Babel

In der marokkanischen Wüste löst sich ein Schuss und hat weltweit Konsequenzen. Mit „Babel“ verwebt „21 Gramm“-Regisseur Alejandro González Iñárritu vier Parallelhandlungen in sechs Sprachen in Mexiko, Marokko, Japan und den USA. Was zunächst nach einem überambitionierten Projekt klingt, wird in seinen Händen und durch das intensive Spiel von Laien und Stars wie Brad Pitt zu fesselnd erzähltem Kino. Kraftvoll, unbequem und in Cannes völlig zu Recht mit dem Regiepreis ausgezeichnet.

Webseite: www.tobis.de

USA 2006
Regie: Alejandro González Iñárritu
Drehbuch: Guillermo Arriaga
Darsteller: Cate Blanchett, Brad Pitt, Gael García Bernal, Kôji Yakusho, Jamie McBride
142 Minuten, Farbe
Verleih: Tobis
Start: 21.12.2006

PRESSESTIMMEN:

Ein meisterhaftes Drama über menschliches Scheitern und unsere Unfähigkeit zur Kommunikation. ‘Babel’ mit seinen exotischen Schauplätzen, seinem Sprachengewirr und dem Mix aus Hollywoodstars und famosen Laiendarstellern ist das Gegenteil eines Wohlfühl-Films. Und gerade deshalb unvergesslich.
Brigitte

…zeigt, wie packend politisches Kino sein kann.
Der Spiegel

Ein sehr sehenswerter Film…
"Babel" zeigt die Welt als potenzielles Paradies, das vor allem durch unsere Unfähigkeit zu kommunizieren zur Hölle wird. Am Ende aber steht ein Hoffnungsschimmer. Kunstvoll führt Regisseur Innaritu die Geschichten immer direkter zusammen – ein raffiniertes Spiel mit Raum und Zeit. Politisch brisant und doch ganz privat, Bilder, die sich tief in die Erinnerung einbrennen. Intensiv, ergreifend, Oscar-würdig – ein Meisterwerk des Weltkinos!
ZDF Heute-Journal

Eine inspirierende Herausforderung für Intellekt und Sinne. – Sehenswert!
tip Berlin

FILMKRITIK:

Kleine Ursache, globale Wirkung. „Babel“ funktioniert nach der Theorie des Schmetterlings, der mit seinem Flügelschlag eine Katastrophe auslöst. Zu Beginn von Alejandro González Iñárritus Film, der in Cannes hoch verdient mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurde, schießen zwei marokkanische Bauernjungs ohne Ahnung der bitteren Konsequenzen mit ihrem Gewehr auf einen Touristenbus. Die Folge: Über zweieinhalb Filmstunden entlädt sich eine dicht erzählte Parabel auf Missverständnisse, Sprachbarrieren und  andere Misskommunikationen unterschiedlichster Art – wie bereits der Titel andeutet. Nach dem biblischen Mythos wollten die Menschen einen Turm bis in den Himmel bauen, mussten aber aufgrund ihres anmaßenden Vorhabens fortan unterschiedliche Sprachen sprechen.

 

Trotz der global medialen Vernetzung existieren diese Probleme schließlich nach wie vor. Sie werden, wie in „Babel“ auch deutlich wird, in Zeiten der allgegenwärtigen Terrorangst noch verstärkt und nach dem unbeabsichtigten Attentat in vier straffen Parallelhandlungen eine Reihe überwiegend unschuldiger Menschen (kurzzeitig) ins Unglück stürzen: Die von dem Schuss getroffene amerikanische Touristin Susan (Cate Blanchett) wird mit ihrem Mann Richard (Brad Pitt), der im Wüstennirgendwo panisch Hilfe organisieren will, schwer verwundet in einem Wüstendorf zurückgelassen. Derweil nimmt das Latino-Kindermädchen deren zwei zu Hause gebliebene Sprösslinge zur Hochzeit ihres Sohnes (Gael García Bernal) nach Mexiko mit und wird unfreiwillig in einen Konflikt an der Grenze zwischen den USA und Mexiko verwickelt. Zur selben Zeit versucht das taubstumme Mädchen Chieko (Rinko Kikuchi) in Tokio den Selbstmord der Mutter zu verarbeiten und unternimmt verzweifelte Kommunikationsversuche. Chiekos Vater (Kôji Yakusho), einem Jäger, gehörte einst die Flinte, die wiederum die marokkanische Bauernfamilie in massive Schwierigkeiten bringt.

Wie diese drei Leidensgeschichten, in denen die Unschuldigen nach und nach machtlos der Ausweglosigkeit ausgesetzt werden, zusammenhangen, erfährt man in dieser kraftvoll episodischen Erzählung erst zum Schluss. Nach „Amores Perros“ und „21 Gramm“ schließt „Babel“ die Trilogie nach Drehbüchern von Guillermo Arriaga ab und ist dabei bislang sicherlich der zugänglichste von Iñárritus Filmen. Die drei tragischen Geschichten entfesseln dabei sich steigernde, schmerzhaft emotionale Extremsituationen von Menschen, die in einer Welt der immer kleiner werdenden Distanzen alle miteinander zusammenhängen. Verstreut auf Schauplätze in Marokko, Japan, Amerika und Mexiko und erzählt in Japanisch, Englisch, Spanisch, Arabisch und Gebärdensprache. Was auf dem Papier wie ein überambitioniertes Unternehmen wirkt, entwickelt als durchweg kraftvoll gespielter Film – ob von Stars wie Brad Pitt oder den marokkanischen Laiendarstellern – eine schmerzhafte Intensität, mit der er die Zuschauer schon in seinen Vorgängerfilmen herausforderte. Unbequem und eindringlich gleichermaßen.

Sascha Rettig