Ballets Russes

In ihrer schönen, bisweilen etwas ausufernden Dokumentation zeichnen Dayna Goldfine und Dan Geller die Geschichte des bzw. der Ballets Russes nach. Diese erlebten in den 30er und 40er Jahren ihre Blütezeit und boten Tänzern und Tänzerinnen, die zunächst vor allem aus Exilrussen bestanden die Möglichkeit der Welt ihre Kunst zu präsentieren. Nicht zuletzt erstaunliche Originalaufnahmen machen diese Dokumentation für alle Freunde von Tanz und Ballett überaus sehenswert.

Webseite: www.delicatessen.org/ballets_russes.html

USA 2005
Regie: Dayna Goldfine, Dan Geller
Mit: Alicia Markova, Frederic Franklin, Mia Slavenska, Nathalie Krassakova, Tatiana Riabouchinska, George Zoritch
118 Minuten, Format 1:1,85
Verleih: MFA/Salzgeber
Kinostart: 5. April 2007

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Anfang 2000 trafen sich zahlreiche der noch lebenden Mitglieder der Ballets Russes zu einer Art Klassentreffen in New Orleans. Zum Teil über 80 Jahre waren die Künstler inzwischen alt, doch zumeist noch erstaunlich rüstig und immer noch in ihrem geliebten Beruf arbeitend. Von diesem Treffen ausgehend entwickeln die New Yorker Dokumentarfilmer Dayna Goldfine und Dan Geller ihren Film, der in manchmal etwas übertriebener Akribie die Geschichte der Ballets Russes nachzeichnet. Das erste Ensemble dieses Namens war 1909 von Sergei Diaghilev gegründet worden und brachte neben berühmten Tänzern auch Künstler wie Miro und Picasso zusammen, die Bühnenbilder entwarfen. Finanzielle Probleme sorgten bald für das Ende der Gruppe. Doch die Idee des Ballets Russes blieb bestehen und wurde in den 30er Jahren von gleich zwei, fortan konkurrierenden Equipagen aufgenommen. Nun tourten ein Ballet Russe de Monte Carlo und ein Original Ballets Russes durch die Welt und warben sich gegenseitig Tänzer und Choreographen ab. Vor allem aber brachten sie auch solchen Menschen den Tanz nahe, die vorher, abseits der Hauptstädte der westlichen Welt, keine Gelegenheit hatten sich von der Kraft eines Balletts überwältigen zu lassen.

Dazu bei trugen Tänzer wie Alicia Markova, Frederic Franklin, Mia Slavenska, Nathalie Krassakova oder Tatiana Riabouchinska, die den Filmemachern Rede und Antwort standen. Allesamt über 80 Jahre alt (und zum Teil in der Zeit seit den Filmaufnahmen verstorben) sprühen sie immer noch vor Lebensfreude, arbeiten als Tanzlehrer und Choreographen und erinnern sich mit Witz und Esprit an ihre große Zeit. Diese wird mit Archivaufnahmen aus den 30er und 40er Jahren beschworen, die von erstaunlicher Qualität sind. Gerne hätte man davon mehr gesehen doch selbst die kurzen Ausschnitte vermitteln ein Bild von der tänzerischen Qualität der Darbietungen, aber auch von den innovativen Kostümen und Bühnenbildern.

Ob es nötig gewesen wäre diese Ära des Tanzes mit derart viel Nostalgie zu betrachten, wie es die Autoren tun, sei allerdings dahingestellt. Auch wenn diese Ära vorbei ist, die Balletts Russe mit dem Tod ihrer künstlerischen Leiter in den 50er bzw. den 70er Jahren zu Ende ging, bedeutete dies schließlich nicht das Ende des Tanzes schlechthin. Schafft man es aber über diese Nostalgie hinwegzusehen, wird man mit Einblicken in die Welt des Balletts belohnt, wie man sie selten zu sehen bekommt.

 

Michael Meyns