Amy

Amy Winehouse war eine der schillerndsten Figuren der Popmusik. Ihr früher Tod schockierte die Musikwelt. Ausgestattet mit einer phänomenalen Soulstimme  konnte die sechsfache Grammy-Gewinnerin wie keine zweite ihren Liebeskummer in Melodien und Worte kleiden. Doch die legendäre Sängerin mit der Bienenkorbfrisur litt an schweren Drogen- und Alkoholproblemen. Der britische Regisseur Asif Kapadia fasst ihre Geschichte von Aufstieg und tragischen Ende in einen anrührenden Dokumentarfilm. Dabei zeichnet er das Portrait eines verletzlichen, gehetzten, fragilen Menschen, der am Ruhm zerschellt. Seine bewegende Hommage an eine glänzende, geistreiche, temperamentvolle junge Frau rehabilitiert die begnadete Musikerin.

Webseite: www.amy-derfilm.de

USA 2015
Regie: Asif Kapadia
Schnitt: Chris King
Darsteller: Janis Winehouse, Mitch Winehouse, Juliette Ashby, Mark Ronson
Länge: 127 Minuten
Verleih: Prokino
Kinostart: 16. Juli 2015

Pressestimmen:

„Der Film ist ein Muss für Fans.“ ZDF heute

„So nah ist man ihr noch nie gekommen.“ ARD BRISANT

 „Ein liebevolles, intimes Porträ.t” The Hollywood Reporter

FILMKRITIK:

„Mit Ruhm könnte ich nicht umgehen, ich würde verrückt werden“, weiß Amy Winehouse schon als Teenager. Ein Satz, der tragisch früh gestorbenen Ausnahmesängerin, den die Dokumentation des britischen Regisseurs Asif Kapadia rückblickend zu bewahrheiten scheint. Bereits als Teenager komponiert sie ihre eigenen Lieder und unterschreibt mit 19 ihren ersten Plattenvertrag.  In Nord-London aufgewachsen, entdeckt sie früh ihre Liebe zur Musik. Vater Mitch ist großer Jazz-Fan, ihre Großmutter Cynthia war sogar mit dem legendären Saxophonisten Ronnie Scott zusammen. Klassiker wie Ella Fitzgerald und Frank Sinatra schulen ihren Geschmack und Gesang.
 
Doch die mediale Berühmtheit hing wie ein Damoklesschwert über der Pop-Ikone. Ihre einzigartige Stimme wurde für die 27jährige Geschenk und Fluch zugleich. „Wenn ich könnte, würde ich sie zurückgeben“, soll Amy Winehouse kurz vor ihrem Tod zu ihrem Bodyguard gesagt haben.

Chronologisch montierte Bild- und Tonaufnahmen von der legendären Künstlerin in fast jedem Alter sowie Interviews aus ihrem Umfeld zeichnen das Porträt eines fragilen Mädchens, das am Ruhm zerschellt ist. Zeitweise ist es schwer auszuhalten, der begnadeten Musikerin dabei zuzusehen, wie sie in den Abgrund rennt und gleichzeitig ihre phänomenalen Songs zu hören.
 
Vor allem diese Hilflosigkeit ihrer Sucht gegenüber trifft. Niemand war da, um ihre Selbstzerstörung aufzuhalten. Umso makaberer wirkt es, dass ausgerechnet der Song „Rehab“ sie auf einen Schlag berühmt machte. Es war tatsächlich so, dass Amys ehemaliges Management sie zu einem Alkoholentzug bewegen wollte. Aber die Sängerin weigerte sich. Außer ihr Vater würde sie dorthin schicken. Aber er fand damals noch, sie hätte kein Problem mit dem Trinken. „Ich denke, damit haben wir eine Chance verpasst“, weiß der karrierefördernde Vater heute. Doch nicht nur die Medizin betont inzwischen, dass Alkoholismus und Sucht keine Laster sind oder moralische Verfehlungen, sondern echte Krankheiten. Asif Kapadia ist jedoch bei seiner mit großer Sensibilität erzählten Geschichte einer Ausnahmekünstlerin nicht auf der Suche nach einem Schuldigen.
 
Immer wieder gelingt es ihm, konkrete Verbindungen zwischen ihren persönlichen Erlebnissen und den unverwechselbaren Songs herzustellen. Als filmisch-musikalisches Fotoalbum verliert die emotionale Charakterstudie, trotz privater Einblicke, nie den Respekt vor dem verletzlichen Menschen. Seine bewegende Hommage schafft es, auch das Bild einer lebenslustigen, humorvollen und unfassbar talentierten jungen Frau zu zeigen. Kollegen erzählen von einer begeisterten Jazzmusikerin. Enge Freunde erinnern sich an eine freche, ungemein herzliche Amy mit einem durchdringenden Lachen. Und wenn sie am Ende mit dem Idol ihrer Kindheit, der Jazz-Legende Tony Bennett, ein Duett singt, spürt man, was die Musikwelt verloren hat.
 
Luitgard Koch