Beste Gegend

Marcus H. Rosenmüller „the hardest working man im deutschen Filmbusiness“, der Godfather des Bayernkinos: Fünf Filme hat er in zwei Jahren gedreht, jetzt legt er nach „Beste Zeit“ mit „Beste Gegend“ den zweiten Teil der Trilogie über zwei Freundinnen, das Erwachsenwerden, das Wegsehnen und Heimkommen vor.
Mit der vogelwilden Lausbubenkomödie „Wer früher stirbt, ist länger tot“ ist Rosenmüller berühmt geworden, mit „Beste Zeit“ hat er bewiesen, dass er genauso gut ist, wenn er ganz sensibel eine ruhige Mädelsgeschichte erzählt und mit „Beste Gegend“ zeigt er, dass es immer noch besser geht. Ein warmherziger, klug komponierter, gut gespielter Film – gefühlsstark und humorvoll – eine Liebeserklärung an das Leben.

Webseite: www.constantinfilm.de

Deutschland 2007
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Darsteller: Anna Maria Sturm, Rosalie Thomass, Ferdinand Schmidt-Modrow, Volker Bruch, Stefan Murr, Johanna Bittenbinder, Andreas Giebel
Länge: ca. 90 Min.
Verleih: Constantin
Kinostart: 3.1.2008

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

„Das riecht alles nach Freiheit, riechst du das?“
Kati (Anna Maria Sturm) und Jo (Rosalie Thomass)  sind seit Kindertagen beste Freundinnen. Kati, der Feuerkopf, Jo, die erwachsenere mit den coolen Sprüchen. Die beiden leben in Tandern, einem kleinen Dorf in Bayern. Tandern – die Gegend, ihre Familien, die Freunde, ihre Freundschaft  – das ist ihr Paradies, aber dieses Paradies müssen sie jetzt verlassen, um ihren Platz im Leben zu finden.
Im ersten Teil der Geschichte hatte Kati überlegt, für ein Jahr nach Amerika zu gehen, um die Welt zu sehen, aber dann wurde ihr klar, dass ihre Welt einstweilen hier in ihrer Heimat ist.

Zwei Jahre sind vergangen seither, die Mädchen keine Teenager mehr, „jetzt muss alles anders werden!“ Das Abitur ist vorbei, Kati hat es geschafft, Jo nicht, aber zur Nachprüfung kriegen sie keine zehn Pferde, denn die beiden Freundinnen wollen auf Weltreise gehen. Einfach ins Auto setzen, losfahren, nicht zurückschauen, sondern nach vorne und sehen, was hinter dem Tanderner Horizont liegt. Und Jo ahnt: Wenn sie nicht gleich fahren, dann fahren sie nie. „Auf Fahrtwind und Freiheit, ohne Kompromisse!“

Aber so einfach ist es nicht. Kaum am Brenner angekommen, müssen sie umkehren, weil Katis Opa im Sterben liegt und plötzlich beschleicht beide das Gefühl, dass es hier um viel mehr geht, als um eine Urlaubsfahrt: Sie müssen die Weichen neu stellen – sowohl  für ihr Leben, als auch für ihre Freundschaft.

„Beste Gegend“ erzählt die Geschichte einer Freundschaft und zugleich von der Angst vor Veränderung, die einen nicht nur als Teenager, sondern ein Leben lang begleitet. Marcus H. Rosenmüller:  „Diese Angst –  was ist, wenn alles anders wird- die kenne ich auch. Die Ungewissheit, das Schwanken, und dann der Trost, wenn ich merke, ich bin mit dieser Unsicherheit nicht allein.“
 Rosenmüller hat ein außergewöhnliches Talent, menschliche Gefühle in Kinobilder zu übersetzen. Jede Einstellung und jede Metapher ist sorgsam durchdacht, jeder Dialog wird so lange überarbeitet, auch am Set mit den Schauspielerinnen, bis er eine innere Durchsichtigkeit und Wahrhaftigkeit bekommt. 
 
Kino ist eine Kunst, die viele Sprachen benutzt: Bilder, Worte, Musik – bei Rosenmüller fügen sich alle Sprachen so selbstverständlich zu einem Ganzen, dass die Illusion und das Vergnügen perfekt sind.

Ein kleiner Film, in dessen Seelenlandschaften man sich liebend gerne verliert und der Beweis, dass Rosenmüller nicht nur „the hardest working man“, sondern ein Ausnahmetalent im deutschen Film ist.

Sandra Vogell