Antboy 2 – Die Rache der Red Fury

Der dänisch-deutsche Kindersuperheldenfilm „Antboy“ feierte vor knapp zwei Jahren nicht nur in Skandinavien beachtliche Erfolge beim jungen Kinopublikum. Eine Fortsetzung, in der die Figuren etwas älter geworden sind und die Geschichte ein wenig düsterer erscheint, versucht nun, diesen Erfolg zu wiederholen. Das gelingt – allerdings mit kleinen Einschränkungen.

Webseite: www.antboyderfilm.de

DK/D 2014
Regie: Ask Hasselbalch
Darsteller: Oscar Dietz, Amalie Kruse Jensen, Astrid Juncher-Benzon, Nicolas Bro, Samuel Ting Graf, Boris Aljinovic
Laufzeit: 84 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Verleih: MFA
Kinostart: 25.6.2015
 

FILMKRITIK:

Das Leben eines Superhelden kann gelegentlich durchaus anstrengend und weit weniger aufregend als gedacht sein. Diese Erfahrung macht auch der 13-jährige Pelle (Oscar Dietz) alias „Antboy“. Während sein Alter Ego gegen das Böse kämpft und dabei auf immer neue Schurken trifft, wird er in seinem Alltag von den Problemen eines ganz normalen Teenagers eingeholt. Hierzu gehört vor allem die Erfahrung einer unerwiderten Liebe. Denn Pelle hat sich in seine Mitschülerin Ida (Amalie Kruse Jensen) verguckt, die in ihm jedoch nur einen guten Freund sieht. Aber es kommt noch schlimmer. In diesem Gefühlsdurcheinander bemerkt Pelle nämlich viel zu spät, dass ausgerechnet Antboy für eine zugleich schmerzhafte wie erniedrigende Zurückweisung die Verantwortung trägt. Daraufhin plant die Verschmähte (Astrid Juncher-Benzon), sich für diese Peinlichkeit an ihm und seinen Freunden zu rächen. Unterstützt wird die „Red Fury“ bei diesem Vorhaben von Antboys altem Widersacher, dem Floh (Nicolas Bro), und einem halbstarken Zwillingspaar.
 
Zwei Jahre nach dem ersten, überaus erfolgreichen Kinoauftritt des „Ameisenjungen“, der nicht nur in seiner Heimat Dänemark (175.000 Zuschauer) auf ein großes Interesse vor allem beim jungen Publikum traf, setzte Regisseur Ask Hasselbalch mit dem gleichen Team die Fortsetzung um. Wie die Schauspieler im realen Leben ist auch Pelle nun etwas älter geworden. Ihn beschäftigen inzwischen die typischen Teenager-Probleme. So fühlt er sich trotz seiner besonderen Ameisenkräfte mitunter unsicher und missverstanden. Diese Entwicklung beschreibt gewissermaßen die Grundstimmung in „Antboy – Die Rache der Red Fury“, in dem entsättigte Aufnahmen und kühle Farben die Bildgestaltung dominieren. Daneben überträgt der Film den bekannten Superhelden-Baukasten recht konsequent auf seine jüngere Zielgruppe. Die teils ikonografischen Bilder sind ebenso wie die Dramaturgie – in Teil 1 wurde Pelle durch den Biss einer Ameise zu Antboy – dem Hollywood-Kino entliehen. Dabei beschäftigt sich das Drehbuch ausschließlich mit Pelle und seinen gleichaltrigen Mitstreitern. Die Erwachsenen sind dagegen wie der von Boris Aljinovic verkörperte Vater der „Red Fury“ bestenfalls skurriles Beiwerk.
 
Hasselbalchs eigener Anspruch war es, seinen jungen Protagonisten ohne didaktische Haltung oder Belehrungen zu begegnen. Tatsächlich nimmt er Pelles gelegentliche Zweifel und Unsicherheit durchaus ernst. Gerade außerhalb des Superheldenkostüms gelingt es dem Film so, eine Beziehung zwischen Publikum und Hauptdarsteller aufzubauen. Der Vergleich mit Klassikern wie „Die Goonies“ oder der „Harry Potter“-Reihe fällt für „Antboy“ allerdings aus unterschiedlichen Gründen eher ungünstig aus. In den mit überschaubaren Mitteln inszenierten Actionsequenzen folgt Hasselbalch einerseits viel zu sehr erwartbaren Genrestandards. Seinem Film fehlt nicht nur die visuelle Klasse, auch die Figuren mit Ausnahme von Pelle/Antboy bleiben recht blass und uninteressant. Obwohl „Antboy – Die Rache der Fury“ offiziell bereits ab 6 Jahren freigegeben ist, eignet sich die Geschichte aufgrund ihrer düsteren Untertöne und Bilder jedoch erst für etwas ältere Kinder. Ein Wiedersehen mit Pelle ist im Übrigen längst in Planung. Mit dem dritten „Antboy“-Abenteuer soll die Reihe dann ihren Abschluss finden.
 
Marcus Wessel