Chandani und ihr Elefant

Der Dokumentarfilmer Arne Birkenstock hat mit CHANDANI UND IHR ELEFANT einen einfühlsamen Dokumentarfilm für Kinder gedreht. Anhand der Geschichte der 16-jährigen Chandani, die Elefantenführerin werden möchte, erzählt der Film vom Leben der gezähmten und der wilden Elefanten Sri Lankas und von den Schwierigkeiten des jungen Mädchens, sich in einer Männerdomäne durchzusetzen: noch nie zuvor ist eine Frau in Sri Lanka zum Mahout ausgebildet worden.

Webseite: www.chandani.realfictionfilme.de

Deutschland/Schweiz 2009
Regie und Buch: Arne Birkenstock
Kamera: Marcus Winterbauer
Schnitt: Felix Bach, Tim McLeish
Produzenten: Arne Birkenstock, Thomas Springer, Helmut G. Weber
Länge: 90 Minuten
Verleih: Real Fiction Filmverleih
Filmstart: 4. November 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Die 16-jährige Chandani möchte Elefantenführerin werden wie ihr Vater Sunambanda, der berühmteste Mahout Sri Lankas. Eigentlich wird die Tradition vom Vater an den Sohn weitergegeben, aber da Sunambanda keine Söhne hat und Chandanis Entschlossenheit und Talent erkennt, willigt er ein, sie auszubilden. Er schenkt Ihr einen eigenen kleinen Elefanten, um den sie sich kümmern soll und er nimmt sie – sehr zum Unwillen der anderen Mahouts – mit in seine Arbeitsstätte, das Elefanten-Waisenhaus Pinnawala. Im täglichen Umgang mit dem Elefantenbaby Kandula, bei der Arbeit mit den Arbeitselefanten von Pinnawala und auf Exkursionen zu den wilden Elefanten des Nationalparks lernt Chandani die Lebensweise der Elefanten und die Aufgaben der Elefantenpfleger kennen. Und schließlich ist sie die erste Frau, die einen Elefanten auf der traditionellen Perahera, einem religiösen Elefanten-Umzug, führen darf.

CHANDANI UND IHR ELEFANT verbindet Inszeniertes und Dokumentarisches auf eine offene und freundliche Weise, die Kindern den Zugang zum Genre erleichtert. Anders als die meisten Dokumentationen für Erwachsene erzählt der Film Chandanis Geschichte nicht aus der Sicht eines neutralen Beobachters. Chandani selbst führt als Erzählerin durch den Film und nimmt die jungen Zuschauer mit in ihre Welt. Auch die nachinszenierten Spielszenen, in denen die Familie sich selber spielt, und die dem Film eine vertraute fiktionale Struktur geben – ein Mädchen überwindet Hindernisse auf dem Weg zu ihrem Traumberuf – erleichtern den Zugang. So ermahnt Sunambanda seine Tochter beispielsweise am Anfang eindringlich, ihren Elefanten gut anzubinden. Die nächste Szene zeigt dann in Gegenschnitten, wie die Mädchen zur Schule gehen und lernen, während sich der Babyelefant (der übrigens schon größer als Chandani ist) langsam losreißt und beginnt, den Garten und die frische Wäsche zu verwüsten.

Die Szenenabfolge ist offensichtlich inszeniert, das Interesse des Films aber ist spürbar dokumentarisch. Die Kamera sieht ganz genau zu, wie Kandula sich aus ihren Ketten befreit, wie sie mit Leichtigkeit einen kleinen Baum umdrückt und wie der Knoten aussieht, mit dem Chandani sie hätte sicher befestigen können. Birkenstock interessiert sich für die Details und Besonderheiten von Chandanis Leben, für das mit dem Fuß gehaltene Messer, mit dem die Frauen der Familie das Essen bereiten ebenso wie für die Gespräche der Männer im Elefantenwaisenhaus. Dabei gilt das Hauptinteresse des Films natürlich den Elefanten. Gemeinsam mit Chandani erfahren die Zuschauer Wissenswertes über die Lebensgewohnheiten der imposanten Tiere, über ihre Pflege, ihren Einsatz als Arbeitstiere und ihr Leben in freier Natur. Auch ihre Bedeutung in der Gesellschaft spielt eine Rolle. Chandani lernt den Elefanten als Nutztier, als geschützte Art und als heiliges Tier kennen, aber auch als wildes Tier, das eine Bedrohung für die Landbevölkerung darstellt und in einer Nacht eine ganze Ernte vernichten kann.

Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist zunächst die für kleinere Kinder natürlich notwendige Synchronisation. Die Filmemacher haben sich bemüht, möglichst viele O-Töne zu belassen. Wichtige Dialoge sind synchronisiert, Nebenher-Gespräche meist im Original belassen, wodurch die deutschen Dialoge oftmals etwas hölzern Eingesprochenes haben. Alles in allem haben sie damit aber eine gute Lösung gefunden, dem dokumentarischen Anspruch des Films auch auf der Tonebene gerecht zu werden.

Hendrike Bake

Sri Lanka, das Elefantenland. Die etwa 16jährige Chandani liebt diese Tiere. Ein „Mahout“, eine Elefantenführerin, möchte sie werden. Doch dieser Beruf war bis jetzt strengstens Männern vorbehalten. Fast unüberwindbar diese Barriere. Eine Chance hat sie. Die Familie hat keinen Sohn, an den das seit Generationen vererbte Amt weiter gegeben werden kann.

Also bekommt Chandani doch ein Elefantenkalb anvertraut, dem sie den Namen Kandula gibt. Jetzt ist der Alltag zu bewältigen: die Aufzucht, der Dschungel mit den wild lebenden, nicht ungefährlichen Elefanten und zusammen mit ihrem Mentor Mohammed die Rettung eines Elefantenbabys vor dem sicheren Tod.

Chandani schafft es. Sie wird als eine der ersten Frauen eine Mahout sein. Vielleicht bekommt sie sogar eine Stelle als Wildhüterin im Nationalpark. Am religiösen Elefantenumzug darf sie ohnehin teilnehmen.

Für Tierfreunde, vor allem für junge. Denn Tiere, ihre Herdengemeinschaft, die Pflege kranker Elefanten, das Wachsen dieser Geschöpfe bis sie Riesen sind, ihre Verhaltensweisen, prächtige Landschaften, das alles ist in Hülle und Fülle zu sehen.

Eine Handlung gibt es in diesem Dokuspielfilm so gut wie nicht. Die Inszenierung ist denkbar einfach, der Rhythmus sehr getragen.

Vor allem für ein Publikum gedacht, das die Natur und die Tiere liebt.

Thomas Engel