Auf dem Weg zur Schule

Vier Kinder und ihr Schulweg, der beinahe schon eine Reise ist – auf jeden Fall aber ein Abenteuer. Pascal Plisson begleitet vier Schulkinder in Marokko, Indien, Argentinien und Kenia und lässt sie ihre Geschichte erzählen. Die herrlichen Landschaftsaufnahmen sind dabei genauso beeindruckend wie der Blick in das schwierige Leben der Menschen in abgelegenen Regionen der Erde.
Schulbildung wird oft umso weniger geschätzt, je selbstverständlicher sie ist. Leider! Davon können Eltern und Lehrer hierzulande ein Lied singen. Von daher ist die Zielgruppe relativ klar: Es sind neben den Genannten vor allem Kinder, die an diesem Gute-Laune-Film mit pädagogischer Botschaft ihren Spaß haben werden.

Mit Unterstützung von UNESCO und AIDE ET ACTION
Offizieller Partner der SOS Kinderdörfer weltweit.

Webseite: www.aufdemwegzurschule.senator.de

Frankreich 2012 – Dokumentation
Regie: Pascal Plisson
Buch: Pascal Plisson, Marie-Claire Javoy
Kamera: Pascal Plisson, Simon Watel
75 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 5. Dezember 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Bei uns sind Lehrkräfte oft damit beschäftigt, Schüler zum Lernen zu motivieren und ihnen sowie immer häufiger auch ihren Eltern zu vermitteln, wie wichtig Bildung ist. Für viele Kinder auf der Welt sieht das ganz anders aus: Schulbildung ist für sie etwas Erstrebenswertes, sie zeigt ihnen den Weg aus der Armut und sichert ihnen im späteren Leben Unabhängigkeit und Arbeit.

Weil Bildung ein so wertvolles Gut ist, müssen Schulkinder aus abgelegenen Regionen oft weite Schulwege bewältigen. Das ist eine Herausforderung für die Kinder, aber auch eine Gelegenheit, sich selbst zu beweisen. So wundert es nicht, dass die Kinder im Film alle sehr eigenständig und souverän wirken. Der elfjährige Jackson und seine Schwester Salome aus der afrikanischen Savanne sind zwei Stunden zur Schule unterwegs. Das ist für 15 Kilometer eine ziemlich gute Zeit. Die beiden rennen die meiste Zeit, es sei denn, sie verstecken sich vor Elefanten. Zahira aus Marokko hat andere Probleme. Sie muss mit ihren beiden Freundinnen vier Stunden auf schmalen Pfaden durch die Berge kraxeln, um ins Internat zu gelangen. Carlito aus Argentinien darf hingegen auf dem eigenen Pferd zur Schule reiten. Seine kleine Schwester sitzt hinter ihm und träumt davon, eines Tages selbst im Sattel zu sitzen. Samuel aus Indien wird von seinen Brüdern im Rollstuhl zur Schule geschoben. Das ist gar nicht so einfach, denn das verrostete Fahrgestell versagt auf der unwegsamen Strecke immer mal seinen Dienst.

Die vier Geschichten werden parallel und mit viel Schwung von den Kindern selbst erzählt. Dazu gibt es großartige Landschaftsaufnahmen, die zeigen, wie schön die Erde ist, besonders dort, wo nur wenige Menschen leben: im unwirtlichen Atlasgebirge, in der afrikanischen Savanne, in der patagonischen Steppe und am Indischen Ozean. Die liebenswerten Protagonisten sind mit viel Spaß und Eifer dabei. Der Blick in ihren Alltag zeigt nicht nur die allgemeine Lebenssituation, sondern auch durchaus spannende kleine Abenteuer und Einzelheiten, die sensibel und witzig erzählt werden: So muss Jackson aus Kenia in aller Frühe erst in der Savanne nach Wasser graben, damit er seine Schuluniform waschen und die Trinkwasserkanister befüllen kann. Danach folgt die tägliche Gardinenpredigt seines Vaters, wie er den Elefanten auszuweichen hat.

Alle vier Kinder wollen pünktlich in der Schule ankommen und müssen dafür Schwierigkeiten bewältigen. Geschwister und Freunde sind für sie willkommene Partner oder – wie bei Samuel – wichtige Helfer, um alle Hindernisse zu beseitigen, was stets zügig gelingt. Das wäre auch der einzige Kritikpunkt an diesem Film, der so viele großartige Bilder bietet: Manches wirkt einen Hauch zu glatt, zu sehr inszeniert und zu brav. Alle sind nett zueinander, Konflikte gibt es nicht, und Probleme werden praktisch im Handumdrehen gelöst. Dies mag ein Zugeständnis an das junge Zielpublikum sein, dem hier eine ganz klare Botschaft vermittelt wird: Du sollst dankbar dafür sein, dass du zur Schule gehen darfst.

Für Schulklassen und Gruppen lässt sich der Film gut empfehlen, zumal er synchronisiert ist und damit den (verwöhnten) deutschen Kindern das Lesen von Untertiteln erspart. Über so ein Entgegenkommen würden sich Zahira, Jackson, Samuel und Carlito wahrscheinlich sehr wundern.

Gaby Sikorski