Bel Ami

In einem zumindest mutigen Versuch, das Bild des sanftmütigen Vampirs aus der „Twilight“-Saga abzustreifen, spielt Robert Pattinson Guy de Maupassants opportunistischen Anti-Helden Georges Duroy. In dieser in jeder Hinsicht lauten Version von „Bel Ami“ gehen die politischen und sozialen Zwischentöne der Vorlage zwar weitestgehend unter, als Kostümschinken kann der Film aber durchaus überzeugen.

Webseite: www.studiocanal.de

Großbritannien 2011
Regie: Declan Donnellan und Nick Ormerod
Buch: Rachel Bennette, nach dem Roman von Guy de Maupassant
Darsteller: Robert Pattinson, Uma Thurman, Kristin Scott Thomas, Christina Ricci, Colm Meaney, Philip Glenister
Länge: 102 Minuten
Verleih: Studiocanal
Kinostart: 26. April 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Wie kaum ein anderer junger Schauspieler sieht sich Robert Pattinson harscher, oft persönlicher Kritik ausgesetzt. Trotz oder vielleicht auch wegen seiner enormen Popularität, die er durch den riesigen Erfolg der Vampir-Saga „Twilight“ erlangt hat, wird ihm oft jegliches schauspielerisches Talent und Charisma abgesprochen. Angesichts dieser Kritik ist es fraglos mutig, dass Pattinson in dieser Neuverfilmung von Guy de Maupassants Roman-Klassiker „Bel Ami“ eine Figur spielt, die kaum weiter von seinem sanften Vampir Edward Cullen entfernt sein könnte. Denn Georges Duroy ist ein egozentrischer Opportunist, der seinen Charme und sein Aussehen dazu verwendet, sich in der Pariser Gesellschaft des späten 19. Jahrhunderts nach oben zu schlafen, bis er von seiner ärmlichen Herkunft zum wohlhabenden Mann geworden ist.

Besonders sympathisch ist diese Figur also nicht, wenngleich ungemein faszinierend. Doch so recht scheint das Regisseursduo Declan Donnellan und Nick Ormerod der Sache nicht zu trauen, so richtig scheinen sie das Pattinson anhimmelnde weibliche Zielpublikum nicht verschrecken zu wollen. Und vor allem scheinen sie Pattinsons schauspielerischen Fähigkeiten nicht ganz zu vertrauen und bedienen sich immer wieder einer bombastischen, dröhnenden Musik, um die Emotionen zu transportieren, die sich eigentlich durch die Mimik der Schauspieler vermitteln sollte. Allerdings macht es das Drehbuch Pattinson auch nicht leicht, denn der Georges Duroy dieses Films ist weniger aktiver Verfolger seiner Möglichkeiten als passiver Beobachter, der sich fast gegen all die Möglichkeiten wehrt, die ihm vor die Füße fallen.

Zu Beginn der Erzählung ist Duroy gerade aus den französischen Kolonialkriegen nach Paris zurückgekehrt, lebt in einer Bruchbude und hat kaum noch Geld in der Tasche. In einem Lokal trifft er auf Forrestier, einen Kriegskameraden und vor allem Mitglied der Pariser Gesellschaft. Er lädt Duroy zum Essen ein, macht ihn mit seiner Frau Madeleine (Uma Thurman) bekannt und verschafft ihm eine Stellung bei der Zeitung La Vie Francaise. Auch anwesend sind Rousset, der Besitzer der Zeitung, der plant die aktuelle Regierung aus dem Amt zu schreiben, dessen Frau (Kristin Scott Thomas) und die junge Clotilde (Christina Ricci). Mit ihr beginnt Duroy bald seine erste Affäre und damit seinen Aufstieg in der Gesellschaft. Immer größer wird sein Erfolg, immer schneller steigt er die Karriereleiter hinauf und lässt sich auch nicht von zwischenzeitlichen Rückschlägen aufhalten.

So ganz nimmt man Robert Pattinson den herzlosen Opportunisten jedoch nicht ab. Zwar ist er redlich darum bemüht, kalt und emotionslos zu wirken, die Frauen zu benutzen, seinen eigenen Vorteil zu verfolgen, unmoralisch zu agieren, wirklich überzeugend ist das nur manchmal. Die Ambivalenz der Figur, die ein oberflächliches, korruptes System benutzt und letztlich mit den eigenen Waffen schlägt, ist weitestgehend begraben unter Bombast. Von der politischen Brisanz eines ungewollten Krieges, der durch Zeitungen herbei geschrieben wird, ganz zu schweigen. So überzeugt dieser „Bel Ami“ weniger durch die Komplexität der Vorlage, als durch schöne Ausstattung, schöne Kostüme, schöne Menschen, kurz gesagt: Einer schönen Oberfläche. Und die Frage, ob Robert Pattinson ein guter Schauspieler ist oder doch nur eine schöne Fassade, bleibt auch nach diesem Film unbeantwortet.

Michael Meyns

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