Belle & Sebastian

Niemals mit Kindern und Tieren arbeiten raten viele Filmemacher. Genau diese beiden Elemente – ein kleiner Junge und ein großer Hund – sind die Hauptfiguren des Kinderfilms „Belle & Sebastian", die in atemberaubender Landschaft – der dritte Hauptdarsteller! – aufregende Abenteuer erleben und mit ihrem Charme über manches Süßliche hinwegsehen lassen.

Webseite: www.belle-und-sebastian.de

Frankreich 2013
Regie: Nicolas Vanier
Buch: Juliette Sales, Fabien Suarez, Nicolas Vanier, nach dem Kinderbuch von Cécile Aubry
Darsteller: Félix Bossuet, Tchéky Karyo, Margaux Chatelier, Dimitri Storoge, Andreas Pietschmann, Mehdi
Länge: 94 Minuten
Verleih: Ascot Elite
Kinostart: 19. Dezember 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

In Frankreich sind die Kinderbücher um „Belle & Sebastian“, die Cécile Aubry in den 60er Jahren schrieb, sehr beliebt. 1965 dienten sie als Vorlage einer kurzlebigen Fernsehserie, die auch in Deutschland zu sehen war. Nun, fast 40 Jahre später, adaptiert Nicolas Vanier den Stoff für die große Leinwand. Dass Vanier bislang vor allem als Dokumentarfilmer bekannt ist, dessen viele Reisen ihn vor allem in abgelegene, oft unwirtliche Regionen geführt haben, merkt man auch diesem, seinem zweiten Spielfilm an. Denn mehr als die gleichermaßen schlichte wie überkonstruierte Geschichte, beeindrucken die Bilder aus der schroffen Landschaft der französischen Savoyen.

Dort, im äußersten Osten Frankreichs, nur wenige Gipfelpässe von der Schweiz entfernt, lebt der kleine Sebastian (Félix Bossuet) beim alten, brummigen César (Tchéky Karyo). Gemeinsam wandern sie durch die Berge, hüten Schafe und sind auf der Jagd nach der „Bestie“, von der César und die anderen Dorfbewohner glauben, dass sie Schafe reißt. Doch die Bestie erweist sich als Schönheit, als Belle, wie Sebastian den Hund tauft, den er eines Tages entdeckt. Nach einem Bad im Bergbach verwandelt sich der dreckige Kläffer in einen wuschelig weißen Berghund, den Sebastian sofort ins Herz schließt.

Vor den Dorfbewohnern muss er seine Freundin jedoch verstecken, auch wenn die ohnehin andere Sorgen haben: Denn wir schreiben das Jahr 1943, und auch in diesem verlassenen Bergdorf sind die Nazis präsent. Besonders in Gestalt von Leutnant Peter (Andreas Pietschmann), dessen Auftrag es ist, Flüchtlinge aufzuspüren. Die werden unter anderem vom Arzt Guillaume (Dimitri Storoge) über die Berge in die rettende Schweiz geführt. Das sowohl Doktor Guillaume als auch Leutnant Peter ein Auge auf die schöne Bäckerin Angélina (Margaux Chatelier) – Sebastians Ersatzmutter – geworfen haben, droht die Situation zusätzlich zu verkomplizieren.

Dass Nicolas Vanier die Geschichte von den 60er in die 40er Jahre verlegt, weil dort die Landschaft noch unberührt war, deutet die Nostalgie an, die „Belle & Sebastian“ durch und durch verströmt. Eine heile Welt evoziert Vanier, in der Mensch, Tier und Natur im Einklang existieren, und die auch durch Probleme wie den Zweiten Weltkrieg oder Nazis nicht ernsthaft gestört werden kann.

Doch das mag ein etwas zu erwachsener Blick auf einen Film sein, der in erster Linie ein Kinderfilm sein will. Dementsprechend emotional wird die Beziehung zwischen Sebastian und Belle inszeniert, die in fraglos eindrucksvollen Bildern durch die ebenso eindrucksvolle Landschaft der Savoyen toben. In diesen Momenten ist der Film ganz bei sich, in Szenen, die eher zeigen als erzählen kann Nicolas Vanier seine Stärke, sein Gespür für Bilder, ausspielen. Denn gerade im letzten Drittel von „Belle & Sebastian“, wenn die angedeuteten Konflikte zusammenlaufen und große Dramatik beschworen wird, holpert die Erzählung eher als das sie fließt. Was bleibt sind somit zwei sehr sympathische Hauptdarsteller und eindrucksvolle Bilder, die auch mit etwas weniger Nostalgie und Kitsch für einen schönen Kinderfilm gereicht hätten.

Michael Meyns