B.B. King: The Life of Riley

Der King ist der König des Blues: Aus 250 Stunden Rohmaterial, unzähligen Interviews mit B.B. King und mannigfachen Gastbeiträgen von prominenten Wegbegleitern wie Mick Jagger, Eric Clapton oder Carlos Santana, macht Regisseur Jon Brewer einen soliden Dokumentarfilm nach klassischer Form – im Original mit Morgan Freeman als Erzähler. Immer wieder streift Brewer dabei wichtige Eckpfeiler der amerikanischen Geschichte und erzählt, wie sich der Junge, der einst auf einer Baumwollplantage geboren wurde, mit Ablehnung, Rassentrennung, Ku-Klux-Klan und dem hartnäckigen Wandel der Zeit arrangierte, um schließlich der größte Blues-Musiker aller Zeiten zu werden.

Webseite: www.arsenalfilm.de

Großbritannien 2012 – Dokumentation
Regie: Jon Brewer
Gäste: B.B. King, Mick Jagger, Bono, Ringo Starr, Barack Obama, Carlos Santana, Bruce Willis, Eric Clapton, Buddy Guy, Slash, Ronnie Wood, u.v.a.
Länge: 123 Minuten
Verleih: Arsenal
Kinostart: 9.5.2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Wer nicht gelitten hat, kann auch keinen Blues spielen. Wie kaum ein anderes musikalisches Genre ist der Blues mit seinen vielfach übertragenen Leidensmythen aus den Sümpfen Mississippi verbunden, die jahrzehntelang von Baumwollpflückern eher beweint als besungen wurde. Ablehnung, Unterdrückung, Missbrauch, Liebeskummer oder gebrochene Herzen, das sind die einfachen Ingredienzien der Musik, die in den 1920er Jahren im Süden der USA geboren wurde und rund 30 Jahre später den Weg für Rock’n Roll und Bands und Musiker wie die Beatles, Rolling Stones und Eric Clapton – oder noch später – U2 ebnete. Carlos Santana bringt diese Leidensbereitschaft an einer Stelle des Films auf den Punkt: „Wenn B.B. King im Fernsehen läuft, dann kann ich den Ton eigentlich ausschalten. Ich brauche nur sein verzerrtes Gesicht zu sehen, um die Musik zu verstehen.“

Dabei beginnt „The Life of Riley“ungewohnt schleppend und zäh: Unzählige Cousinen, Pastoren oder ehemalige Nachbarn mit tiefen Furchen im Gesicht und zahlreichen Zahnlücken erinnern sich, wie der kleine Riley B. King (wie er bürgerlich heißt), bereits als Steppke beim Baumwollpflücken helfen muss und im zarten Teenageralter seine Mutter verliert. Die ersten Blues-Musiker sind damals allgegenwärtig: Auf den Straßen, in den Bars oder auf der Veranda der Häuser, die kaum größer als ein Schuhkarton sind. Riley B. King verehrt Booker White, den damals populärsten Musiker. Als er ihn zum ersten Mal spielen sieht, hat er seine Bestimmung gefunden.

Etwa zur Filmmitte bekommt Jon Brewers Film endlich einen wohltemperierten Drive: Aus Riley ist längst B.B. geworden (eine Abkürzung für seinen Disc-Jockey-Namen beim Radio „Blus Bboy“) und er wird zum hard workin’ man: 350 Konzerte im Jahr machen ihn national bekannt. Er entgeht knapp einem Anschlag des Ku-Klux-Clans, als er im selben Hotel wie Martin Luther King absteigt, doch sein Ruhm verschafft im auch ungeahnte Privilegien in Zeiten der Rassenunruhen. Er ist der erste schwarze Musiker, der sich einen eigenen Tourbus kaufen kann. Als er zum zweiten Mal heiratet, wird das Paar von Aretha Franklin Vater getraut. Seine Gitarre „Lucille“ – benannt nach einer Frau, um die sich zwei Männer in einem brennenden Nachtclub prügelten – ist da bereits ebenfalls zum Mythos geworden und wird zum Verkaufsschlager.

Die vielen Wegbegleiter und Kollegen wie Eric Clapton, Ringo Starr, Johnny Winter oder die Rolling Stones ergeben sich in den fürs Genre üblichen Lobhudeleien, die einen bescheidenen Mann zeichnen, der sein Ego stets im Griff hatte und zum Vorbild für Generationen von Musikern werden sollte. Sogar John Lennon hört man einmal aus dem Off, wie er sich wünscht, so gut Gitarre wie B.B. King spielen zu können. Das Geheimnis seiner einzigartigen Fingertechnik haben viele ausprobiert, aber der Blues ist nun mal eine Frage des Herzens und nicht der Finger. Den besten Trick verrät der mittlerweile 87-Jährige selbst: „Wenn du auf die Bühne trittst, um Blues zu spielen, dann musst du angezogen sein, als würdest du zur Bank gehen, um die Geld zu leihen.“

David Siems