Asado, mein Lieblingsgericht aus Argentinien

Fußball, Tango und Fleisch. Vermutlich die drei größten Leidenschaften im Leben eines Argentiniers. Mit letzterer, der  historisch begründeten Grill- und Asado-Kultur, befasst sich die neue Doku der Filmemacher Mariano Cohn und Gastón Duprat. In „Asado“ erklären sie – pointiert und selbstironisch – einen kulinarischen Mythos, der Teil der argentinischen Identität ist. Der unterhaltsame, informative Film macht auf diese Weise eine der bedeutendsten Traditionen des südamerikanischen Landes für den Zuschauer erfahrbar.

Webseite: www.cineglobal.de

Argentinien 2016
Regie: Mariano Cohn, Gastón Duprat
Drehbuch: Andres Duprat
Darsteller:  Luis Caporossi, Mónica Cragnolini, Oscar Bopp, Vicente Cohn
Länge: 90 Minuten
Kinostart: 02. August 2018
Verleih: Cine Global

FILMKRITIK:

Die Argentinier lieben das Grillen und ganz besonders das Asado. Es ist das wichtigste Essen in Argentinien und besteht fast nur aus Fleisch. Der Verzehr von anderthalb Kilo Fleisch ist dabei nichts Besonderes – pro Person wohlgemerkt. Die kulinarische Doku „Asado“ geht der Frage nach, wieso sich ausgerechnet das Grillen zu einem regelrechten Kulturphänomen im Land entwickelt hat. Und so zu einem festen Bestandteil in jedem argentinischen Haushalt wurde.  Darüber hinaus decken die Regisseure Mariano Cohn und Gastón Duprat Mythen und Legenden rund um die Themen „Fleisch“, „Grillen“ und „Barbecue“ auf.

Die Filmemacher und Produzenten Mariano Cohn und Gastón Duprat verwirklichen seit 1999 gemeinsam TV- und Kinoprojekte. International bekannt wurden sie durch ihre vielfach prämierte Tragikomödie „The man next door“ (2009). Zuvor entwickelten sie u.a. einige erfolgreiche Formate für das argentinische Fernsehen. Für „Asado“, dessen Produktionskosten umgerechnet ca. 250 000 Euro betrugen, reisten sie einmal quer durch ihre argentinische Heimat.

Auf humorvolle Weise ergründen Cohn und Duprat in „Asado“ das besondere Verhältnis der Argentinier zum Fleisch. Dabei nehmen sie sich und ihr Thema nie zu ernst und betrachten die Leidenschaft ihrer Landsleute für die Grillkunst mit einer gehörigen Portion Augenzwinkern und Selbstironie. Das wird schon zu Beginn des Films deutlich, wenn die Beiden beispielhaft einige jener Fleischsorten genüsslich in Großaufnahme präsentieren, die zu einem echten Asado (spanisch für „Gegrilltes“) gehören: unterschiedliche Arten von Rippchen, Blutwurst, mehrere Kilo schwere Steaks, Roastbeef und diverse Würstchen vom Schwein und vom Rind.

Dies alles stopfen die Argentinier das ganze Jahr über kiloweise in sich hinein, worauf Cohn und Duprat immer wieder gerne verweisen. Kein anderes Land auf der Welt hat einen derart hohen Pro-Kopf-Verbrauch an Rindfleisch. Im Schnitt isst jeder Argentinier 60-70 Kilo Rindfleisch pro Jahr (in Deutschland sind es ca. neun Kilogramm pro Kopf). Dass die Fleisch- bzw. Grillkultur für die Menschen eine herausragende Stellung einnimmt und eine lang gehegte Tradition ist, wird klar, wenn „Asado“ zurück in die Vergangenheit reist. Und dadurch ebenso erhellende wie spannende Einblicke in die Ursprünge dieser Tradition gewährt.

So berichten einige der Interviewten mit leuchtenden Augen etwa vom Asado-Mythos. Dieser ist untrennbar mit den „Gauchos“, den argentinischen Cowboys und Viehzüchtern, verbunden. Sie stehen symbolisch für den freiheitsliebenden, feurig-leidenschaftlichen Lebensstil der Argentinier – und sie waren es, die bereits im 19. Jahrhundert die ersten Rinder schlachteten und grillten. Auf Holz, versteht sich. Denn auch damit befasst sich der Film: Mit der Frage, wie man am besten ein zartes Stück Rindersteak hinbekommt. Welche Holzarten eignen sich besonders gut? Was ist der Nachteil von Kohle? Wie ist ein typischer Asado-Grill (von dem sich in jedem argentinischen Haushalt einer befindet) eigentlich aufgebaut? All diesen Aspekten widmen sich Cohn und Duprat ausführlich.

Darüber hinaus lassen sie Fleischliebhaber mit verschiedenen kulturellen Hintergründen und aus diversen Berufsgruppen zu Wort kommen, die mit Witz und Überzeugung von ihrer „Fleischeslust“ berichten: Mitarbeiter von Schlachtbetrieben, Politiker, Geschäftsleute, Historiker und Gastronomen. Einen starken Kontrast dazu bildet eine Philosophin und entschiedene Gegnerin des maßlosen Fleischkonsums, die den fehlenden Respekt tierischen Lebewesen gegenüber moniert. Die Tatsache, dass auch die Gegenseite zu Wort kommt, zeigt, dass Cohn und Duprat den Zuschauer durchaus zur kritischen Reflexion einladen.

Björn Schneider