzeigens von Missständen.
Wie leicht diese Arbeit zu psychischen Problemen führen kann, zeigt sich im Verhalten von Daisys Kollegen, die ihre Aggression angesichts der Bilder, die sie tagein, tagaus ansehen müssen, schon mal schreiend aus dem Büro rennen oder ihren Computer zertrümmern.
Auch Daisy hadert zunehmend mit ihrer Arbeit, die sie nur deswegen angenommen hat, um nach ihrem Studium einen Job zu haben. Ihr eigentliches Ziel ist es, als Krankenschwester zu arbeiten, Menschen also wirklich zu helfen.
Doch dann sieht sie ein besonders grausames Video, das scheinbar ein Verbrechen zeigt. Doch weder ihre Vorgesetzte, noch die Polizei scheinen sich besonders für das Video zu interessieren und so beginnt Daisy eigenmächtig, nach den Hintergründen des Videos zu recherchieren, um den möglichen Tätern auf die Spur zu kommen.
Als Sweatshop wird allgemein eine jener engen, heißen Fabriken irgendwo in Asien bezeichnet, in der schlecht bezahlte Arbeiter Kleidung oder anderes für westliche Marken produzieren, die dann in Europa oder Amerika für ein Vielfaches der Herstellungskosten verkauft werden. Das Prinzip der Auslagerung von anstrengender, physisch oder psychisch belastender Arbeit in ein Billiglohnland, in dem es kaum oder keine Arbeitsschutzmaßnahmen gibt, hat sich auch in Bereichen der neuen Medien durchgesetzt, gerade auch bei den Content-Moderatoren, die jeden Tag stundenlang den Dreck durchforsten, der Online produziert wird, um die Augen der User von Twitter oder Facebook vor dem schlimmsten zu schützen.
Zahlreiche Dokumentarfilme wurden in den letzten Jahren über diese untragbaren Zustände gedreht, von denen sich Ute Briesewitz „American Sweatshop“ zumindest im Ansatz inspirieren ließ. Denn der Debütfilm der deutschen Kamerafrau und Regisseurin von TV-Serien, spielt nicht etwa in den Ausbeutungsfabriken in Asien, sondern irgendwo in Amerika, wo College-Kids in gut bezahlten Jobs tätig sind. Das auch in den USA Content Moderatoren arbeiten ist zwar nicht ganz falsch, zeigt aber schon, dass es Briesewitz letztlich nicht um die ethischen Fragen geht, die mit dieser Arbeit verbunden sind.
Stattdessen versucht sie eine Thriller-Geschichte zu entwickeln, in der sich die Protagonistin Daisy immer tiefer in ihren privaten Ermittlungen verstrickt und dabei selbst Grenzen überschreitet. Ein wenig erinnert das an Joel Schumachers „16mm“ in dem Nicolas Cage im Milieu des Snuff-Films, echter Gewaltfilme, ermittelt und sich dabei verliert.
Auch angesichts der augenscheinlich sehr begrenzten finanziellen Möglichkeiten – gedreht wurde dank knapper deutscher Finanzierung in Studios in NRW – bleibt „American Sweatshop“ filmisch allzu reduziert, um seinem interessanten erzählerischen Ansatz gerecht zu werden.
Michael Meyns







