Au revoir, Taipei

Der in Kalifornien aufgewachsene Taiwanese Arvin Chen hatte bereits 2007 mit dem Gewinn des Silbernen Bären der Berlinale Shorts auf sich aufmerksam gemacht. In diesem Jahr legte er sein Langfilm-Debüt vor und konnte gleich wieder einen Preis mit nach Hause nehmen. Sein AU REVOIR TAIPEI wurde als bester asiatischer Film ausgezeichnet. Kein Wunder bei so prominenter Unterstützung: Wim Wenders persönlich fungierte bei dieser liebevollen Mischung aus Liebesromanze und Gangsterkomödie als ausführender Produzent.

Webseite: www.arsenalfilm.de

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Taiwan/USA/Deutschland 2010
Regie: Arvin Chen.
Ausführender Produzent: Wim Wenders
Mit Jack Yao, Amber Kuo, Frankie Kao, Lawrence Ko u.a.
85 Min.
Start: 25.11.2010
Verleih: Arsenal
 

PRESSESTIMMEN:

Auszeichnung:

Best Asian Film, Berlinale 2010

FILMKRITIK:

Der junge Kai bläst Trübsal. Seine Freundin ist von Taiwans Hauptstadt Taipeh nach Paris gezogen und er setzt alles daran, ihr in die ferne Seine-Metropole zu folgen. Doch das kann er sich finanziell nicht leisten, und so arbeitet er tagsüber im Nudel-Restaurant seiner Eltern, abends sitzt er in einem Buchshop und schmökert sich durch die dortigen Französisch-Lehrbücher, um schon einmal sprachlich für seinen geplanten Ortwechsel gewappnet zu sein.

Seine Zukunftspläne geraten ins Wanken, als er von seiner Freundin unerwartet per Telefon den Laufpass bekommt. Um sie umzustimmen, so ist ihm klar, muss er nach Paris – und das sofort. Da bietet ihm ein Kleinganove aus der Nachbarschaft an, ihm den Flug zu finanzieren, wenn er einen kleinen „Kurierdienst“ für ihn erledige. Kai willigt ein und ahnt nicht, welchen Ärger er sich damit aufhalst. Nicht nur ein Polizist, sondern auch ein Haufen Möchtegern-Ganoven ist hinter der zu transportierenden Fracht und damit nun auch hinter ihm her, und zu allem Überfluss wird auch noch sein bester Freund entführt. Er macht sich auf die Suche nach ihm und wird dabei unterstützt von einer netten Mitarbeiterin des Buchshops, die schon lange ein Auge auf den seltsamen Kunden geworfen hat, der nur Bücher liest, aber niemals kauft. Im Laufe der turbulenten Nacht, die nun folgt, gerät Kai immer mehr ins Grübeln, ob er seine Freundin noch vermisst oder das wahre Glück vielleicht schon ganz in seiner Nähe ist.

Arwin Chen ist ein charmanter Film gelungen, der vom Plot her ein wenig an Wong Kar Wais „Chungking Express“ erinnert. Sein trockener Humor, eigenwillig gepaart mit Slapstick-Elementen, die jedoch nie ins Alberne abgleiten, macht diese Hommage an das quirlige Taipeh und dessen Nachtleben zu einem kurzweiligen Vergnügen. Zugleich ist AU REVOIR, TAIPEI ist einmal mehr ein eindrucksvolles Zeichen für die Lebendigkeit des jungen asiatischen Kinos. Wie vielen der jüngeren Produktionen aus Fernost gelingt es ihm, das Lebensgefühl der dortigen Jugend authentisch einzufangen. Dabei greift er auch den Trend auf, munter aus Filmen der Nouvelle Vague zu zitieren.

Paris sei für ihn die Stadt schlechthin, erläutere Chen in Berlin, und sein Wunsch sei es gewesen, Taipeh wie Paris aussehen zu lassen. Und tatsächlich – in ihrer Lebendigkeit und Frische kann sich die fernöstliche Metropole hier mit der französischen Hauptstadt durchaus messen. Am Ende dieser einzigen Nacht, in der der Film spielt, hat der Zuschauer jeden der sorgfältig gezeichneten Figuren irgendwie ins Herz geschlossen, selbst die in knall-orangefarbene Anzüge gekleidete Kleinkriminellen-Truppe, die immer ein wenig zu tollpatschig für die eigenen hoch gesteckten Ziele agiert.

Anne Wotschke

Filme über Taiwan sind bei uns selten. Hier ist einer. Er erzählt von dem jungen Kai, der verzweifelt ist, weil seine Freundin nach Paris zieht. Wie kann er ohne sie leben?

Es gibt nur eins: ebenfalls Taiwans Hauptstadt verlassen und nach Paris gehen. Einfach ist das für Kai nicht, denn das kostet Geld, und die französische Hauptstadt ist weit.

Kai arbeitet im Nudelrestaurant seiner Eltern, nebenbei lernt er in einer Buchhandlung eifrig französisch. Merkwürdig, wie sich die junge Buchverkäuferin Susie interessiert zeigt, und zwar nicht nur für das Französische, sondern auch für Kai.

Eine Geldquelle könnte der Gangsterboss Bruder Bao bieten. Der ist bereit, die Kosten für die Paris-Reise zu übernehmen, wenn Kai zuvor ein geheimnisvolles Päckchen an der von Bao bestimmten Adresse abliefert. Unglücklicherweise interessieren sich auch ein paar Ganoven für das Päckchen, also Grund genug für ein Katz- und Maus-Spiel. Der Polizist, der eingreifen könnte, ist mit anderen und vor allem mit sich selbst beschäftigt.

Zwischen Susie und Kai sieht die Sache besser aus. Da ist Liebe in Aussicht. Soll Kai denn jetzt noch nach Paris gehen?

Liebesromanze und Krimigeschichte. Natürlich spielen Amber Kuo (Susie) und Jack Yao (Kai) die Hauptrolle. Aber eine dritte Hauptrolle hat die Stadt Taipeh. Sonnenuntergang, Sonnenaufgang, Nacht, Lichter, Farben, belebte Straßen, Geschäfte, Bars, Märkte, Discos, Tanz – jedenfalls ein eindrucksvoller Ort, von den Machern gut eingefangen. Zweifellos eine gewisse Magie. Die amerikanischen Crewmitglieder ließen sich davon betören: „Taipeh ist nachts wirklich eine der schönsten Städte der Welt.“

Preise gab es schon: in Berlin, in Deauville, in San Francisco (Asian Film Festival).

Vor kriminalistischem Hintergrund eine junge Liebe in einer teilweise faszinierenden asiatischen Millionenstadt.

Thomas Engel